Kims Skiliftparadies — Von der Überwindung der Moral


Wenn ihr in den letzten Tagen mal in die Zeitung geschaut und nach einem Nordkorea-Thema gesucht habt, dann dürfte euch nicht entgangen sein, dass die Schweiz, genauer das Staatssekretariat für Wirtschaft, dem Maschinenbau Unternehmen Bartholet den Export einer Seilbahn/Skilift nach Nordkorea untersagt hat. Dieses Verbot erfolgte auf Basis der bestehenden Sanktionen gegen Nordkorea. In Resolution 1718 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen findet sich folgender Absatz:

8. beschließt,

a) dass alle Mitgliedstaaten die Lieferung, den Verkauf oder den Transfer der nachstehenden Gegenstände an die DRVK, auf direktem oder indirektem Weg, über ihr Hoheitsgebiet oder durch ihre Staatsangehörigen oder unter Benutzung von ihre Flagge führenden Schiffen oder Luftfahrzeugen, und gleichviel ob sie ihren Ursprung in ihrem Hoheitsgebiet haben oder nicht, verhindern werden:

[…]

iii) Luxusgüter

Naja und den kann man halt sehr weit auslegen, denn was Luxusgüter genau sind dürfen die Staaten selbst bestimmen und diese Freiheit haben sich die Schweizer nun im Fall der Seilbahn genommen.
Wer hier regelmäßig mitliest, der dürfte wissen, dass ich den Sanktionen gegenüber Nordkorea oder vielmehr ihrer Umsetzung durch viele Staaten, relativ zwiespältig gegenüberstehe. Ich will dieses Thema jetzt nicht wieder von hinten aufrollen und meine Meinung über wirtschaftliche Schäden und kulturelle Bestrafung breittreten (wie weit kann sich eine Wirtschaft ohne Computer entwickeln und wie steht es um die Möglichkeit zur kulturellen Teilhabe, wenn keine Musikinstrumente in ein Land exportiert werden dürfen), aber in diesem speziellen Fall ist mir doch etwas im Umgang unserer Medien mit dem Thema aufgefallen, das mir ein bisschen nach schlechtem Gewissen riecht.

Kim Jong Uns Seilbahn/Skilift/Paradies

Denn wenn man sich die Artikel zu dem Thema und darin besonders die Überschriften mal anschaut, dann fällt etwas auf:

Sanktionen gegen Nordkorea: Schweiz stoppt Skilift-Lieferung an Kim Jong Un (Spiegel Online)
Kim Jong Un will Skiparadies schaffen — Schweiz verweigert Nordkorea Skilifte (RP Online)
Schweiz untersagt Lieferung an Nordkorea — Kein Skilift für Kim Jong Un (Tagesschau.de)
Luxus-Skigebiet in Nordkorea — Kims Paradies (Süddeutsche.de)

Irgendwie erwecken diese Überschriften den Eindruck, als habe sich Kim Jong Un einen Skilift für sein Schlafzimmer bestellt (vielleicht um damit auf den riesigen Haufen westlicher Pornos zu fahren, den er ja bekanntlich von seinem Vater geerbt hat). Als wäre das Ding für seinen exklusiven Gebrauch gedacht und als würde das ganze Skigebiet eigentlich nur von und für ihn gebaut.
Ich muss ganz ehrlich zugeben, ich weiß nicht zu hundert Prozent sicher, dass das nicht so ist, aber ich würde doch drauf wetten. Selbst wenn Kim Jong Un in der Schweiz war (wofür es nach wie vor nicht den geringsten stichhaltigen Beleg gibt) und da nichts getan hat, außer dem Pistengaudi zu frönen, so ist es doch abwegig zu denken, er würde die „110 Pistenkilometer, Seilbahnen, Hotels“ für sich alleine bauen. Nun gut, man kann ihm vorwerfen, dass er das Skigebiet propagandistisch ausschlachten will, aber das kann man dann auch jedem deutschen Minister und Kanzler und so weiter unterstellen, wenn er irgendein Gebäude, eine Straße oder sonstwas einweiht.

Wie man moralisches Unwohlsein geradebiegt

Wieso aber dann diese Fokussierung auf Kim Jong Un?
Vielleicht denken da doch einige Journalisten drüber nach, dass sie ganz gerne mal in Skiurlaub fahren und dass sie es ziemlich blöd fänden, wenn sie das nicht könnten, weil eine Regierung, an der sie nichts ändern können, eine Politik betreibt, an der sie erst recht nichts ändern können. Grundsätzlich könnte der eine oder andere Schöpfer der oben aufgeschriebenen Unterschriften es irgendwo  tief in sich drin für unfair gehalten haben, dass den Nordkoreanern die Möglichkeiten zum Skifahren verbaut werden sollen, weil man ihren Diktator anders nicht ärgern kann. Die Lösung dieses kognitiven Dilemmas: Man macht sich selbst weiß, dass die ganze Geschichte nur Kim Jong Un wehtut und das ist ja dann eine gute Sache, denn Kim ist ja bekanntlich ein mieser Diktator, der seine Leute schindet und die Welt bedroht. Also schreibt man ganz selbstgewiss von Kims Skilift, Kims Skigebiet und Kims Paradies. Da kommt sonst eigentlich keiner vor und dann trifft es schon den Richtigen.  Bestenfalls werden irgendwo im Text noch „die Eliten“ genannt, die vermutlich tatsächlich vom Skigebiet profitieren. Aber wie schwer die Grenze zwischen „den Eliten“ und „den normalen Diktaturuntertanen“ zu ziehen ist, davon können wir Deutschen doch ein ziemlich langes Lied trällern.
Jedenfalls kann man am Ende sicher sein, dass die ganze Nummer nicht irgendwelche ganz normalen Menschen getroffen hat, die eigentlich garnichts getan haben und nur mal gerne was anderes machen wollen, als die alltäglichen Indoktrinationstrainings und die mehr oder minder sinnige Feld- Straßenreinigungs- oder Fabrikarbeit, sondern dass nur die Eliten und vor allem Kim Jong Un, getroffen wurde. Und das kann man ja wirklich nicht kritisieren…

Eine ruhmlose Ausnahme: Naivität schützt vor Einfältigkeit nicht

Allerdings will ich bei diesem kollektiven Selbstbetrug nicht alle deutschen Journalisten über einen Kamm scheren. Zumindest eine Zeitung war mit sich selbst und den Lesern ehrlich.
Die WELT schreibt nämlich von einem „Trick“ mit dem die Schweizer Regierung den Export des Skilifts verhindert habe. Man habe den Skilift „kurzerhand“ als „Luxusgut“ klassifiziert und damit den Export verhindert. Hier sagt also mal einer, dass ein Skilift kein Lxusgut ist. Aber nur, weil man als WELT Autor scheinbar in der festen Überzeugung verankert ist, dass man den Kommunisten garnichts liefern soll. Weder Luxusgüter, noch irgendwas anderes (wozu laut WELT ja dann auch Skilifte gehören). Und damit schließt sich so ein bisschen der Kreis zu den oben angesprochenen kognitiven Dissonanzen der Journalisten. Denn da der Vertreter der WELT das ja so und so super findet, wenn die Steinzeitkommunisten irgendwas nicht geliefert bekommen, muss er sich auch nicht selbst die Kim Jong Un-Brücke bauen, sondern kann mit der schlichten Schlagzeile

Schweiz verbietet Skilift-Lieferung an Nordkorea

an den Start gehen. Schön wenn die Welt so einfach ist. Erstaunlich finde ich trotzdem die Naivität, über die man wohl verfügen muss, um nicht selbst ins Grübeln zu geraten, wenn man schreibt, dass Staaten der „freien Welt“ mit irgendwelchen Tricks irgendwelche Güter umdeklarieren, um damit anderen Staaten zu schaden. Denn hey, wenn man mit so einer Trickserei erstmal anfängt, dann ist es am Ende schwierig, das richtige Maß zu finden.

Warum nicht mal ein bisschen hinterfragen?

Aber naja, so ist das eben, solange man weiß wo die Bösen stehen, solange man selbst bei den Aufrechten steht und solange man nicht allzuviel drüber nachdenkt, dass hinter jedem Bösen in Nordkorea auch ein paar Normale stehen, solange kann man auch ganz gut ignorieren, dass die Sanktionen gegen Nordkorea öfter mal jeglichen Sinn für Gerechtigkeit und Humanität ad absurdum führen. Ich würde mir nur wünschen, dass hin und wieder ein deutscher Journalist ein bisschen gegen den Strom schwimmt — nicht nur aus Versehen, wie der Mensch von der WELT —  und auch mal hinterfragt, was die Sanktionen erreichen sollen und wie sie im Endeffekt wirklich wirken.

Kim Jong Un und der Schwachsinn mit der Schweiz — Wie man Realitäten konstruiert


Kim Jong Un ist ja grundsätzlich eine ziemlich unbekannte Größe. Eigentlich weiß man über ihn nicht viel mehr, als das, was uns die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA so an Informationsbrocken hinwirft. Und das bezieht sich ja immer auf das, was der Junge aktuell tut. Über das, was er bis zu seinem Erscheinen auf der Bildfläche getan hat, wissen wir so ziemlich garnichts.

Warum Vermuten im Fall Nordkorea fast so gut ist wie Wissen

Aber das ist natürlich recht unbefriedigend für Medienschaffende und Analysten und deshalb greift man gerne auf das Vermuten als Ersatz zum Wissen zurück. Vermutungen sind ja auch schonmal eine feine Sache, aber es sind eben keine Fakten. Sie können mehr oder weniger begründet sein und sich aus verschiedenen Quellen speisen, aber im Endeffekt kann man erst sagen, dass man etwas weiß, wenn es einen Beweis gibt. Das macht das Hantieren mit Vermutungen ein bisschen riskant, denn wo ein Beweis aussteht, kann auch noch ein Gegenbeweis erbracht werden. Und alle Schlüsse, die man dann schon aus seinen Vermutungen gezogen hat sind hinfällig, ja man verliert sogar ein bisschen an Glaubwürdigkeit. Aber wo man nichts weiß, da kann man entweder nichts zu sagen, oder man muss vermuten, wenn man unbedingt etwas sagen will. Wenn es um Nordkorea geht, hat schon immer sowas wie ein Konsens bestanden, dass Vermutungen fast genauso gut sind wie Wissen, denn sonst müsste man ja zu so vielem Schweigen. Also schreibt oder sagt man einfach was man so gerade vermutet und versucht es noch irgendwie mit Beweisen zu füttern.

Die Sache mit Kim Jong Uns  Schulkarriere in der Schweiz

Demensprechend wurde auch zu Kim Jong Un in den letzten Jahren schon sehrviel gemutmaßt und geglaubt, aber wenig gewusst. Eine der obskursten Storys aus diesem Feld ist sicherlich seine Schulausbildung. Danach hat er Ende der neunziger Jahre eine Schule in der Schweiz besucht. Aber natürlich nicht als Kim Jong Un, sondern als Un Pak, Sohn eines Schweizer Botschaftsangestellten. Dort soll er nicht besonders erfolgreich in der Schule gewesen sein, sich dafür aber für Basketball und Jean Claude van Damme interessiert haben. Klingt doch gut. Und wie wird diese Behauptung belegt? Durch eine Bildanalyse eines „morphologischen Gesichtsvergleichs“ und weil ein ehemaliger Klassenkamerad von Un Pak sagt, der hätte ihm vom Familienleben mit Diktatorenpapa Kim erzählt. Vor allem ist die Story aber nicht widerlegt und daher kann man vortrefflich darüber fabulieren, dass Kim Jong Un jahrelang unter demokratischen Bedingungen gelebt habe und Deutsch spreche, man also viel von ihm erwarten könne, oder sowas. Nur klingt das für mich alles noch nicht so wirklich  überzeugend.

Den Mythos weitergesponnen

Heute habe ich dann eine Meldung gelesen, die mich vollends am gesunden Menschenverstand einiger Medienschaffender hat zweifeln lassen. Da ist nachzulesen, dass Kim Jong Un schon 1991 als achtjähriger in die Schweiz eingereist sei. Dort habe er dann weitere acht Jahre unter dem Synonym Un Pak als Sohn eines Botschaftsangestellten aufgehalten. Allerdings sei nicht bekannt, was er die fünf Jahre vor seiner bisher bekannten Schulausbildung auf der mittlerweile berühmten Steinhölzli Schule gemacht habe.

Absolut logisch…

Klar! Das ist die einzige logische Erklärung, denn schließlich kann man überall nachlesen, dass Pak Un (oder Un Pak) kein anderer als Kim Jong Un sein kann. Es ist höchstwahrscheinlich, dass Kim Jong Il seinen Sohn fast für ein Jahrzehnt irgendwohin weit weg von zuhause schickte, wo vollkommen andere gesellschaftliche Bedingungen herrschen, auf das er sich so gut wie möglich auf eine mögliche Diktatorenlaufbahn (oder Diktatorenbruderlaufbahn) vorbereite.

…und total abwegig

Total abwegig erscheint es dagegen, dass der junge der da 1991 in die Schweiz eingereist ist, Pak Un hieß und Sohn eines nordkoreanischen Botschaftsangestellten war. So ein Schwachsinn, was soll denn Kim Jong Un dann die ganze Zeit getrieben haben. Da hätten unsere ausgezeichneten investigativen Journalisten doch bestimmt was rausgefunden. Sie haben aber nur rausgefunden, dass ein Junge der Kim Jong Un ähnlich sah, für einige Zeit in der Schweiz gelebt hat. Also muss das Kim Jong Un sein.

Mögliche Mythosfortsetzungen

Tja, und wenn Kim Jong Uns Scheinvater 1998 nach Simbabwe oder Kuba versetzt wurde, wer weiß, vielleicht wurde der junge Diktator da auch noch ein paar Jahre ausgebildet. Wäre doch logisch! Und sollte irgendwann irgendwo mal ein Pak Un auftauchen, der bis 1998 auf einer Schweizer Schule war, dann gibt es dafür nur eine einzige logische Erklärung. Es lief alles so ähnlich ab wie bei „Der Mann in der Eisernen Maske“. Kim Jong Un wurde die Identität Pak Uns übergezwängt und auf dem Thron in Pjöngjang sitzt ein Roboterclon oder so. Alles logisch, oder! Hauptache es muss keiner eingestehen, dass man sich da irgendwann mal einen Quatsch zusammenrecherchiert hat in der Schweiz.

Mehr als eine witzige Fußnote

Das alles könnte man natürlich als witzige Fußnote abtun und sich damit begnügen, dass man das selbst ein bisschen anders sieht. Man kann natürlich auch anmerken, dass ich genausowenig beweisen kann, dass Kim Jong Un nicht in der Schweiz zur Schule ging, wie andere beweisen können, dass es so war. Und damit hätte man natürlich auch recht. Was ich allerdings sehr bedenklich finde, sind die Konsequenzen die sich daraus ergeben. Einerseits auf diesen konkreten Fall bezogen, weil wir uns möglicherweise ein falsches Bild von jemandem machen, den das Time Magazine zu den hundert einflussreichsten Persönlichkeiten der Gegenwart zählt und weil vielleicht auf Basis dieses falschen Bildes andere mächtige Leute Entscheidungen treffen, die sie anders getroffen hätten, wenn sie ein richtigeres Bild hätten. Also quasi falsche Entscheidungen.

Die Konstruktion unserer Realität – Ich mach mir die Welt, Widdewidde wie sie mir gefällt

Andererseits ärgere ich mich jedoch, weil dieser konkrete Fall nicht alleine steht, sondern vielmehr sinnbildlich für ein generelles Problem steht. Mangels echter Informationen glauben wir einfach irgendwelchen Gerüchten. Die werden dann eine Zeitlang als Gerüchte behandelt, doch je häufiger darüber geschrieben und je mehr an der Legende weitergesponnen wird, desto mehr konstruieren wir eine neue Realität der Vergangenheit. Aus dem Gerücht wird mehr und mehr ein Fakt. Zeitungen schreiben voneinander ab. Wikipedia beruft sich auf die Zeitungen. Die Zeitungen schreiben nochmal von Wikipedia ab und irgendwann berufen sich ein paar Wissenschaftler auf die Zeitungen. Spätestens dann ist eine neue Realität entstanden. Ein Wissenschaftler zitiert den Anderen und ein paar Jahre später kann man aus fünf Büchern und zwanzig Aufsätzen zitieren, dass Kim Jong Un in der Schweiz zur Schule gegangen sei. Und glaubt ihr, dann würde sich irgendwer noch die Mühe machen, die Herkunft der Geschichte nachzuprüfen? Nein, dazu ist ja keine Zeit mehr und wenn Wissenschaft, Medien und Wikipedia das schreiben, dann wird es schon stimmen.

Was ist/war real, was vermutet? Keine Ahnung.

Dieses Muster hat sich gerade im Fall Nordkoreas so sehr eingespielt, dass man im Endeffekt fast alles doppelt und dreifach nachprüfen müsste, weil man einfach nicht weiß, was auf gesicherten Quellen kommt und was von irgendwelchen Sushiköchen, Oberschülern oder Geheimdienstpropagandisten erfunden wurde, weil es gerade aus diesem oder jenem Grund passend war (ob es da um Supernotes geht, geheime Atomtests für den Iran, Verkauf von Raketen in den mittleren Osten (es gibt da Zahlen, die seit über zehn Jahren durch alle möglichen Publikationen geistern, ohne das ich je irgendeine Art von Beleg gesehen hätte, die aber fast jeder zitiert, weil Zahlen so was dolles sind) oder eben das Privatleben des einen oder anderen geliebten Führers). Im Endeffekt hat ja keiner was davon.

Realitätskonstruktion am Schweizer-Schwachsinnsschulbeispiel

Ihr mögt jetzt vielleicht sagen, dass sei alles garnicht so dramatisch und man schon nicht so schnell dabei ist, mit der Konstruktion von Realitäten, aber gerade dieser Schweizer-Schule-Schwachsinn (der vielleicht ja auch wahr ist, aber mir trotzdem schwachsinnig vorkommt), zeigt, wie schnell das geht. Das Gerücht ist so ungefähr drei Jahre alt und erhielt nochmal richtig Schub, als Kim Jong Un zum ersten Mal auftauchte  und als Kim Jong Il starb. Spätestens zum Tod Kim Jong Ils hatten die Medien es als Fakt akzeptiert, dass Kim Jong Un in der Schweiz zur Schule gegangen war. Bei Wikipedia ist es löblicherweise immernoch als Gerücht gekennzeichnet, aber so lange dürfte das nicht mehr dauern. Schließlich beginnt man auch in der Wissenschaft langsam die neue Realität zu akzeptieren und stellt die Schweizer Zeit nicht mehr in Frage. So kann man in einem der Aufsätze, die ich gestern vorgestellt habe (derjenige, bei dem ich eigentlich nichts zu kritisieren hatte (was sich damit ändert und mich veranlassen sollte, genauer zu lesen)) lesen, es sei eine „Tatsache, dass Kim Jong Un als Schüler wenige Jahre in der Schweiz verbrachte“ auch in anderen durchaus zitierfähigen Publikationen kann man ähnliches lesen. Also hat das Gerücht mittlerweile die Reputation einer Tatsache erreicht. Da gibt es also nicht mehr wirklich was zu hinterfragen und selbst wenn es irgendwann mal einen schlagkräftigen Beweis gäbe, dass Kim Jong Un nicht in der Schweiz unterrichtet wurde, dann wird das wohl nicht ausreichen, diese in den letzten Jahren konstruierte Realität aus der Welt zu schaffen. Sie wird neben der neuen, vermutlich wahreren Realität bestehen bleiben und bei Bedarf (wenn man irgendwas damit beweisen oder untermauern will) aus der Schublade gezogen.

Naja…

Naja, ihr wisst jedenfalls Bescheid und wenn die Geschichte am Ende doch stimmt, dann ist man dann ja immernoch früh genug dran, dies für sich als Tatsache zu akzeptieren.

P.S. Achso, nachdem ich jetzt so wild alle möglichen Leute und Institutionen gescholten habe, möchte ich auch noch kurz darauf hinweisen, dass nicht die Gesamtheit der Medien bereit war, das Gerücht für sich akzeptieren. Dieser schöne Artikel in der Aargauer Zeitung hat meiner Meinung nach gut aufgearbeitet, was an der Geschichte Tatsachen sind und was sich auf Vermutungen etc. bezieht. Meine Gratulation an den Autor.

Uf Wiederluege: Schweizer Entwicklungsghelfer verlassen Nordkorea


Das kleine aber feine Programm, das die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Departements für Auswärtige Angelegenheiten der Schweiz über Jahre hinweg betrieb, ist mit dem Beginn dieses Jahres ausgelaufen. Das Ende der Maßnahmen zum capacity building, v.a. in den Bereichen nachhaltige Landwirtschaft und Marktwirtschaft, wurde bereits im Jahr 2008 beschlossen, da sich kein Wandel in der nordkoreanischen Politik gezeigt habe. Von dieser Entscheidung nicht betroffen sind humanitäre Hilfen wie z.B. Babynahrung, die die Schweiz in der Vergangenheit relativ großzügig gewährte.

Strategischer Fehler und Ergebnis eines bekannten Dilemmas

Den Beschluss die Zusammenarbeit einzustellen halte ich für einen strategischen Fehler, denn zur langfristigen und nachhaltigen Verbesserung der Lage im Land ist der Aufbau von Kapazitäten und Know How unerlässlich, während humanitäre Hilfen „nur“ an den Symptomen „rumdoktern“. Außerdem gehen so möglicherweise direkte Kanäle nach Nordkorea verloren, die für und bei Änderungen innerhalb des Systems sehr wertvoll sein werden. Jedoch ist die Entscheidung der Schweiz eben auch ein Ergebnis des Dilemmas, in dem jeder Staat im Umgang mit Nordkorea steckt und für das das Regime in Pjöngjang hauptverantwortlich ist (ich hatte mich vor zwei Jahren ja schonmal kurz mit diesem Dilemma anhand des Beispiels des Rückzugs der DEZA befasst).

Engagement wirkt fort: Ehemalige Projektleiterin bereichert den US-Diskurs mit praktischen Erfahrunge

Einen kleine Eindruck von der Arbeit der schweizerischen Entwicklungshelfer kann man aus diesem interessanten Interview der ehemaligen Projektleiterin in Pjöngjang, Katharina Zellweger gewinnen (es ist zwar auf Schwyzerdütsch, aber verstehen kann mans trotzdem und Leser aus der Schweiz freuen sich ja vielleicht sogar). Wem das zu anstrengend ist, der kann dieses kurze Interview mit ihr von Peter Hossli lesen. Frau Zellweger bleibt übrigens dem Thema treu und hat nun eine Stelle an der Stanford University. Wir werden also in Zukunft vermutlich noch öfter von ihr hören (gut, dass der oft sehr polit-strategische dominierten Beschäftigung mit dem Thema Nordkorea in den USA ein weiteres humanitäres „Korrektiv“ entgegengesetzt wird und dass das meist eher theoretisch-akademische Wissen in den USA durch die Erfahrungen einer Praktikerin ergänzt wird). Einen ersten Beleg dafür gibt es schon auf dem Blog der Elders nachzulesen, wo Frau Zellweger einen bedenkenswerten Vorschlag zur bedarfsgerechten Verteilung von Lebensmitteln macht, nämlich über ein Landesweites „school meals“ Programm. Klingt nach einer guten Idee. Ich hoffe, dass es davon noch mehr gibt und dass die an den richtigen Stellen ankommen. So würde das Schweizerische Entwicklungshilfeprogramm trotz seines Endes noch weiter Früchte tragen…

„Multi-Purpose-Trip“ durch Europa: Nordkoreanische Delegation sprach über Nahrungsmittelhilfen und mehr


Ich habe ja kürzlich über einen Trip des nordkoreanischen Vize-Außenminister Kung Sok-ung, der für Westeuropa zuständig ist, auf unseren Kontinent berichtet. Die Reise, um die nicht besonders viel (man könnte auch sagen besonders wenig) Aufhebens gemacht wurde, ging laut KCNA vorgestern zuende und hat damit immerhin gut drei Wochen gedauert. Daher habe ich mich schon ein bisschen interessiert, wo Kung und seine Gruppe noch so abgestiegen sind, außer in Belgrad und Brüssel. Dazu habe ich zwei Berichte gefunden, die beide auf ihre Art recht interessant sind.

Nicht nett aber selten: (Kurz-)Besuch in der Türkei

Die türkische Hürriyet berichtet, dass Kung (wenn ich mich nicht irre, dürfe der „Kung Seok-Woong“ eine andere Romanisierung der sonst genutzten Form „Kung Sok-ung“ sein, warum auch immer) am 7. und 8. September in Ankara waren und dort in erster Linie um Nahrungsmittelhilfen gebeten hätten. Außerdem hätte die Delegation ihre türkischen Gesprächspartner über Nordkoreas Nuklearpolitik informiert. Der Besuch Kungs in der Türkei ist insofern bemerkenswert, da dies einer von zwei höherrangigen Kontakten zwischen Nordkorea und der Türkei innerhalb der letzten zehn Jahre gewesen sein soll. Beste Freunde scheinen beide Staaten aber auch nach Kungs Besuch nicht geworden zu sein, denn die türkische Seite scheint nicht willig gewesen zu sein, Hilfen zu gewähren. Die Anfrage sei (zumindest für „general purpose“ Nahrungsmittel) abgelehnt worden (vielleicht gibt es ja etwas Babymilch), da man nicht sicher sei, dass die Hilfen nicht vom Militär zweckentfremdet würden. Ehrlich gesagt kann ich das der Türkei nicht verdenken. Wenn kaum Kontakte bestehen und dann kommt plötzlich eine Delegation angereist und bittet um milde Gaben, dann darf man sich das durchaus zweimal überlegen. Da verwundert es auch nicht, dass Kung und seine Gruppe einen Tag früher als geplant abreisten.

Besseres Verhältnis fest im Blick: Aufenthalt in Frankreich

Der zweite Termin, über den ich was finden konnte, dürfte für die Nordkoreaner etwas angenehmer gewesen sein. Man besuchte gegen Ende der Reise (vom 16. bis zum 20. September) Frankreich. Die Franzosen haben sich nach langem Warten dazu durchgerungen, einen Zwischenschritt zur Aufnahme diplomatischer Kontakte zu machen und ein Verbindungsbüro in Pjöngjang zu eröffnen. Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe (mein Französisch ist nur so mittelmäßig) dann soll die offizielle Eröffnung am 3. Oktober stattfinden. Das wäre ja nicht mehr lange hin bis dann und allein darüber dürfte man einiges zu sprechen gehabt haben. Aber vermutlich hat Kung auch in Frankreich um Hilfen gebeten, worüber ich aber nichts finden konnte.

Andere Stationen der Reise waren Polen und die Schweiz. Aber da ich kein polnisch kann und Schweizer ja das Sinnbild von Diskretion sind, habe ich über diese beiden Aufenthalte nichts gefunden.

„Multi-Purpose-Trip“ mit Fokus auf Hilfen

Es scheint, als habe Kung bei seiner langen (und vermutlich ganzschön anstrengenden) Reise mehrere Aufträge gehabt. Vermutlich wird er auf jeder Station gefragt, ob das jeweilige Land mit Nahrungsmitteln helfen könnte. Meist war dies wohl nicht der einzige Zweck seines Besuchs in Belgrad war er auf dem Treffen der Blockfreien, in Frankreich sprach man wohl über das Verbindungsbüro und die Schweiz hat ja ohnehin schon Hilfen gegeben. Aber das Bitten um Hilfen scheint relativ weit oben auf seiner Prioritätenliste gestanden zu haben. Die Reise in die Türkei scheint beispielsweise nur diesen Zweck gehabt zu haben. Ob seine Anfragen in anderen Staaten mehr Erfolg gehabt haben als in Ankara, kann man ja vielleicht bald an der Spenderliste des Welternährungsprogramms der UN ablesen.

Lockt Rason internationale Investoren? Berichte über Investition aus der Schweiz


Medienberichten zufolge plant die Schweiz [sic!], ein Pier in der Sonderwirtschaftszone (SWZ) Rajin-Sonbong (Rason) zu pachten. Zeitgleich informiert KCNA über den Aufenthalt einer Delegation des Außenministeriums der Schweiz um den Botschafter und Chef der Politischen Abteilung II Asien/Ozeanien in der Politischen Direktion des Ministeriums, Beat Nobs (allerdings wird dort nichts über das mutmaßliche Rason-Geschäft gesagt). Die Berichte kommen nur wenige Tage nach einer Eröffnungszeremonie für den erneuten Anlauf in der SWZ Rason, gemeinsam mit China (über Details zu den Plänen berichtet IFES hier näher).

Zunehmende Aktivitäten um Rason

Die Zone, die schon vor etwa 20 Jahren ausgewiesen wurde, kann bisher nicht als Erfolgsprojekt gelten. Allerdings hatten Investoren aus China seit etwa einem Jahr begonnen, massiv in die Infrastruktur rund um die SWZ zu investieren (erst kürzlich berichteten chinesische Medien von einer Reise chinesischer Touristen nach Rason, die erstmalig per Auto durchgeführt wurde, was wohl auch durch den Ausbau der Straßenverbindung möglich wurde). Außerdem sind bereits zwei Piers im Hafen von Rason verpachtet, einer für 20 Jahre an China (oder chinesische Unternehmen) und einer für 50 Jahre an Russland (oder russische Unternehmen). NK Economy Watch hat dazu ein Satellitenbild ausgewertet des Hafens und bietet auch ansonsten jede Menge Infos (viel umfassender als ich) zu den Entwicklungen um Rason. Wenn das Satellitenbild tatsächlich alle Anleger des Hafens zeigt, dann haben sich die Investoren aus der Schweiz den letzten freien Pier gesichert.

Grundsätzlich interessantes Investitionsobjekt

Der Hafen von Rason bietet potentiellen Investoren einige interessante Eigenschaften: Für die Nordostchinesischen Provinzen stellt er mit Abstand den nächsten Hafen dar, um Ware nach Japan oder über den Pazifik zu verschiffen. Für den russischen Fernen Osten dürfte die Tatsache, dass der Hafen dauerhaft eisfrei ist, interessant sein (wobei es vermutlich nur eine Frage der Zeit ist, bis auch Wladiwostok im Winter ohne Eis bleibt). Daher ist der Anspruch Nordkoreas, Rason zu einem Logistikknoten auszubauen, grundsätzlich nicht abwegig. Allerdings hängt die Entwicklung der Zone wohl entscheidend von den politischen Rahmenbedingungen sowie dem Vertrauen möglicher Investoren in selbige ab.

Signalwirkung

Sollten sich die Berichte über die Investition aus der Schweiz bestätigen, dann ist dies sehr interessant. Bei diesem Geschäft werden wohl politische Motive keine große Rolle spielen. Während man bei Geldern die aus Russland oder China fließen mit der Vermutung, dass es sich nicht in erster Linie um wirtschaftliche Überlegungen handelt, die zu der Investition führten, nicht immer falsch liegen dürfte, ist das bei der Schweiz eher abwegig. Allerdings ist es natürlich nicht ganz auszuschließen, dass es sich um eine vornehmlich spekulative Anlage handelt. Wenn die Pachtkosten beispielsweise nicht übermäßig hoch sind, kann man sich ja durchaus vorstellen, dass die Investition getätigt wurde, um bei einer positiven Entwicklung eine gute Startposition zu haben. Da es sich auch um den letzten Pier handelt, der noch frei war dürften die Optionen für das weitere Verfahren jedenfalls recht vielfältig sein, sollte Rason in Fahrt kommen. Aber definitiv ist dies ein Signal, dass es unternehmerisch denkende Investoren gibt, die in die SWZ Rason investieren. Das dürfte auch die Aufmerksamkeit anderer Anleger auf Rason und vielleicht auch andere SWZ lenken. Wir werden sehen…

„Im Auge des Orkans“ – Reportage von Peter Hossli über die Schweizer Friedenswächter an der DMZ


Eben habe ich eine interessante Reportage des Schweizer Journalisten Peter Hossli gelesen, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Hossli besuchte die fünf Schweizer Soldaten, die als Teil der neutralen Waffenstillstands-Überwachungskommission in Korea (NNSC) an der Demarkationslinie zwischen Süd- und Nordkorea dienen und begleitete sie in ihrem Arbeitsalltag in Panmunjom. Die Reportage gibt ein schönes und interessantes, wenn auch manchmal etwas aufs Kuriose fixiertes, Bild des Lebens und der Atmosphäre an diesem – zugegeben wirklich kuriosen – Kristallisationspunkt der Spannungen zwischen Nord- und Südkorea wieder und sie beschreibt die Gelassenheit, mit der die Schweizer Friedenssicherer die Situation nach dem Untergang der Cheonan betrachten. Ein unterhaltsam gezeichnetes und trotzdem erhellendes Fenster in eine Welt, die wohl nur diejenigen treffenden beschreiben können, die selbst dort leben und arbeiten (und sich neutral nennen dürfen). Also schauts euch an

Ende der Entwicklungszusammenarbeit mit Nordkorea: Die Hilflosigkeit der Welt am Beispiel der Schweiz


Die Schweiz will zum Jahr 2012 ihre Entwicklungszusammenarbeit in Nordkorea beenden. Dieser Beschluss steht schon seit über einem Jahr fest, stieß aber bisher kaum auf öffentliches Interesse. Das könnte natürlich damit zusammenhängen, dass die Unterstützungen aus der Schweiz von ihren Aumaßen her eher symbolische Bedeutung hatten. In den letzten drei Jahren flossen per anno ca. 4 bis 4,5 Mio Euro in die Entwicklungszusammenarbeit mit Nordkorea. Dort dienten sie der Förderung nachhaltiger Landwirtschaft, zum Beispiel durch die Unterstützung von Saatgutvermehrung bei Mais und Kartoffeln, bei der Einführung von Fruchtfolgen und integrierter Schädlingsbekämpfung. Ein weiterer Schwerpunkt bestand in der Förderung der Öffnung des Lanes durch die Ausbildung von Nordkoreanern in marktwirtschaftlichen Prinzipien (allerdings wurde vor einigen Jahren aufgrund von mangelnden Fortschritten beschlossen, in diesem Schwerpunkt keine neuen Programme aufzulegen). Die Erfolge vor allem im landwirtschaftlichen Programm standen nach Ansicht des Abgeordneten der Christlichen Volkspartei der Schweiz (CVP), Gerhard Pfister jedoch im Gegensatz zu der Zielen der Zusammenarbeit mit Nordkorea, denn:

Der sozialistische Staat Nordkorea ist eine totalitäre Diktatur. Die Menschenrechte werden nicht geachtet. Das Atomwaffenprogramm missachtet internationale Vereinbarungen. Nordkorea zeigt sich trotz internationaler Bemühungen höchst unkooperativ. Es droht eine Destabilisierung der Region

wie es in seinem 2006 gestellten Antrag zum Verzicht auf die Entwicklungszusammenarbeit mit Nordkorea hieß. Im März 2008 wurde der Antrag letztendlich angenommen und damit der Abzug der vier Mitarbeiter der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Departements für Auswärtige Angelegenheiten in Nordkorea bis zum 01.01.2012 beschlossen.

Die diplomatischen Beziehungen beider Länder, die bereits seit über 35 bestehen, bleiben davon (offiziell) unberührt. Auf diplomatischen Parkett konnte die Schweiz immer wieder eine kleine aber feine Rolle auf der Koreanischen Halbinsel spielen. So ist die Schweiz seit 1953 in der neutralen Überwachungskommission der Demarkationslinie zwischen Süd- und Nordkorea aktiv. 1994 fanden die Gespräche, die zur ersten, aber erfolglosen Lösung des Streits um das nordkoreanische Nuklearprogramm führte, in Genf statt. Dementsprechend hieß die damals getroffene Vereinbarung „Genfer-Rahmenabkommen“. Von 1997 bis 1999 wurden die Vier-Parteien-Gespräche zwischen den USA, China Süd- und Nordkorea in Genf geführt. Hierbei konnte die Schweiz auf ihren Status als neutraler Staat aber auch auf die langjährigen Beziehungen zwischen beiden Staaten aufbauen. Ob die Schweiz auch in Zukunft als neutraler Gastgeber solcher Verhandlungen in Erscheinung wird treten können, ist zumindest fraglich.

Über diese Rolle zugegeben nicht übermäßig große Rolle hinaus wirft das Vorgehen der Schweiz jedoch erneut Licht auf eine der Kardinalfragen im Umgang mit Nordkorea, an der sich vor allem die USA und Südkorea schon abgearbeitet haben, ohne eine auch nur annähernd befriedigende Antwort zu finden. Diese bedeutende, vielleicht sogar entscheidende Frage lautet: Welche Methode führt zu erwünschtem Verhalten Nordkoreas (in Form von wirtschaftlicher und dipomatischer Öffnung), Kooperation oder Isolation?

Sowohl Südkorea als auch die USA hatten in den vergangenen zwanzig Jahren in verschiedenen Abstufungen beide Methoden ausgetestet. In Südkorea steht die Sonnenscheinpolitik Kim Dae Jungs als Sinnbild für Kooperation (und je nach politischem Lager für Scheitern), während die Politik des jetzigen Präsidenten Lee Myung-bak eher auf Isolation setzte (jedoch führte auch dieses Vorgehen nicht zu einer Verbesserung der Situation). In den USA steht die Amtszeit Bill Clintons für eine eher offene Politik, während George W. Bush eher mit harter Hand vorging (Jedoch lassen sich auch hier beide Vorgehensweisen als weitgehend erfolglos brandmarken). Das Vorgehen der Schweiz kann also als Sinnbild für die Hilflosigkeit der internationalen Staatengemeinschaft im Umgang mit Nordkorea gesehen werden.

Ich persönlich sehe den Rückzug aus der Entwicklungshilfe, die durch ihren Fokus auf Ernährungssicherheit vornehmlich der Bevölkerung zugute kam als politischen Fehler an. Denn gerade eine solche, (im Fall der Schweiz) eher symbolische Maßnahme, die in viel größerem Ausmaß (und trotzdem erfolglos) schon von den USA und Südkorea durchgeführt wurde, kann und wird zu nichts führen, außer vielleicht zu einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen Nordkorea und der Schweiz. Und das wiederum wird keine Folgen haben, außer dass vielleicht Türen für diplomatische Lösungen unter Vermittlung der Schweiz, zugeschlagen werden.

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