Eine Landverbindung nach Südkorea schaffen: China soll Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke durch Nordkorea planen


Kürzlich habe ich bei KBS einen Artikel  gelesen, den ich sehr spannend fand. Es ging darum, dass China und Nordkorea angeblich ein Abkommen über die Errichtung einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke und einer Autobahn zwischen Sinuiju im Nordwesten des Landes an der Grenze zu China und Kaesong im Südwesten an der demilitarisierten Zone, der de facto Grenze zu Südkorea geschlossen hätten. Das 14,2 Milliarden Dollar Projekt solle 30 Jahre lang von dem chinesischen Konsortium betrieben werden und dann an Nordkorea fallen. Dieser Bericht beruht scheinbar auf Informationen des südkoreanischen Abgeordneten Hong Ik-pyo. Allerdings berichtet Daily NK, eine Seit mit Fokus auf der Menschenrechtssituation in Nordkorea, unter Berufung auf das südkoreanische Vereinigungsministerium, es handle sich hier nur um einen Diskussionsprozess, der schon länger bekannt sei und bei dem bisher noch keine Entscheidung gefallen sei.

Südkorea als „Binneninsel“

Nichtsdestotrotz machte mich dieses Thema hellhörig, denn hierdurch wird eines der großen Pfunde, mit denen Nordkorea wirtschaftlich mittel- bis langfristig wuchern könnte, nochmal sehr deutlich. Es geht im Endeffekt um die geographische Lage Nordkoreas. Dadurch, dass der Nordteil und der Südteil Koreas hermetisch voneinander abgeriegelt sind, macht Nordkorea aus dem Süden eine Art „Binneninsel“. Zwar ist Südkorea durch eine Landverbindung an den Rest Asiens angebunden, aber es kann diese Landverbindung nicht nutzen. Eigentlich ist das Ganze noch unangenehmer als eine Position als Insel, denn Wasser schießt nicht mit Artillerie etc.. Dieser Umstand verschließt Südkorea einiges Entwicklungspotential, denn alles was ausgeführt werden soll, muss erstmal auf ein Schiff verladen werden. Möglicherweise wäre es aber mitunter kosteneffizienter, Dinge per Schiene oder Straße in die Abnehmerländer zu schaffen. Solange aber die politische Situation mit dem scharfen Gegensatz zwischen Süd- und Nordkorea so ist, wie sie nun eben ist, wird das vermutlich nicht passieren. Es sei denn…

Optionen zum Anschluss Südkoreas an das chinesische Hochgeschwindigkeitsschienennetz

…Es sei denn einer der beiden großen Nachbarn Nordkoreas im Norden, also China oder Russland schaffen es eine Vereinbarung mit Pjöngjang zu schließen, die den Bau und die sichere Nutzung einer Schienen oder Straßenverbindung durch Nordkorea ermöglicht. So etwas wäre nicht zuletzt für Nordkorea selbst nicht unwichtig, da die marode Infrastruktur des Landes ein Stück weit aufgewertet würde, das Land damit besser erschlossen würde und wirtschaftlichere Prozesse der Arbeitsteilung und Produktion ermöglicht würden. Weiterhin würden aus einem solchen Projekt auch noch eventuell Nutzungsgebühren der Straßen-/ Schienenbetreiber anfallen, was einen unmittelbareren Anreiz darstellen würde. Eine durchaus interessante Geschichte also, die durch den Bau einer Schienenverbindung zwischen Sinuiju und Kaesong quasi in die Tat umgesetzt würde, denn Kaesong ist ans südkoreanische Schienennetz angeschlossen während Sinuiju mit Dandong über die Freundschaftsbrücke eine Schienenverbindung hat. Derzeit wird auf chinesischer Seite daran gearbeitet, Dandong bis 2015 über Schenjang an das chinesische Hochgeschwindigkeitsschienennetz anzuschließen. Kurz, eine Verbindung durch Nordkorea hindurch würde Südkorea ans Kontinentale Schienennetz anschließen und das wäre ein großer Schritt für Seoul. Zwar ist das grundsätzlich auch jetzt schon so, allerdings dürfte die marode nordkoreanische Schieneninfrastruktur kaum einen zügigeren Transport von Personen und Waren erlauben, als per Schiff.

Ein Pokerspiel – Für alle Beteiligten

Die Möglichkeit, die in solchen Projekten für Nordkorea stecken könnte, zeigt sich auch in dem Interesse Russlands daran, Infrastruktur quer durch Nordkorea bis in den Süden aufzubauen. Hier geht es neben einer Bahnstrecke auch um eine Pipeline, durch die Gas nach Südkorea fließen könnte. Ich bin zwar kein erfolgreicher Geschäftsmann oder so, aber ich weiß, dass sich die besten Geschäfte machen lassen, wenn mehrere Interessenten eine Sache gerne hätten. Naja und wenn  sowohl China als auch Russland daran interessiert sind, Südkorea an ihr Schienennetz anzuschließen, dann öffnen sich hierdurch für Pjöngjang Spielräume für das Spiel, das man dort wohl am liebsten spielt: Zum Pokern. In diesem Spiel könnte der Einsatz, mit dem Nordkorea die beiden ambitionierten Staaten locken könnte, die Erlaubnis zum Bau einer Bahnstrecke sein und beide dürften bereit sein, einiges in den Pott zu legen, denn eine Verbindung nach Südkorea verspricht günstigere Importe von dort und gleichzeitig die Erschließung eines neuen Marktes.
Es bleiben jedoch auch Risiken, denn Nordkorea ist nicht unbedingt als verlässlicher Geschäftspartner bekannt. Das haben die in Kaesong ansässigen Firmen in diesem Jahr erlebt und scheinbar auch schon einige chinesische Unternehmen. Daher werden beide Interessen wohl auch mit einer gewissen Vorsicht an einen möglichen Deal mit Pjöngjang herangehen. Ich bin gespannt was kommt, aber verlieren wird Nordkorea wohl eher nicht daran…

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Neuer Anlauf an der SWZ Front: „Hwanggumphyong and Wihwa Islands Economic Zone“ startet


Update (08.06.2011): Offenbar hat die Eröffnungszeremonie für das Projekt tatsächlich heute stattgefunden. Um die tausend Menschen aus Nordkorea und China kamen zu diesem Ereignis zusammen, darunter Kim Jong Ils Schwager (und berühmt berüchtigter Strippenzieher) Jang Song-thaek und Chinas Handelsminister Chen Deming. Weitere Details wurden bisher nicht bekannt.

Ursprünglicher Beitrag (07.06.2011): Lange war schon erwartet worden, dass Pjöngjang seine Sonderwirtschaftszonen-Projekte an der chinesischen Grenze vorantreiben würde und gestern gab KCNA bekannt, dass nach einem Beschluss des Präsidiums der Obersten Volksversammlung die „Hwanggumphyong and Wihwa Islands Economic Zone“ geschaffen worden sei, um so die chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen zu stärken und die wirtschaftlichen Außenbeziehungen auszudehnen und zu entwickeln. Die Zone soll unter nordkoreanische Souveränität fallen und ihre Entwicklung soll im Hwanggumphyong Distrikt beginnen. Zu der neuen Zone sollen „Hwanggumphyong-ri, Sindo County, Sangdan-ri, Hadan-ri and Taji-ri, Sinuiju City and Soho-ri, Uiju County of North Phyongan Province“ gehören. Leider habe ich keine Karte gefunden, auf der die Region so detailliert verzeichnet ist, aber es sind eben diese beiden Inseln, die im Grenzfluss Tumen zwischen den Städten Dandong in China und Sinuiju in Nordkorea liegen, wobei ich ehrlich gesagt nicht genau weiß, wo Wihwa liegt. Hwanggumphyong hat NK Economy Watch hier gut kartiert. In dem zugehörigen Artikel könnt ihr auch einen recht guten Überblick um die Bemühungen Nordkoreas um die Sinuiju SWZ seit 2002 gewinnen.

Das dieses Projekt genauso versanden wird wie der Versuch aus dem Jahr 2002, Sinuiju als Sonderwirtschaftszone zu etablieren ist meiner Meinung nach zu bezweifeln. Es scheint schon vorher Investitionen auch von chinesischer Seite gegeben zu haben, so dass China vermutlich dieses Mal mehr im Boot sitzt, als bei dem gescheiterten Versuch. Auf Kim Jong Ils China Reise vor zwei Wochen hat man wohl auch darüber gesprochen und wenn die Zahlen des Chosun Ilbo über eine Verdopplung des Handels zwischen China und Nordkorea gegenüber dem ersten Vorjahresquartal stimmen, dann steigen wohl auch die chinesischen Interessen in Nordkorea und für die ausgeführten Rohstoffe wird man wohl etwas als Gegenleistung bringen müssen.

Vermutlich wird es auch nicht mehr lange dauern (vermutlich sogar nur bis übermorgen), bis die Entwicklung der SWZ in Rason offiziell gemacht wird. Auch hier investiert China scheinbar groß in die Infrastruktur, denn langfristig könnte dieser Hafen als Seeanschuss für die nordöstlichen Binnenregionen und die in Nordkorea ausgebeuteten Rohstoffe dienen, die auf diesem Weg viel schneller auf die Weltmärkte oder in die boomenden chinesischen Küstenregionen gebracht werden können.

Wie sich diese Projekte weiterentwickeln muss die Zeit zeigen, aber es würde mich überraschen, wenn sie genauso versanden würden, wie ihre Vorgänger. Man kann mittlerweile auf langjährige Erfahrungen in Kaesong zurückgreifen und hat hier vermutlich noch Partner, die bereitwilliger auf Sicherheitsbedenken und ähnliches eingehen. Sollte es nicht zu größeren externen Brüchen kommen, wird zumindest das Projekt in Rason ein Teilerfolg werden, aber auch die Insel Hwanggumphyong dürfte sich gut für industrielle Expansion aus Dandog heraus eignen, da sie näher an dieser Stadt, als am nordkoreanischen Sinujiu liegt.

Von ersten Schritten, rhetorischer Abrüstung und langen Wegen: Die Atmosphäre auf der Koreanischen Halbinsel verbessert sich


Während das gespannte Warten auf die angekündigte Konferenz der PdAK weitergeht, beginnen die Fronten auf der internationalen Ebene scheinbar weicher zu werden. Allenthalben wird verbal abgerüstet und statt von Manövern, Flammenmeeren und heiligen Kriegen spricht man von Nothilfen, Familienzusammenführungen und sogar die Sechs-Parteien-Gespräche werden wieder erwähnt. Kann man darin den Anfang einer neuen Phase der Annäherungen sehen, oder fällt den Akteuren einfach nichts mehr ein, mit dem man die Spannungen verbal noch weiter erhöhen könnte und versucht man es deshalb nun mal andersrum? Dazu später mehr. Erstmal sollte man sich anschauen, was in der vergangenen Woche so alles passiert ist, das die Wahrnehmung verbesserter Beziehungen rechtfertigt.

Nothilfen für Nordkorea: Trägt Südkorea seinen Reisberg ab?

Nachdem Sinuiju von einer schweren Flutwelle des Yalu getroffen wurde und die Bevölkerung vor Ort scheinbar noch immer mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen hat, hat sich Nordkorea entschlossen um südkoreanische Hilfen zu bitten. Diesem Ersuchen scheint Seoul nach der Freilassung der Besatzung eines südkoreanischen Fischerbootes nachkommen zu wollen. Berichten zufolge soll eine Liste mit Vorschlägen für Hilfsgüter wie Reis und Zement (die Lieferung von schwerem Gerät wurde ausgeschlossen, da befürchtet wird, Nordkorea könnte dieses zu militärischen Zwecken missbrauche) an Nordkorea übermittelt werden und die Lieferungen sollen aufgenommen werden, wenn Nordkorea sich mit der Liste einverstanden erklärt.

Gerade um die Lieferung von Reis nach Nordkorea hatte es in den vergangenen Wochen Kontroversen gegeben. Bis zum Amtsantritt Lee Myung-baks hatte Südkorea jährlich etwa 400.000 Tonnen Reis an den Norden geliefert, unter der neuen Regierung waren diese Hilfen aber dann vollständig eingestellt worden. Allerdings waren die Hilfen offensichtlich nicht so selbstlos wie dies auf den ersten Blick schien. Denn damit konnte der Staat künstlich das Angebot an Reis verknappen und so die Preise stabil halten. Seit Lees Amtsantritt füllen sich nun die Lager und das Land hat mit einem veritablen „Reisberg“ zu kämpfen (Bis vor einem guten Jahrzehnt führten in der EU Agrarsubventionen ja auch zu unterschiedlichen Bergen und Seen, die allerdings nicht durch mildtätige Spenden sondern durch eine veränderte Agrarpolitik abgebaut wurden). Daher kämpfen die Reisbauern Südkoreas schon seit 2009 für eine Wiederaufnahme der Reislieferungen nach Nordkorea. Da nun das jährliche Reisaufkaufprogramm des Staates ansteht, die Lager aber alles andere als leer sind, steckt die Regierung in einer Zwickmühle. Dies führte nun zu neuerlichen Demonstrationen der Reisbauern, die (ganz selbstlos) Hilfen für Nordkorea forderten (erstaunlich bis bedenklich finde ich, dass beispielsweise Yonhap nicht über diese Proteste berichtet, sondern dass man nur in ausländischen Medien etwas darüber lesen kann (Warum? Keine Ahnung, waren zwar keine riesigen Proteste (3.000 Bauern), aber eine Notiz sollte das wohl wert sein)).

Familienzusammenführungen: Ein „weiches“ Zeichen der Annäherung

Ein anderes Zeichen der Annäherung war der Vorschlag Nordkoreas, die seit einem Jahr ausgesetzten Familienzusammenführung getrennter Familien in Süd- und Nordkorea wieder aufzunehmen. Auch dieser Vorschlag wird in Südkorea scheinbar mit Wohlwollen behandelt. Bei seiner Umsetzung wäre der recht kurzfristige Vorschlag, der vorgestern gemacht wurde und für den 22. September gilt, ein eindeutiges Zeichen der Entspannung, auch wenn er darüber hinaus wohl kaum als wegweisend gelten kann, da es einerseits nicht um die generelle Wiederaufnahme der Zusammenführungen geht und selbst eine grundsätzliche Wiederaufnahme der Zusammenführungen bei Bedarf schnell wieder rückgängig gemacht werden kann.

Lee lockt mit wirtschaftlichen Kooperationsangeboten

Aber auch aus Südkorea kamen Vorschläge, die eher in Richtung einer Annäherung deuten. Präsident Lee Myung-bak machte während einem Besuch in Russland die interessante Anmerkung, es sei vorstellbar ein zweites Kooperationsprojekt nach dem Vorbild des Industrieparks in Kaesong aufzubauen. Allerdings müsse Nordkorea dazu erst eine Atmosphäre schaffen, die ein solches Projekt ermögliche, unter anderem müssten sich die Investoren aus Südkorea ihres Besitzes sicher sein können. Grundsätzlich ist dies ein spannender und unerwarteter Vorschlag Lees, der wohl auch in Pjöngjang, das momentan ja großen Wert auf wirtschaftliche Entwicklung legt, auf Interesse stoßen dürfte. Allerdings ist fraglich, wieviel Substanz darin steckt, denn einerseits könnten die genannten (recht schwammig formulierten) Vorbedingungen Lees Forderungen enthalten, die das Regime in Pjöngjang nicht zu erfüllen bereit sein wird, andererseits stellt sich die Frage, ob sich zwischen den Regierungen zurzeit überhaupt genug Vertrauen entwickeln kann, um so ein Projekt ernsthaft anzugehen. Da muss man beobachten, ob von dieser Idee auch künftig noch die Rede sein wird.

Verlassen die USA die „Strategic-patience-Schmollecke“?

Auch die USA scheinen gewillt zu sein, der Diplomatie wieder mehr Chancen zu geben. Stephen Bosworth, der US-Sondergesandte für Nordkorea (von dem man, wäre er Nordkoreaner vermutlich gedacht hätte er säße in einem Arbeitslager, so wenig hatte man in den letzten Monaten von ihm gehört), ist heute in Seoul zu Konsultationen über die Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche angekommen. Unter anderem soll er sich mit Südkoreas Chefunterhändler bei den Gesprächen, Wi Sung-lac, treffen. Gleichzeitig war vom US-Vizeaußenminister Jim Steinberg zu hören, dass die USA eine Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche unter bestimmten Vorbedingungen begrüßen würden. Von Nordkorea forderte er:

We need to have concrete indications that North Korea is prepared, and wants, to return to the talks to seriously implement its commitments in the September 2005 joint statement.

Das kann zwar vieles heißen, allerdings klingt die Forderung nach konkreten Hinweisen, dass Nordkorea bereit ist zu den Gesprächen zurückzukehren um seine Zugeständnisse, die im Rahmen des Joint Statement von 2005 gemacht wurden, zu erfüllen, nicht besonders stark. Natürlich kann man die Aussage so oder so interpretieren, aber wenn man Steinberg beim Wort nähme, müsste Nordkorea nur ernsthaften Willen beweisen, aber noch keine weitreichenden konkreten Schritte machen. Für mich könnten diese Aussage und die Reise Bosworth (endlich!) eine Veränderte Haltung der USA signalisieren.

Annäherung? Bisher nur Gerede, aber der Test kommt bald!

Nimmt man das alles zusammen, gab es in dieser Woche wohl mehr positive Signale zwischen den verfeindeten Parteien, als in den letzten Fünf Monaten zusammen. Ob sich daraus allerdings eine nachhaltige Annäherung ergeben wird ist bisher nicht sicher. Rechnet man aus dem oben Beschriebenen die Rhetorik heraus und sieht sich die harten Fakten an, so ergibt das bisher ziemlich genau Null. Das soll aber nicht heißen, dass sich das nicht in Kürze ändern kann, denn zumindest die Nothilfen und die Familienzusammenführungen werden schon bald abgewickelt werden – oder eben nicht. Daraus könnte man dann auch etwas genauer ablesen, ob es sich hier tatsächlich um einen Trend handelt. Gleichzeitig könnten einige Punkte, wie die für nächste Woche angekündigte Veröffentlichung des südkoreanischen Untersuchungsberichts zum Untergang der Cheonan, aber vielleicht auch die südkoreanische Reaktion auf die erwartete Parteikonferenz in Nordkorea, diese zarte Annäherung schnell wieder abwürgen.

Nichtsdestotrotz ist das Umschalten der Rhetorik von Konfrontation auf Kooperation ein erster Schritt hin zu einer verbesserten Situation auf der koreanischen Halbinsel. Und um nochmal eine gute alte Phrase in den Raum zu stellen, die glaub ich auch aus der Nachbarschaft Koreas kommt: Auch der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt…

Video aus Sinuiju nach den Überschwemmungen vom August


Der Chosun Ilbo ist ein Video zugespielt worden, das die Situation in Sinuiju kurz nach der Flut (es ist nicht datiert), die die Stadt am 21. August traf, zeigt (Ich verlinke das Video auf der Seite der Welt, da das bei Chosun Ilbo bei mir nicht funktioniert). Zu sehen sind viele Menschen, die ihre Habe am Rand einer Straße untergebracht haben und dort auch zu campieren scheinen, sowie ein improvisierter Markt (angeblich der Chaeha Markt, dessen Halle überschwemmt und bis dahin noch nicht gereinigt war, so dass das Geschäft nach außen verlagert wurde), auf dem offensichtlich Grundnahrungsmittel, aber auch Wasser verkauft werden. Der Chosun Ilbo (also etwas mit Vorsicht zu genießen) zufolge scheint der Markt zurzeit die einzige Möglichkeit der Bewohner der Stadt darzustellen, sich zu Versorgen. Mittlerweile hat das Regime in Pjöngjang Südkorea offiziell um Fluthilfe gebeten, nachdem kurz zuvor ein Fischerboot mit südkoreanischer Besatzung freigelassen worden war. Die Chancen für die Menschen in Nordkoreas Überschwemmungsgebieten stehen also gut, dass sie bald mit Hilfen versorgt werden

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Schwere Überschwemmungen am Yalu: War eine Dammöffnung die Ursache?


Ich habe ja kürzlich schonmal über die Überschwemmungen berichtet, die in mehreren Regionen Nordkoreas schwere Schäden angerichtet haben. Nun ist es am Yalu (Amnok) rund um die Grenzstadt Sinuiju erneut zu einer Flutwelle gekommen. Starke Regenfälle im Nordosten Chinas hatten den Fluss am Samstag extrem anschwelle lassen, so dass in der chinesischen Stadt Dandong ein Wasserstand von über sieben Metern erreicht wurde (normal sind etwa 4,5 Meter). Mittlerweile scheint der Fluss wieder einen annähernd normalen Pegel erreicht zu haben. Während auf der chinesischen Seite über 250.000 Menschen ihre Häuser verlassen mussten wurden Berichten zufolge nur über 5.000 Nordkoreaner evakuiert. Aus Nordkorea wurden bisher keine Todesopfer gemeldet, allerdings seien schwere Schäden an der Infrastruktur festzustellen, der Verkehr in Sinuiju zusammengebrochen und Sinuiju sowie einige umliegende Regionen von der Umgebung abgeschnitten gewesen. Nordkorea (oder der geliebte Führer, wie KCNA schreibt) habe umgehend Notmaßnahmen ergriffen und Militär in die Katastrophenregion entsandt. Chinesischen Angaben zufolge sind Bahn und Straßenverbindungen beider Länder aber weiterhin intakt, auch wenn der Verkehr gedrosselt werden musste.

Dammöffnung als Ursache?

Ausgelöst wurde die Flut laut KCNA dadurch dass:

5,300 cubic meters of water rushed into the River Amnok per second from a river of China, causing the water level of the river to rise suddenly from 0:00 on August 21. As a result, the river swelled in a minute, leaving even Sinuiju City inundated. This paralyzed traffic and did damage to many objects.

In einem Bericht vom Tag zuvor teilte KCNA weiterhin mit, dass die schweren Regenfälle das Gebiet um den Suphung-See getroffen hätten. Der See befindet sich am Mittellauf des Yalu und wurde durch einen Damm aufgestaut, der zur Stromerzeugung dient (hier via GoogleEarth). North Korean Economy Watch schreibt, dass der Damm von Nordkorea und China gemeinsam betrieben wird, das weiß ich aber nicht genau, weil ich sonst dazu nichts gefunden habe. Die Kombination aus den Tatsachen, dass die Regenfälle eine Region trafen, in der sich ein Staudamm befindet und dem plötzlichen An- und Abschwellen des Flusses (und das der Autor des Artikels so ganz genau wusste, wie viel Wasser um Punkt 0:00 Uhr aus dem „Fluss“ in China kam) lassen vermuten, dass die Verantwortlichen (daher wäre es sehr interessant zu wissen, ob beide, oder nur eine Seite verantwortlich ist) gezwungen waren den Damm zu öffnen und damit die Überflutungen am Unterlauf verursacht haben.

Mögliche Folgeschäden

Im Zusammenhang mit den Überflutungen weist Yonhap auf einen interessanten und weiterreichenden Aspekt hin: Im Februar unterzeichneten Nordkorea und China Verträge (immerhin 800 Millionen US-Dollar) über die Entwicklung einer Sonderwirtschaftszone (SWZ) auf den Inseln Wihwa und Hwanggeumpyong, die bei Sinuiju im Yalu liegen. Bisher sei die Entwicklung aber wegen des Misstrauens chinesischer Investoren in die Verlässlichkeit der nordkoreanischen Wirtschaftspolitik kaum voran gekommen (nicht ganz unbegründet wenn man die multiplen Versuche zur Entwicklung der SWZ in Sinuiju betrachtet). Nun würfen die Überschwemmungen einen neuen Schatten auf die SWZ. Die Investoren seien sich hierdurch neuer Risiken für Investitionen auf den Inseln bewusst geworden und dies würde die Chancen auf einen Erfolg der Sinuiju-SWZ erheblich mindern. Die Fluten haben also nicht nur einen direkten, sondern auch einen indirekten Einfluss auf die nordkoreanische Wirtschaft.

Mehr als „nur“ eine Flut

Mal ganz abgesehen von dem menschlichen Leid, dass die Fluten verursachen, steckt in diesem Fall da also noch einiges mehr hinter. Einerseits scheinen die Hydroenergie-Projekte am Oberlauf des Flusses ein beträchtliches Risiko für die wichtigen chinesischen und nordkoreanischen Städte Dandong und Sinuiju darzustellen. Werden die Dämme am Yalu nicht gemeinsam betrieben könnte das einiges Konfliktpotential bergen. Allerdings war zumindest in der China Daily nichts von einem Damm zu lesen, während man in den Nachrichten von KCNA zwischen den Zeilen recht deutlich erkennen konnte, dass nur die Öffnung eines Dammes zu dem plötzlichen Ansteigen und Absinken des Pegels hat führen können ((mäßig) verdeckte Kritik oder Unbedacht des Redakteurs?). Weiterhin könnten diese Fluten neben den kurzfristigen Schäden auch zu Folgeschäden, nämlich einem erneuten Scheitern der Sinuiju-SWZ führen. Aber wie gesagt, im Mittelpunkt stehen erstmal die menschlichen Opfer und da kann ich den Zahlen Nordkoreas nicht so recht trauen, da sie in keiner Relation zu denen Chinas stehen.