„quick & dirty #2“ Nordkorea fängt südkoreanischen Aktivisten/Agenten


Heute mal wieder nicht so viel Zeit, aber was Interessantes gelesen. Daher wird es wieder schnell und schmutzig…

Gestern meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA (Direktlink setze ich, wenn er verfügbar ist), sie habe in Pjöngjang einen südkoreanischen Spion festgenommen. Dieser sei bereits seit sechs Jahren aktiv und habe zunächst in einem angrenzenden Land residiert (welches das wohl ist? Naja, wette 100 Gummipunkte auf eines, das mit „Ch“ anfängt und auf „ina“ endet) und von dort aus unter dem Deckmantel der Religiosität an Verschwörungen und Spionage gegen Nordkorea mitgewirkt bevor er unerlaubt in das Land eingereist sei, um unzufriedene Elemente um sich zu sammeln und sie zu benutzen, um die Stabilität des sozialen Systems zu unterminieren.
Heute verlautete von Seiten Südkoreas, die nordkoreanischen Angaben seien gegenstandslos.

Den gesamten Sachverhalt finde ich aus mehreren Gründen beachtenswert:

  • Einerseits beleuchtet er mal wieder die Schwierigkeiten, die das Regime mit religiösen Aktivisten hat, die im Grenzgebiet zwischen China und Nordkorea operieren. Die Beschreibung die KCNA hinsichtlich der Aktivitäten der Person liefert trifft vermutlich aus nordkoreanischer Sicht ziemlich genau das, was die meist evangelikalen Aktivisten dort tun. Sie stören den sozialen Frieden, so wie ihn das Regime versteht.
  • Auch die Behauptung, die Person sei ein südkoreanischer Agent, muss nicht aus der Luft gegriffen sein: Wer mal einen Blick in die Cablegate-Depeschen wirft, der merkt schnell, dass im Grenzgebiet zwischen China nicht nur religiöse Aktivisten unterwegs sind, sondern auch allerlei Geheimdienste, die zumindest auf ihr Wissen zugreifen wollen.
  • Die südkoreanische Stellungnahme ist natürlich absolut wertlos. Oder wie oft habt ihr schonmal eine Aussage von staatlicher Seite gehört, die die Festsetzung von Geheimdienstleuten bestätigte…
  • Aber unabhängig ob Agent oder nur Aktivist? Die Nordkoreaner scheinen eine härtere Gangart gegen die religiösen Tätigkeiten einzuschlagen. Das zeigt ja auch schon die Causa Bae.
  • Besonders bemerkenswert finde ich allerdings, dass die Person nicht irgendwo im nördlichen Hinterland, sondern in Pjöngjang verhaftet wurde. Daraus kann man nämlich zwei Dinge folgern:
    • Scheinbar ist die nordkoreanische Überwachung nicht so gut, dass ausländische Infiltranten nicht bis in die Hauptstadt reisen können. Natürlich ist es eigentlich in keinem anderen Staat der Welt ein Problem, ohne direktes staatliches Wissen in die Hauptstadt zu reisen, aber das nordkoreanische Regime, mit seinem hochgerüsteten Kontrollregime, dass neben Reisebeschränkungen und sozialer Kontrolle auch auf andere Überwachungsmethoden zurückgreift, dürfte diesen Sachverhalt nicht so einfach abtun. Im Zusammenhang damit wäre es natürlich spannend zu wissen, wie die Person nach Pjöngjang kam. Hatte es evtl. etwas mit dem Vordringen marktlicher Strukturen zu tun?
    • Scheinbar reichen die Aktivitäten der religiösen Aktivisten bis nach Pjöngjang und damit in die politische Elite des Landes hinein. Es ist natürlich unklar, ob das sozusagen ein Einzelfall oder eine Art „Testballon“ der Aktivisten war, aber dem Regime müsste auch das zu denken geben. Wenn nämlich die Eliten anfangen vom „rechten Glauben“ abzufallen (und warum sonst sollte ein religiöser Aktivist in der Hauptstadt unterwegs sein), dann wird die Basis des Regimes brüchig.

Vielleicht werden wir in den nächsten Tagen mehr über den Fall erfahren, wenn die Kreise um die festgesetzte Person mit einer Gebetskampagne oder was auch immer loslegen (und nebenbei ordentlich PR und Fundraising machen). Wenn das nicht passiert, klingt für mich die These vom Agenten noch ein bisschen naheliegender.

Warmlaufen für den Präsidentschaftswahlkampf — Nordkorea als Argument und Akteur in Südkoreas politischer Debatte


So langsam beginnt man sich in Südkorea für die Präsidentschaftswahlen am 19. Dezember dieses Jahres warmzulaufen. Das merkt man nicht zuletzt daran, dass von dieser Warmlauferei die politische Atmosphäre im Land zunehmend erhitzt wird. So heiß, dass man das auch hier irgendwie noch spüren kann.

Skandal um pro-nordkoreanische Parlamentarier köchelt immer weiter

Einerseits merkt man das ganz gut an einem Skandal um die links-außen Splitterpartei UPP (Unified Progressive Party), die bei den Parlamentswahlen im April 13 Sitze gewann und seit etwa einem Monat unter Beschuss ist. Zuerst war es (soweit ich das verstanden habe) eine interne Wahlmanipulation, die nach einer Durchsuchung durch die Behörden zu pro-Nordkorea Anschuldigungen ausweiteten, die von den betroffenen Parlamentariern auch nicht im geringsten überzeugend ausgeräumt wurden (wobei manches, das ihnen jetzt zur Last gelegt wird auch auf bösartigem Populismus (man könnte auch sagen Demagogie) fußt). Dieses Thema ist jedenfalls fest etabliert in den Medien und alle paar Tage kommt eine neue Kommunistenjagd Geschichte dazu.

Ich kann und will das alles garnicht bewerten, dazu verstehe ich die südkoreanische Parteienpolitik mit all ihren persönlichen und historischen Lasten einfach zu wenig. Außerdem scheinen mir die Leute von der UPP wirklich nicht so ganz astrein zu sein. Nichtsdestotrotz hält sich dieser Skandal erstaunlich gut in den Medien, wenn man dagegen die Geschwindigkeit betrachtet, mit denen oft Beschuldigung in der Regierungspartei oder im Umfeld des Präsidenten „geklärt“ werden. Zumindest kann man wohl unterstellen, dass das Thema von den hauptsächlich konservativen Medien genüsslich ausgewalzt wird. Dass sich Park Geun-hye, die aktuell wohl aussichtsreichste konservative Interessentin für die Kandidatur, dieses Themas angenommen hat, deutet klar auf den Präsidentschaftswahlkampf.

Spione allenthalben

Neben diesen direkt politischen Anzeichen für eine erhitztere Atmosphäre, gibt es aber auch noch andere Anzeichen. So werden in den letzten Wochen wieder erstaunlich viele Spione enttarnt. In der letzten Woche wurden allein drei Fälle berichtet.

Am 31. Mai wurde von der Verhaftung zweier Männer berichtet, die angeblich militärische Geheimisse im Auftrag Pjöngjangs ausspioniert haben sollen. Dabei soll ihre Tätigkeit direkten Bezug zum Einsatz nordkoreanischer GPS-Störsender gegen Südkorea gehabt haben, der unter anderem den Flug- und Schiffsbetrieb in Südkorea gestört hatte (eine irgendwie undurchsichtige Geschichte, das mit der GPS-Störerei). Zu diesem Spionagefall hat sich die Hankyoreh schon kritisch geäußert, was (trotz der eher linken Positionierung der Zeitung) den Verdacht nahelegt, dass der Geschichte seitens der Ermittlungsbehörden der richtige „Dreh“ gegeben wurde.

Der zweite Fall wurde am 2. Juni bekannt. Hier war eine Frau als Flüchtling nach Südkorea eingereist. Nach intensiver Befragung scheint sie sich aber in Widersprüche verwickelt zu haben (und Aussagen über das Leben in Nordkorea getroffen zu haben, die mit den Geheimdienstinformationen über das Land nicht übereinstimmten (was hat die denn da erzählt? Das Nordkorea das Paradies der Arbeiter ist? Das hätte man ihr bei der Ausbildung aber erklären können, dass das nicht so geschickt ist!)). Dementsprechend wurde sie im Mai festgenommen. Was genau ihr Auftrag war ist nicht klar, allerdings scheint sie vorher schon länger in China „gearbeitet“ und bis zu einer Million US-Dollar gewaschen zu haben.

Und heute steht ein Mann im Fokus, der nordkoreanischen „Cyber Terroristen“ angeblich bei der Verbreitung von Schadsoftware geholfen haben soll. Die nordkoreanischen Hacker hätten in China Spiele programmiert (erinnert mich irgendwie an diese Geschichte), die für verschiedene kriminelle Aktivitäten wie die Gewinnung von persönlichen Daten und die heimliche Übernahme des Computers zum Aufbau eines Bot-Netzes (was wiederum eher hieran erinnert) nützlich gewesen seien. Die hätte der Mann dann wissentlich in Umlauf gebracht.

Nordkorea mischt auch mit

Und als wäre das alles noch nicht genug, meint Pjöngjang auch noch, in den ganzen Geschichten mitmischen zu müssen. Hinsichtlich des Präsidentschaftswahlkamps im Allgemeinen ist man ja schon länger aktiv, vor allem indem man den aktuellen Präsidenten, aber auch Park Geun-hye, seine hoffnungsfrohste konservative Nachfolgeaspirantin mit Schmähungen und Drohungen überzog. Aber auch hinsichtlich der UPP-Story gab man seinen Senf dazu, was die Leute von der UPP nicht unbedingt gefreut haben dürfte. Dass man von der Berichterstattung der südkoreanischen Medien insgesamt zunehmend genervt ist, zeigen auch die heutigen Drohungen des Generalstabs der Koreanischen Volksarmee. Die richten sich nämlich explizit an die wichtigsten südkoreanischen Medieneinrichtungen und beinhalten den Hinweis, dass man die Hauptquartiere im Visier habe (mit genauen Breiten- und Längengraden um die Drohung glaubwürdiger zu machen) (Link folgt morgen).

Ein bisschen sieht es für mich so aus, als würden sich die Konservativen in Südkorea die aktuell gespannten Beziehungen mit Nordkorea zunutze machen wollen und zusätzlich noch eine Atmosphäre der Bedrohung von Innen erzeugen wollen. Ich glaube zwar, dass es tatsächlich so etwas wie eine Gefahr von Innen gibt, aber ich glaube auch, dass man das momentan hochzukochen versucht, um die progressiven Kräfte, also auch die DUP, zu diskreditieren und so die Chancen im Wahlkampf zu erhöhen. Gleichzeitig macht das Vorgehen der UPP und Nordkoreas die Sache nicht unbedingt besser für die eher linksgerichteten Parteien. Allerdings ist es noch einige Zeit hin bis zu den Wahlen. Wenn man das bedenkt, dann muss man fürchten, dass uns in den nächsten Monaten noch viele Skandale, Drohungen, Verdrehungen und andere politischen Manöver erwarten.

Wie war das eigentlich in Deutschland?

Als ich das alles so geschrieben habe, habe ich mich gefragt, ob solche Sachen früher in Westdeutschland auch eine ähnlich große Rolle gespielt haben. Ich meine, ein paar Geschichten sind mir noch präsent aber ob die Brandmarkung als DDR-Unterstützer als Wahlkampfhilfe diente und die Gefahr aus dem Osten immer wieder zu Wahlen besonders heraufbeschworen wurde, dass kann man wohl nur wissen, wenn man selbst dabei war. Irgendwie habe ich das Gefühl, als sei das nicht so stark gewesen, aber das könnte auch in Teilen auf Unterschieden in den politischen Systemen liegen. Bei einer Personenwahl, bei der mit einem Schlag so ein entscheidender Teil der Machte neu vergeben wird, sind Zuspitzungen wohl nochmal lohnender, als in unserem System.

Chinesische Händler in Nordkorea leben zunehmend gefährlich: Vermutlich wieder zwei Tote


Scheinbar wird die Tätigkeit als Händler in Nordkorea für Chinesen zunehmend gefährlich. Nachdem es vor gut zwei Wochen zu einem Zwischenfall am Grenzfluss Yalu gekommen war, bei dem drei Chinesen durch einen nordkoreanischen Grenzsoldaten erschossen wurden, berichtet Yonhap nun (unter Berufung auf eine ungenannte Quelle), dass zwei chinesische Händler Gefangengenommen und bei ihrer Befragung vermutlich zu Tode geprügelt wurden. Den Beiden wurde Seitens Nordkoreas Spionage vorgeworfen, da sie von den offiziell erlaubten Reiserouten abgewichen und in die nordöstliche Provinz Jagang gereist sein sollen. In dem Gebiet in dem es viele Munitionsfabriken gibt hätten sich die Männer die eine Digitalkamera und Camcorder bei sich trugen (chinesischen Angaben zufolge um Handel zu treiben, nordkoreanischer Ansicht nach um zu spionieren) für mehrere Tage aufgehalten. Nordkorea weigere sich bisher die Überreste der Chinesen an die Behörden dort zu übergeben, während China vermute, dass Nordkorea den Spionagefall konstruiert habe um den Vorfall zu rechtfertigen. Das Vorgehen wird mit einer Anweisung an die Sicherheitsbehörden in Verbindung gebracht, die nahezu unkontrollierte Beweglichkeit der chinesischen Händler im Grenzgebiet effektiver zu begrenzen. Es wird vermutet, dass dieser Vorfall chinesische Händler künftig davon abhalten könnte, sich abseits der ausgewiesenen Reiserouten zu bewegen.

Durch diesen neuerlichen Vorfall zu Ungunsten Chinas werden zwei Dinge deutlich. Erstens nimmt das Regime in Pjöngjang erstaunlich wenig Rücksicht auf die wichtigen Beziehungen zum bedeutendsten Verbündeten und riskiert damit weiter an Rückhalt zu verlieren, was für mich grundsätzlich nur schwer verständlich ist. Es sei denn — aber damit bewege ich mich auf sehr dünnem Eis nahe den internetüblichen Verschwörungstheorien — man hat darüber gesprochen und von der chinesischen Seite das OK bekommen, hier und da mal ein Exempel zu statuieren um das Treiben der Händler in geregeltere Bahnen zu lenken (Ich weiß, sowas erwartet man nicht von Regierungen, aber Aussagen wie die Folgende von Mao Tse-tung zeugen von einem — nunja… — etwas anderem Selbstverständnis: „Wir haben keine Angst vor Atombomben. Was geschieht, wenn 300 Millionen (Chinesen) getötet werden? Wir haben immer noch viele Menschen – China ist das letzte Land, das im Atomkrieg untergeht.“ Und was sind da schon zwei oder fünf…).

Zweitens scheint das Regime in Pjöngjang sich tatsächlich zunehmend Sorgen um die Aktivitäten der chinesischen Händler im Grenzgebiet (und vor allem darüber hinaus) zu machen. Dies kann man auch im größeren Zusammenhang mit dem Versuch sehen, die Märkte insgesamt zurückzudrängen. Nachdem die jüngsten Versuche gescheitert sind (bzw. aufgrund von Versorgungsengpässen teilweise zurückgenommen wurden), also eine inländische Lösung des Problems nicht möglich zu sein scheint, schielt man eben auf die Nachschubwege. Kann man die kontrollieren (und damit auch bei Bedarf abschneiden) hat man einen großen Erfolg im Kampf gegen den „Graswurzel-Kapitalismus“, der in vielen Teilen des Landes schon starke Wurzeln geschlagen hat, erzielen. Die jüngsten Zwischenfälle mit chinesischen Händlern können daher als Elemente des Kampfs Nordkoreas gegen den „Kapitalismus von unten“ gesehen werden.

Wer die Schlacht gewinnt? Schwer zu sagen, aber Egoismus und daraus entstehender Geschäftssinn sind starke Kräfte und alles hat seinen Preis. Daher ist es schwer vorstellbar, dass das Regime überhaupt genug Gewalt und Einschüchterung zur Verfügung hat, um die Wurzeln des Kapitalismus ganz auszureißen. (Eigentlich bin ich davon überzeugt, dass das generell unmöglich ist, da Egoismus eine der grundlegenden treibenden Kräfte jedes Menschen ist und dass daher immer einer auf die Idee kommt, zum eigenen Vorteil Handel zu treiben, aber das nur nebenbei.)

Rachsucht? Hwang Jang-yop im Visier nordkoreanischer Agenten


Es gibt ja Menschen, denen tritt man besser nicht auf den Schlips weil sie ganz schön nachtragend sein können. Und hat man erstmal so einen Feind fürs Leben „gewonnen“ dann ist es besser, dem nicht wieder über den Weg zu laufen. Dumm nur, wenns sich dabei um einen Diktator handelt, der sich aufgrund seiner bewegten Vergangenheit um seinen guten Ruf eh keine Sorgen mehr machen muss.

Ein solch nachtragender Zeitgenosse scheint Kim Jong Il zu sein. Dies bestätigen zumindest die Berichte aus Südkorea, nach denen dort zwei nordkoreanische Spione verhaftet wurden, die mit einem delikaten Auftrag ins Land eingereist waren. Angeblich sollen KimYong-ho und Dong Myong-gwan nach Südkorea eingereist sein um Hwang Jang-yop zu töten. Hwang, der vor dreizehn Jahren aus Nordkorea floh, soll der Vordenker bei der Entwicklung der Juche-Ideologie gewesen sein und galt als Mentor Kim Jong Ils. Dass er die Flucht Hwangs nicht einfach so hinnehmen wollte hat Kim Jong Il schon zu früheren Anlässen belegt, zum Beispiel durch die Ermordung von dessen Exfrau in Südkorea, die auf Auftrag Pjöngjangs durchgeführt worden sein soll. Dass Kim Jong Il aber die Ermordung eines 87 jährigen (Der vermutlich eh nicht mehr ewig leben wird) befiehlt, zeugt davon, dass es hier ums Prinzip zu gehen scheint. Man könnte ja auf die Idee kommen, Kim Jong Il hätte sich über die Auftritte Hwangs in den USA und Japan geärgert und ihn deshalb ins Fadenkreuz genommen. Allerdings haben sich die beiden Mitglieder des militärischen Geheimdienstes bereits im vergangenen Jahr auf den Weg gemacht. Nach dem sie ein spezielles Training in China erhalten hatte (wie und warum auch immer in China) tarnten sie sich als nordkoreanische Flüchtlinge und kamen über Thailand nach Südkorea, wo ihre Scheinidentitäten bei Befragungen aufflogen. Und nachdem der für nordkoreanische Agenten obligatorische Selbstmordversuch fehlgeschlagen ist, befinden sie sich nun in ihrer misslichen Lage.

Naja, Kim Jong Il scheint auf jeden Fall Wert darauf zu legen, dass sich die Menschen, die für ihn Verräter sind, nie wieder sicher fühlen können. Es könnte natürlich auch sein, dass das Ganze im Zusammenhang zu der erwarteten Nachfolge seines Sohnes Kim Jong Un steht. Vielleicht wollte Kim seinem Sohn ein ähnliches Ereignis zu Beginn seiner Amtszeit ersparen. Und was wäre da wohl ein beeindruckenderes Signal an die eigenen Eliten gewesen nicht aus der Reihe zu tanzen, als die Ermordung Hwang Jang-yops.

Was genau die Motive der Aktion waren weiß wohl nur Kim selbst, ich für meinen Teil werde es jedenfalls künftig zu vermeiden versuchen, irgendwelche rachsüchtigen Despoten zu ärgern. Das dürfte mir zum Glück auch nicht besonders schwer fallen, weil ich mit keinem Mitglied dieser seltenen Spezies bekannt bin.

Südkoreanischer Mann unter dem Verdacht der Spionage für Pjöngjang festgenommen


Berichten zufolge wurde in der vergangenen Woche ein Südkoreaner festgenommen, der für Nordkorea spioniert haben soll. Der 55 jährige, der nur als „Kim“  identifiziert wurde (Sehr hilfreich wenn man bedenkt, wie selten dieser Name auf Koreanischen Halbinsel zu finden ist) soll im Grenzgebiet zwischen Nordkorea und China mit dem Auftrag unterwegs gewesen sein, Flüchtlingshelfer und Flüchtlinge einzufangen und an Nordkorea zu übergeben.

Der Mann soll vor über zehn Jahren von einer nordkoreanischen Agentin angeworben worden und nach einer Ausbildung in Pjöngjang für Nordkorea tätig geworden sein. Seitdem soll er vor allem südkoreanische Aktivisten, die Nordkoreaner bei der Flucht aus ihrem Land unterstützten, entführt und an seine Auftraggeber weitergereicht haben. Der Mann wurde am Donnerstag festgenommen, als er sich für einen Kurzbesuch in Südkorea aufhielt. Näheres über den mutmaßlichen Spion und seine Opfer ist bisher nicht bekannt, da der Sprecher der Staatsanwatschaft mit Verweis auf laufende Ermittlungen nur wenig Aussagen treffen wollte. Jedoch stehe er unter dem Verdacht gegen das nationale Sicherheitsgesetz verstoßen zu haben, was Strafen bis zur Hinrichtung nach sich ziehen kann.

Weiter über die Geschichte zu sprechen macht wahrscheinlich erst dann Sinn, wenn es mehr Informationen gibt. Was mich allerdings immer wieder überrascht bzw. erschreckt ist, dass Menschen aus Ländern in denen sie vollen Zugang zu Informationen haben trotzdem bereit sind, für das Regime in Pjöngjang zu arbeiten. Dazu gehört ein erstaunliches Maß an Dummheit, Ignoranz oder Gier, das ich persönlich nur schwer nachvollziehen kann. Aber was solls, das ist ja bei Weitem nicht das Einzige was ich nicht verstehe, daher sollte ichs vermutlich einfach auf meine ganzschön lange Liste ungeklärter Fragen setzen…