Rasons langer Weg zum Logistikknoten: Russland und Nordkorea eröffnen in diesem Jahr Bahnverbindung zum Gütertransport


Langsam aber stetig schreitet die Entwicklung der Sonderwirtschaftszone in Rason voran. Die Zone ist für die Nachbarstaaten ja nicht zuletzt deshalb interessant, weil sie potentiell gute Bedingungen bietet, um in Zukunft als Logistikdrehscheibe zu dienen. Den nordöstlichen Provinzen China bietet sie einen nahen Zugang zum Pazifik, der einen weiten Überlandtransport von Gütern erspart und für Russland ist die Tatsache interessant, dass der Hafen der Zone ganzjährig Eisfrei ist und damit eine gewisse Sicherheit in den Abtransportmöglichkeiten bietet.

Aber um ein regionales Logistikzentrum zu werden, ist es natürlich unerlässlich, dass Rason an die regionalen Verkehrsnetze angebunden wird, denn wenn keine Waren hinkommen können, dann können auch keine weiter transportiert werden. Dementsprechend arbeiten China und Nordkorea daran, die Straßenverbindung nach Rason so zu gestalten, dass die chinesischen Produkte auf diesem Weg durchs Land gelungen können und dementsprechend haben Russland und Nordkorea gemeinsam die Bahnverbindung zwischen Rajin (eine der beiden Städte, die den Kern von Rason bilden, die zweite ist Sonbong) und dem Russischen Khasan in den letzten Jahren ausgebaut. Nun hat Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA verkündet, dass noch in diesem Jahr regelmäßig Güterzüge auf dieser Strecke verkehren sollen. Schon im Oktober vergangenen Jahres verkehrte ein Testzug auf der neuen Stecke und ab Oktober diesen Jahres soll es dann ernst werden.

Dann können etwa 100.000 Container pro Jahr auf diesem Weg transportiert werden. Bis dahin sollen laut nordkoreanischen Angaben noch die Bahnhöfe und Kommunikationsnetze an der Strecke in Stand gesetzt werden. Der 54 km lange Schienenweg sei von der Eastern Railway Ryonun Company, einer Tochter der russischen Bahngesellschaft RZD, gepachtet worden, so dass die russische Bahn nun die Rechte an diesem Abschnitt hält. Das dürfte den Russen Geschäftssicherheit bieten und für die nordkoreanische Seite wohl nicht so wichtig sein, denn hier wünscht man hauptsächlich, dass das „Warenbächlein“, das momentan zwischen beiden Seiten tröpfelt (der Handel belief sich im vergangenen Jahr auf 110 Millionen US-Dollar) zu einem echten Warenstrom wird. Diese Strecke ist sicherlich eine gute Möglichkeit dazu.

Ob allerdings der Wunsch in Erfüllung geht, durch den Steckenausbau Rason zu dem entscheidenden Verbindungsstück zwischen Europa und Nordostasien zu machen, wird sich erst noch herausstellen müssen. Ein wichtiger Schritt allemal. Das entsprechende Container-Terminal in Rajin scheint schon fertig zu sein und auf den Warenstrom aus Russland zu warten (der aber für einen wirklichen „Logistikknoten“ noch nicht reichen würde. Zum Vergleich: Der Hafen in Hamburg schlug 2010 knapp 8 Millionen Container um (aber das ist zugegeben eine hohe Messlatte)). Die Zukunft wird zeigen, ob die Pläne so umgesetzt werden, aber die Investitionen von russischer Seite zeigen zumindest, dass ein  echtes Interesse besteht.

Noch kurz drei Anmerkungen zu dem Video, dass KCNA mitgeliefert hat.

1. Etwa bei Sekunde 13 sieht man sehr schön, dass die Gleise auf diesem Teilstück für zwei Spurbreiten verlegt wurden. Die breitere russische und die schmale nordkoreanische. Scheinbar sollen auch nordkoreanische Züge auf der russischen Strecke fahren dürfen.

2. Der russische Vertreter war bei der Unterzeichnung des Vertragswerks echt leger gekleidet. das mit dem Business-Dresscode ist wohl von Land zu Lad verschieden.

3. Interessant finde ich, dass auch in diesem Video wieder so ein moderner Zug gezeigt wird. Ich hatte mal auf der Freien Beitragsseite gefragt, was das für ein Zug sein soll und Tobias (Danke dafür) hat recht ausführlich geantwortet, dass es sich dort um CRH-Hochgeschwindigkeitszüge handelt, die in China verkehren. Da frage ich mich doch glatt, warum man die so gern in die eigenen Videos einbaut. Hofft man, dass die Dinger auch bald in Nordkorea verkehren? Oder ist das einfach, um das ganze Video ein bisschen dynamischer aussehen zu lassen?

Choe Yong-rim besucht China — Und China spricht über „Öffnung“ und „Marktorientiertheit“


Choe Yong-rim, der Premierminister Nordkoreas, in dessen Verantwortung hauptsächlich die wirtschaftliche Entwicklung des Landes fällt, weilt zurzeit zu einem Staatsbesuch in China. Dort ist er bereits mit Präsidenten Hu Jintao, Premierminister Wen Jiabao und weiteren bedeutenden Vertretern der chinesischen Führung zusammengetroffen. Momentan besucht er in Wirtschaftsmetropolen wie Shanghai industrielle, aber auch konsumorientierte Einrichtungen.

Choe Yong-rim und Hu Jintao

Zentrales Thema: Wirtschaft

Worum es konkret bei den Treffen ging weiß man natürlich nicht, aber man kann es sich immerhin denken. Choe dürfte als einer der obersten Wirtschaftslenker des Regimes in Pjöngjang nicht zufällig kurz nach dem Neustart für die Sonderwirtschaftszonen (SWZ) in Rason und bei Sinuiju/Dandong einen Besuch in China machen und dabei mit der absoluten Staatsspitze zusammentreffen. Choe war zwar bereits im letzten Jahr in China zu Besuch, traf sich damals aber „nur“ mit Vizepremier Zhang Dejiang. Dagegen ist die Liste diesmal deutlich prominenter besetzt und in erster Linie dürfte es um die wirtschaftliche Entwicklung gegangen sein (zu anderen Themen wie dem Nuklearprogramm hat Choe auch einfach keine Entscheidungskompetenz/ -befugnis). Aus der Berichterstattung von KCNA ist das zwar nicht so deutlich zu erkennen:

The DPRK will in the future, too, make positive efforts with Chinese comrades to comprehensively expand and develop the DPRK-China friendly and cooperative relations on a higher level and give a steady continuity to the baton of the DPRK-China friendship, he stressed. […]

China will constantly further strengthen the economic and trade relations with the DPRK as its good neighbor, comrade and friend, he added.

[Nordkorea wird in Zukunft gemeinsam mit den chinesischen Genossen positive Anstrengungen unternehmen um die freundschaftlichen kooperativen Beziehungen auf eine höhere Ebene auszudehnen und zu entwickeln und den Staffelstab der Freundschaft beider Staaten mit einer stetigen Kontinuität weitergeben. (gegenüber Hu Jintao) […]

China wird weiterhin die wirtschaftlichen- und Handelsbeziehungen mit Nordkorea als seinem guten Nachbarn, Genossen und Freund, kontant verstärken. (Hu gegenüber Choe)]

Schaut man dann aber in chinesische Medien, dann wird das Bild wesentlich deutlicher. Da wird Wen Jiabao nämlich mit folgenden Worten zitiert:

China supports the DPRK in exploring development that fits its own situation and will continue providing help within our capability […]

Wen said economic cooperation should be „government-guided, enterprise-based and market-oriented“

[China unterstützt Nordkorea bei der Suche nach einem Entwicklungspfad, der am besten zu Nordkoreas eigener Situation passt und wird weiterhin Hilfen im Rahmen der Möglichkeiten gewähren. […]

Wen sagte wirtschaftliche Zusammenarbeit sollte „Regierungsgeleitet, auf Unternehmen basierend und marktorientiert ablaufen“]

Dass KCNA den O-Ton nicht gerne bringen wollte, überrascht wenig, aber die Marschrichtung ist klar. China will keine sozialistische Bruderhilfe leisten, sondern Handel treiben wie mit anderen Staaten auch. Hierfür könnten die SWZ ein Modell bieten.

China startet flankierende Maßnahmen für die Hwanggumphyong and Wihwa Islands Economic Zone

Daher wird es auch kein Zufall sein, dass China bekanntgab, zur Unterstützung der „Hwanggumphyong and Wihwa Islands Economic Zone“ (als englische Übersetzung schreiben die chinesischen Medien übrigens „Gold Flat and Granville islands“ (vll. sowas wie „goldene Ebene und großes Dorf“)) auf chinesischer Seite der SWZ ebenfalls eine Wirtschaftszone  ausgewiesen zu haben, die sich gut entwickle. Diese „State-level economic zone“ (das ist ein Fachbegriff der eine bestimmte Art chinesischer SWZ beschreibt, aber damit kenne ich mich wirklich nicht aus) sei 10 Quadratkilometer groß und solle Unternehmen von Handel bis Logistik beherbergen, die Unterstützung im Bereich Infrastruktur, Energie und anderen grundlegenden Dingen bieten sollten. Der Artikel setzt die Bekanntgabe der neuen Zone in direkten Zusammenhang mit Choes Besuch und enthält darüber hinaus noch ein interessantes Zitat eines chinesischen Parteisekretärs aus Dandong:

The opening up of the DPRK has provided an historic opportunity for Dandong

[Die Öffnung Nordkoreas bietet eine historische Chance für Dandog]

Auf unterer Ebene der Partei scheint man also schon offen über eine „Öffnung“ Nordkoreas zu sprechen. Soweit ist es natürlich noch lange nicht und es mag sein, dass der Sekretär einfach nur ein bisschen Wirtschaftswerbung für seine Stadt betreiben wollte. Nichtsdestotrotz hat es das Parteiorgan (genauer dass des ZK der Partei) abgedruckt. Es ist also klar was China will und wenn man sich die Aktionen Pjöngjangs in letzter Zeit anschaut, ist fraglich ob der Unterschied zu dem was Pjöngjang will groß ist. Man sagt es dort allerdings nicht, denn der Schritt wäre dann ideologisch wohl doch noch zu schwierig.

Choe im Konsumempel und KCNA bildet es ab

Apropos Ideologie: Ich fand es sehr interessant, dass KCNA Fotos von Choe Yong-rim in chinesischen Konsumtempeln abgedruckt hat.

Kulturschock: Choe Yong-rim besucht Konsumtempel und KCNA zeigt es

Lesern von KCNA dürfte der Unterschied zwischen den einheimischen Supermärkten und denen in China nicht entgehen:

Kim Jong Il besucht den Pothonggang Department Store. Der Unterschied ist augenscheinlich.

Kim Jong Il besucht den Pothonggang Department Store. Der Unterschied zu chinesischen Konsumtempeln ist augenscheinlich.

Ich glaube ich hätte mir diese Bilder als Redakteur gespart. Es sei denn die wären nicht ohne Grund abgebildet. Aber naja, vielleicht ist es ein Zufall.

Choes Reise als weitere Maßnahme an der SWZ-Front

Alles in Allem dürfte Choes Reise eine weitere Maßnahme sein, um die SWZs im Norden ans Laufen zu bringen. Was China dazu beitragen kann und wird ist einerseits bedeutsam für die Entwicklung der Zonen, andererseits muss sich das noch in den nächsten Jahren zeigen. Ein völliges Desinteresse oder so geringe Unterstützung wie möglich, wie es manche Analysten behaupteten, sehe ich allerdings nicht. Die Ausweisung der unterstützenden Zone in China ist hierfür ein weiteres Signal.

Macht man sich in Seoul Sorgen um Kaesong?

Auffällig finde ich es, wie sehr sich die südkoreanischen Medien über die Zonen ausschweigen. Fürchtet man da etwa, dass man mit möglichen wirtschaftlichen Verlockungen eines der letzten nutzbaren Mittel zu Beeinflussung Nordkoreas verlieren könnte, da man an den Zonen im Norden keinen Anteil hat? Oder macht man sich Sorgen um die Zukunft von Kaesong? Denn wäre es völlig abwegig zu denken, dass Nordkorea — sollte es im Norden klappen — die in Kaesong ausgebildeten Arbeiter abzieht (um im Norden geübte Kräfte einsetzen zu  können) und Kaesong an Bedeutung verliert und somit ein weiterer Punshingball für Pjöngjangs Machtspielchen wird? Ich denke es ist zumindest nicht unmöglich. Aber wir werden sehen…

Wie China von der Öffnung Rasons profitiert


Auf der staatlichen chinesischen Internetseite china.org.cn habe ich eben einen interessanten Artikel darüber gelesen, wie die chinesische Stadt Hunchun von der Erschließung der nordkoreanische Sonderwirtschaftszone Rajin-Sonbong und besonders von der Nutzbarmachung des Hafens für chinesische Fracht profitiert. Die Stadt Hunchun (auf dieser Karte ziemlich rechts oben, Rajin heißt hier glaube ich Najin) verfügt über große Kohlevorkommen (hier sind 1,2 Milliarden Tonnen angegeben) und exportiert bereits Kohle in die umliegenden chinesischen Regionen. Der Transport über Land ins prosperierende Shanghai hat bisher aber zehn Tage gedauert. Eine erste Ladung von 20.000 Tonnen Kohle, die im Januar im Hafen von Rason eingeschifft wurde, hat Shanghai dagegen binnen drei Tagen erreicht. Aufgrund dieser verkürzten Frachtwege kann Hunchun seine Rohstoffe wesentlich günstiger anbieten und es ist daher geplant, den Weg über Rason häufiger zu nutzen. Weiterhin will man von Hunchun aus auch Strom aus dem neuen Kohlekraftwerk nach Nordkorea verkaufen.

Die wirtschaftliche Verflechtung in der Region scheint sich also so langsam über den kleinen Grenzverkehr hinaus zu entwickeln. Grundsätzlich ist das ganz nach den Vorstellungen des Regimes in Pjöngjang, aber um diese Entwicklung nachhaltig zu gestalten muss man sich auch als verlässlicher Geschäftspartner präsentieren. Dies ist wiederum eine Aufgabe, mit der das Regime in der Vergangenheit immer wieder so seine Schwierigkeiten hatte.