Trash zum Sonntag (VI): Dinge die die Welt nicht braucht — Heute: Rosa Camouflageunterwäsche


Lange habe ich keinen Trash zum Sonntag mehr verbreitet. Weil aber die Welt so voll davon ist, möchte ich euch heute nochmal auf eine kleine Perle aufmerksam machen.
Ich bin mir vollkommen bewusst, dass ich mich damit vor den Karren kommerzieller Interessen spanne, weil ich mich freiwillig zu einem Teil einer Social-Media-Kampagne mache, aber weil ich mir irgendwie nicht vorstellen kann, dass irgendwer das Produkt, das damit vermarktet werden soll, gut findet, komme ich damit ganz gut klar. Und damit hätten wir schonmal den ersten Teil des Trashs identifiziert.
Oder glaubt ihr, dass die Welt nicht mindestens genausogut wäre ohne die Existenz von rosa Boxershorts in Camouflagemuster existiert hat? Ich jedenfalls empfinde allein die Produktion von sowas als extreme Schrottidee.

Aber auch die Marketingidee an sich ist etwas trashy. Denn die Vermarkter hatten sich überlegt, sie würden das Produkt über einem vom Netzpublikum ausgewählten Ort abwerfen. Und damit kommt Nordkorea ins Spiel, denn wo auf der Welt wäre es wohl reizvoller, rosa Camouflageunterwäsche abzuwerfen, als über der Hauptstadt Nordkoreas. Mir fällt ehrlich gesagt nicht viel ein.
Allerdings hat sich das mit dem „Abwerfen“ zur Überraschung (oder auch nicht) der Marketingexperten als ein bisschen schwierig rausgestellt. Warum? Naja, die Nordkoreaner mögen es eben nicht so, wenn Menschen etwas über ihrem Land „abwerfen“. Naja, ihr wisst schon…

Deshalb hat sich das Ganze im Endeffekt in einer ziemlich langweiligen Aktion erschöpft, die in diesem Blog dokumentiert ist, denn die Werbeprofis mussten einen ihrer Leute nach Nordkorea schicken, der dort versuchte, das Produkt (fast) ohne „Abwurf“ oder dergleichen unter die Leute zu bringen. Das war scheinbar eine zähe Angelegenheit, so dass er die Shorts nicht nur an seine Guides verteilte, sondern auch auf den Hotelfluren verteilte und auch, in einer was die Werbewirksamkeit angeht fragwürdigen Aktion, aus seinem Hotelfenster „abwarf“. Naja, Marketing mit Nordkorea ist eben nicht einfach und bisher habe ich da wenig Gutes gesehen, kann eben fas nur Trash rauskommen am Ende…Obwohl…Dashier fand ich eigentlich ganz witzig:

Was ich mich nur frage: Warum haben die Organisatoren nicht mal bei den Aktivisten an der südkoreanischen Grenze angefragt. Die sehen ja scheinbar ihren Lebensinhalt darin, die Nordkorea mithilfe von Heliumballons von Socken über Bibeln bis zu Geld mit so ziemlich allem zwangsbeglücken, was ihnen gerade so in den Sinn kommt. Und ein paar rosane Camouflageshorts wären da vermutlich mindestens so sinnvoll und auch subversiv gewesen, wie ne Bibel. Aber naja, Marketingleute sind eben auch nur Menschen…

Trash zum Sonntag (V): Drohsh Sonderausgabe


Dank der jüngsten Drohkaskaden aus Nordkorea, gibt es seit längerem endlich nochmal ordentlich Trash zum Sonntag. Und weil es ja einen nicht zu unterschätzenden Hype um Nordkorea gab, haben sich auch die Premiumtrashproduzenten nicht lumpen lassen (man könnte sogar anzweifeln, dass das was die produzieren wirklich Trash ist (fragt mal das Grimme-Institut) aber  mit dem Label Premiumtrash fährt man glaube ich ganz gut. Also gibt es heute eine sehr ausführliche Sonderausgabe von Trash am Sonntag, die ich mit „Drohsh am Sonntag“ überschreiben will…

Ein von mir sehr geschätzter Premiumproduzent ist die Heute-Show. Und die widmete am Freitag fast ihre halbe Ausgabe dem Schweinchen Dicktator.

Auch mein Lieblingspremiumtrashverein aus dem Norden hat zugeschlagen und zwei Clips produziert:

Ein Premiumtrahproduzent der besonderen Art ist ja Die WELT. Die wollen das nämlich meistens garnicht. Aber bei solch ungewolltem Trash verstellt einem der Fremdscham ja öfter mal das Vergnügen am Schrott.
Deshalb bin ich ganz froh, dass sie es dieses Mal hingekriegt haben, einfach mal gewollt lustig zu sein. Geht doch! Vielleicht sollten Springers mal ein paar Politikredakteure zu Satirikern umschulen. Viel lernen müssen die da nicht mehr…

Apropos lustig. Den Postillion habe ich zwar gestern schon verlinkt, aber da ich diesen Text so gut fand, hier nochmal der Bericht zu Kim Jong Uns neuester ultimativer Drohung. Dort hat man sich dem Thema aber auch schon früher gewidmet, als der kleine Timmy mit Stinkbomben drohte

Das Ministerium für Innere Schönheit hat sich dagegen so richtig ins Zeug gelegt und eine Interviewreihe mit Kim Jong Un und seinem Ferd auf die Beine gestellt. Wie einem so ein Interview gelingt könnte er z.B. vom Postillion abgeguckt haben. Naja, wenn sich der Autor noch ein bisschen mehr bemüht hätte, dann hätte er auch Kim Jong Un noch ganz in echt in sein Wohnzimmer bekommen. Ähnlich wie es diesen Leuten vom schwedischen Fernsehen ausversehen „gelungen“ ist.

So und damit sind wir auch langsam am Ende der Halde angekommen. Die taz hat nämlich das geschafft, was ich eben oben angesprochen habe und unfreiwilligen Trash produziert. Sie ist einem Fake-Video aufgesessen, aber das kann ja jedem Mal passieren, z.B. mir. Allerdings war die Reaktion, nachdem der BILDblog darauf hinwies, dass es sich um ein Fake handele so bescheuert, dass es dafür eigentlich keine Entschuldigung mehr gibt. Aber lest selbst.

Damit kommen wir auch schon zum internationalen Trash. Hier kenne ich mich leider nicht so gut aus, deshalb nur wenig, dafür aber lustiger Trash aus dem Englischsprachigen.
The Onion hat sich ziemlich ausführlich mit Kim und seinen Eskapaden befasst. Allerdings wurde leider keins der immer großartigen Videos produziert. Macht aber nichts, denn eines der Alten passt eigentlich eins zu eins für die aktuelle Lage. Nur ein kleines Detail stimmt nicht mehr ganz:

Bei dem Anderen musste ich einfach nur ordentlich lachen (Bild via The Adventures of Accordeon Guy in the Twenty-First Century):

Und wer sich nach soviel Trash am Sonntag fragt, was das eigentlich alles soll, für den gibt es noch eine Art theoretischen Überbau zum Nordkorea-Trash und seinem Konsum, für die ich DRadio Wissen sehr dankbar bin (denn ich habe mich schon öfter gefragt, was das alles eigentlich soll). Also hört euch den Meta-Trash einfach mal an, lohnt sich!

Eine deutsche Phantomdebatte: Wie die deutschen Medien sich mit einer Nicht-Geschichte über Nordkorea blamieren


Die Neujahrsansprache Kim Jong Uns, die in unseren Breiten ja für einige Aufregung gesorgt hat, unter anderem weil sich einige Journalisten hier nicht die Mühe machten, sie im Kontext anderer nordkoreanischer Neujahrsbotschaften zu sehen (dann wären einige sprachliche und inhaltliche Punkte nämlich nicht mehr so besonders erschienen), hat eine Wirkung erzielt — zumindest in den deutschen Medien. Hier ist nämlich eine Art Phantomdebatte um nordkoreanische Wirtschaftsreformen entbrannt, die für mich irgendwie schwer zu verstehen ist.

Der Beginn einer Phantomdebatte: Eine seltsame Story

Den Anfang der Debatte bildete die FAZ. Diese kam nach Kim Jong Uns (mehr oder weniger) spektakulären Ankündigungen erstaunlich passend und zeitlich nah mit einem Artikel über deutsche Wirtschaftexperten, die Nordkorea angeblich darin beraten würden, die Wirtschaft des Landes mithilfe eines Masterplans nach vietnamesischem Vorbild umzugestalten. Klingt doch super. Allerdings hatte ich ein paar Schwierigkeiten mit dem Artikel:

  1. Die Wissenschaftler die angeblich helfen bleiben anonym. Natürlich kann es sein, dass man die Arbeit nicht gefährden will, aber naja, die Informationslage ist ein bisschen sehr dünn. Und die Anonymität schützt natürlich nicht nur den Masterplan, sondern auch das Renommee der Wissenschaftler, sollte Pjöngjang die Wirtschaft im kommenden Jahr doch nicht so radikal umgestalten.
  2. Der Zeitpunkt des Artikels kam doch allzupassend. Schon erstaunlich, dass die FAZ gerade ein paar Tage nach Kim Jong Uns Neujahrsansprache mit dem entsprechenden Wissenschaftler gesprochen hat. Dazu habe ich zwei Lesarten: Entweder lag der Artikel schon länger in der Schublade, war aber wegen des dünnen Informationsgehalts schwierig und irgendwie auch nicht zeitgeistig und jetzt hat er eben gepasst. Oder einer der Wissenschaftler wurde von seinem Ego getrieben, doch mal kurz bei der FAZ anzurufen und ein paar unspezifische Infos zu geben, damit man, sollte bei der Geschichte was rumkommen, ein bisschen Publicity bekäme.
  3. Nordkoreas Politiker und Wissenschaftler sprechen öfter mal mit Ausländern. Das ist wahr. Sie sprechen mit vielen Ausländern und sie lassen sich von ihnen gerne Ratschläge geben. Das ist auch wahr! Sie sagen auch eher selten: „Danke für die Tips, aber das alles interessiert uns nicht, jetzt verschwinde, aber sag bitte zuhause, dass wir weiter Entwicklungshilfe wollen.“ Das stimmt. Stattdessen sind sie höflich, hören zu und sagen am Schluss auch artig: „Danke.“ Das ist wahr. Aber das alles heißt noch lange nicht, dass die Nordkoreaner die Ratschläge umsetzen. Sonst gäbe es heute in Nordkorea ganz sicher keine Atomwaffen mehr, auch keine Raketen, ebenso keine Gefangenenlager, vermutlich auch keinen „Sozialismus nordkoreanischer Prägung“ und höchstwahrscheinlich gäbe es auch keine Kim Jong Un Regierung. Man ist in Nordkorea darin geübt, gut gemeinte Ratschläge zu ignorieren. Warum das hier anders sein sollte, weiß ich nicht.
  4. Was ich aber überhaupt nicht verstehen kann: Warum sind deutsche Juristen und Wirtschaftswissenschaftler eigentlich prädestiniert, nordkoreanische Kollegen bzw. Politiker darin zu beraten, ihre Wirtschaft nach dem Vorbild Vietnams umzugestalten. Ich meine, versteht ihr mein Problem? Warum fragen die Nordkoreaner nicht einfach die Kollegen in Vietnam? Schlechte Beziehungen gibt es ja schließlich nicht zwischen den Staaten und die Vietnamesen kennen sich bestimmt genausogut mit ihrem Wirtschaftssystem aus wie die deutschen Experten. Aber nein, die Nordkoreaner lassen lieber von den deutschen einen Masterplan ausarbeiten…Alles klar!

Nur für deutsche Medien berichtenswert.

Naja, aber diese kleinen Unstimmigkeiten hinderten fast keine der deutschen Medien daran, die Story breitzuwalzen und die kaum vorhandenen Infos zu etlichen Artikeln zu verwursten. Dabei scheint es auch keinen weiter gestört zu haben, dass ausländische Medien einen weiten Bogen um die Geschichte gemacht haben und die globale Sensationsökonomie, die sich ja sonst oft für nichts zu schade ist, das ganze fast vollständig missachtete (nur auf die Chosun Ilbo ist Verlass, aber wen wundert das schon). Eigentlich hätte ich zu dem ganzen Sachverhalt nicht viel mehr zu sagen, als das Adam Cathcart in seinem Tweet hier tat und eigentlich hatte ich auch nicht vor, dazu was zu schreiben.

Wenn schon blamieren dann richtig.

Aber irgendwie scheinen einige Medien hierzulande es unbedingt darauf anzulegen, sich so richtig zu blamieren, indem sie sich weder davon abschrecken lassen, dass es eigentlich keine Story gibt, noch davon, dass die Geschichte von Kollegen in anderen Staaten scheinbar nicht als glaubwürdig eingeschätzt wird und auch nicht davon, dass Leute, die sich mehr oder weniger jeden Tag mit Nordkorea beschäftigen recht offen sagen, dass da nichts dran ist.

Spiegel Online ist Spitze…irgendwie

An die Spitze der Ignorantenbewegung hat sich mittlerweile Spiegel Online gestellt. Dort werden in hoher Frequenz mittelmäßige Artikel zu Wirtschaftsthemen und dem „Masterplan im weiteren Sinne“ veröffentlicht. Die Artikel zeichnen sich nicht nur dadurch aus, dass sie sich als Berichtsanlass einzig auf den gehaltlosen Beitrag der FAZ stützen, sondern sie sind darüber hinaus auch noch jeweils für sich allein peinlich, weil schlecht recherchiert und reißerisch (oder versteht ihr, warum in diesem Artikel auf den Vorletzten UN-Bericht zur Nahrungsmittelsituation in Nordkorea verwiesen wird und nicht auf den Letzten und damit ein ziemlich verzerrtes Bild widergegeben wird (Wenn man bedenkt, dass der vorletzte Bericht Alarm schlug, der letzte aber Entwarnung gab))?

Schwächer geht immer.

Vorgestern setzte Spiegel Online seinem peinlichen Auftritt aber dann endgültig die Krone (oder Himbeere) auf. Da versuchte man aus einer langweiligen Liste eines drögen Wirtschaftsverbandes und auf Basis eines nahezu inexistenten Handels eine spektakuläre Enthüllungsgeschichte zu machen, was erstaunlicherweise nur mittelmäßig erfolgreich war. Das alles ist ja nicht neu und auch nicht spektakulär und eigentlich wäre es nicht der Rede wert (dass sich der Spiegel mit seinem Onlineauftritt und den Artikeln die für diesen erstellt werden, keinen Gefallen tut indem dort Quantität deutlichen Vorrang vor Qualität erhält, ist ja nicht unbedingt ne Neuigkeit), aber ich meine, wenn man schon eine Enthüllungsstory machen will, dann sollte man doch wenigstens die Munition nutzen, die sich dafür bietet. Wenn man noch nicht mal das schafft, dann blamiert man sich eben.

Was ich damit konkret meine? Der Autorin war aufgefallen, dass auf einer Liste des Ostasiatischen Vereins (OAV), der den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen deutscher Unternehmen in die Region (zu der Nordkorea ja definitiv gehört) fördern will, 15 Unternehmen gelistet waren, die Geschäftsbeziehungen nach Nordkorea hätten. So weit so unspektakulär, denn Handelsbeziehungen nach Nordkorea zu haben, ist weder verboten, noch ist es zwangsweise verwerflich. Dieser Eindruck soll aber wohl in dem Artikel vermittelt werden, auch wenn die Autorin irgendwo auch anerkennt:

Geschäfte in Nordkorea sind nicht automatisch illegal.

Achwas. Wenn man bei SpOn schon soweit ist, dann besteht ja noch Hoffnung…könnte man denken. Allerdings kann man den Gedanken kurze Zeit später dann auch wieder verwerfen. Denn die Recherche dieses Artikels reichte scheinbar nicht einmal bis zu Wikipedia. Dort hätte die Autorin nämlich ein bisschen was zum Schreiben finden können. Zum Beispiel über die Commerzbank. Ein Vertreter dieses Geldinstituts wird in dem Artikel wie folgt zitiert:

Die Geschäftspolitik der Commerzbank lässt grundsätzlich keine Geschäfte mit Nordkorea zu.

Hätte die Autorin zu diesem Thema mal ein bisschen weiterrecherchiert. In einem (zugegeben nicht offiziell erschienen) UN-Bericht hätte sie nachlesen können, dass die Commerzbank als Geschäftspartner einer nordkoreanischen Bank ins Blickfeld der UN gerückt wäre. Dass die Autorin nun aber nicht unbedingt wusste, dass das in diesem Bericht steht, kann ich ja nachvollziehen. Dass sie auch mein Blog nicht kennt ist auch Ok. Aber dass sie noch nichtmal auf die Idee kam, bei Wikipedia nachzulesen, wo neben den Beziehungen der Commerzbank zu den nordkoreanischen Geldhäusern Korea United Development Bank und der Amroggang Development Bank (die mittlerweile durch EU und UN sanktioniert ist) weitere lose Fäden aus der Story (wie die um die Firmengruppe Prettl) weitergeführt werden. Ich meine, natürlich ist es keine Schande, wenn mal ein Artikel erscheint, in dem nicht Wikipedia als wichtiger Informant herhalten muss. Aber wenn dann gleich vollkommen auf Recherche verzichtet wird, dann ist das schon nicht gerade eine Glanzleistung. Vor allem wenn man so recht einfach eine langweilige Geschichte ein bisschen interessanter hätte gestalten können…

Mit Verlaub…

Naja, sei’s drum. Diese Story passt ja perfekt ins Gesamtbild, das die deutsche Presse mit ihrem Hype zu Nordkoreas Wirtschaftsreformen abliefert. Da bleibt eigentlich abschließend nicht mehr viel zu sagen, außer die Worte zu wiederholen, mit denen Rüdiger Frank die Berichterstattung der westlichen Medien zu Kim Jong Uns Neujahrsansprache charakterisierte:

Mit Verlaub: Das ist ein Armutszeugnis für die westliche Berichterstattung.

und die Bitte an die deutschen Printmedien: Bitte lasst diese blöde Phantomdebatte doch einfach bleiben und schreibt doch lieber mal garnichts, statt igendwelchen schlecht recherchierten Kram. Mir wird’s nämlich auch langsam peinlich…

Trash zum Sonntag (IV) und beste Jahresendwünsche


Eigentlich wollte ich in der letzten Woche noch ein oder zwei Beiträge Posten und mich dann heute mit einem Trash zum Sonntag in die Weihnachts- und vielleicht auch Silvesterferien verabschieden. Aber ihr wisst ja vermutlich auch, wie es in dieser Jahreszeit in kapitalistischen Gesellschaften so läuft: Einerseits türmen sich die Termine mit Weihnachtsfeiern und sonstigen Events, andererseits muss man sich auch noch ein bisschen dem Konsumterror hingeben (obwohl ich damit dieses Jahr recht gut wegkam). Naja und als Konsequenz hat man dann superwenig Zeit, dafür aber jede Menge Stress und schafft niemals auch nur annähernd alles was man will. Eigentlich habe ich jetzt gerade auch nicht wirklich Zeit, aber sich so sang und klanglos aus so einem spektakulären Jahr zu verabschieden, wäre dann doch ein bisschen blöd gewesen. Daher hier meine kurze (vermutlich) Jahresendbotschaft, da ich nach Weihnachten ein paar Tage in einem benachbarten Land zubringen werde, dass sich bis vor einigen Monaten als einziges europäisches Land rühmen konnte, ein nordkoreanisches Restaurant zu haben.

Naja und weil ich eben wenig Zeit habe, will ich auch nicht besonders viele Worte machen. Ein Trash zum Sonntag in Form eines Geschenks (das ich aber quasi nur weiterreiche) und das war es schon mit der Vorweihnachtsbescherung. Dank Nordi, der auf der Freien Beitragsseite darauf hingewiesen hat, bin ich auf das interessante Game „Pyongyang Racer“ aufmerksam geworden. Das Spiel ist eine geschickte Werbeaktion von Koryotours, die sich sehr gut auf virales Marketing verstehen und so auch hier in meiner Trash-Kategorie landen.

Warum Trash? Nunja, „Pyongyang Racer“ ist kein Highend Produkt. Dazu muss man das nichtmal gezockt haben, das sieht man auch so. Zocken ginge auch nicht, weil wohl die PR-Aktion so erfolgreich war, dass der Server von der Koryo-Group jetzt auch quasi trash ist und der Link zum Spiel zurzeit tot. Wer aber so vor 15 Jahren auf seinem 4.86er gerne Autorennspiele gedaddelt hat, der findet vielleicht noch echtes Vergnügen an dem Spiel und wer an sehr rudimentärem Basiswissen über Pjöngjang interessiert ist, der sollte sich auch mal die gut zehn Minuten nehmen, die es wohl braucht, das Spiel durchzuspielen.

Achja, interessant auch die Werkstatt aus der das ganze stammt. Zwar steht da, dass es von nordkoreanischen Programmierern programmiert sei, aber die Firma Nosotek kennen wir ja schon. Die ist nämlich im Endeffekt eine deutsch.

Wie gesagt, vielmehr als ein bisschen Ansichtsmaterial kann ich euch noch nicht liefern, aber irgendwann wird die Koryogroup schon ihren Server in den Griff kriegen oder das Interesse der Gamer nachlassen. Bis dahin könnt ihr euch ja die Zeit mit warten vertreiben, denn das Christkind kommt morgen so oder so…

Sorry, dass ich nichts zu verhafteten Amerikanern geschrieben habe (außer einer Vorabankündigung), von leuchtenden Weihnachtsbäumen (aber der Schwachsinn wiederholt sich ja wie andere Dinge alle Jahre wieder) oder von absolut sicheren Raketenbeweisen (nicht mehr als das übliche Geklappere rund um nordkoreanische Satelliten-/Raketenstarts), aber das wäre in Anbetracht meines beschränkten Zeitbudgets zu viel Aufmerksamkeit für nur mittelmäßig wichtige Themen gewesen, da ist mir was Lustiges doch lieber.

Also verabschiede ich mich definitiv bis nach Weihnachten und vermutlich bis zum nächsten Jahr und wünsche euch eine ruhige und besinnliche/gemütliche/schöne/relaxte Zeit und einen gute Start nach 2013. Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben wollt, dann schaut euch doch einfach die Blogs an, auf die ich auf der Linkseite verweise oder bedient euch bei den Hinweisen zu Nachrichtenagenturen etc. oder je nach Interesse bei den anderen Links, die ich so gesammelt habe. Macht‘s gut und bis dann…

Trash zum Sonntag (III)


Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich dieses Jahr zumindest noch einmal ein bisschen Trash zum Sonntag absondern muss (bzw. darauf hinweisen, denn abgesondert haben ihn ja schon andere). Und da unsere Printmedien sich in den letzten Tagen sosehr ins Zeug gelegt haben, haben sie es sich auch redlich verdient, einmal exklusiv ihre besonderen Verdienste bei der Produktion von Ausschuss anerkannt zu bekommen. Die Schwierigkeit war dabei nicht so sehr Trash zu finden, sondern eine Auswahl zu treffen. Die fiel auf einige Dauergäste in meiner Rubrik „Medienschelte“ und ein Blatt, dass sich schon seit Jahren abrackert, auch mal aufgenommen zu werden, mir bisher aber immer einen Tick zu untrashig war. Apropos „un…“.

BILDs Un(glaublich) kreativer Spitzname

Warum nicht gleich mit unser aller Lieblingsunterhaltungsmedium und seiner neuen publizistischen Linie gegenüber Nordkoreas Diktator beginnen. Von Zeit zu Zeit habe ich mich ja schon an Springers Bestem und seinen Namensentwürfen für Kim Jong Un abgearbeitet. Die entwickelten sich vom wenig kreativen „noch irrer als sein Vater“ vor Amtsantritt über den irgendwie lahmen „Bubidiktator“ zum bisherigen kreativen Höhepunkt springerschen Medienschaffens: „Kim Jong Un(heimlich)“ finde ich schon ziemlich in Ordnung und was vor allem toll daran ist. Die Idee hat potential. So wurde das höchstinspirierende Bild, dass auch mich gestern zu geistigen Tiefflügen animiert hat mit „Kim Jong Un(cool)“ beschrieben. Der Anfang ist also getan und jetzt kann selbst der popeligste Bildvolontär lustige Schöpfungen wie Kim Jong Un(tadelig) /(terirdisch) /(bewaffnet) /(ten ohne) /(zerstörbar) /(tergeganen) /(derberg) /(endlich viele Optionen lustiger Namenszusätze eben) in die Welt blasen. Astreine Sache! Das Ding ist ein Selbstläufer und echter Schrott, dafür vielen Dank an die BILD. Ansonsten muss man nicht viel über den Artikel  sagen. BILD eben. Da wird an der antiquierte Inneneinrichtung nordkoreanischer Satellitenkontrollzentren genauso herumgenörgelt wie an ihrer mangelhaften technologischen Ausstattung:

Und ein Satelliten-Kontrollzentrum stellt man sich auch irgendwie technologisch besser ausgerüstet vor. Nur wenige Computer sind zu sehen.

So ein Ärger! Eigentlich schon bedenklich, wenn man überlegt, dass in einer durchschnittlichen Springer-Redaktion vermutlich viermal soviele Computer rumstehen. Hoffentlich kommt der Autor jetzt nicht auf die Idee selbst einen Satelliten ins All zu schicken. Scheint ja technologisch ziemlich anspruchslos zu sein. Mit den paar blöden Computern…

Die Schäbigkeit der Interpretation

Auch unser zweiter Aspirant ist in die Bildinterpretation eingestiegen. Und das ist er ziemlich ernsthaft angegangen. Anders als die Springerkollegen hat der Autor von Spiegel Online sich derart in die (Un)tiefen des Bildes verstrickt, dass er sogar (Un)geheuerlichkeiten aufdeckte, die ohne sein Zutun vermutlich vollkommen (un)bemerkt und (un)beschrieben geblieben werden (ich (un)terlasse das jetzt mal, da wird man ja wahnsinnig mit der ganzen Unnerei hier). Dazu bemüht der Autor sogar einigen theoretischen Unterbau, aber die Frage die sich mir stellt. Gibt das Bild das überhaupt her. Ich meine nein. Die kulturhistorischen Überlegungen zur Repräsentation von Operettendiktatoren im Bild finde ich zwar durchaus lesenswert, aber zu schreiben, Kim Jong Un wäre auf dem Bild dargestellt/inszeniert „wie ein schäbiger Gangster“ finde ich dann doch etwas weit gesprungen. Erstens sind Fotos wie die samt seltsam anmutenden Klamotten, Desinteresse im Blick und leerem Aschenbecher vor sich bereits von seinem Vater in großer Zahl überliefert, zweitens hatte ich bei diesem Bild eine Menge Assoziationen, aber einen schäbigen Gangster stelle ich mir anders vor. Vor allem aber sind die Schlüsse, die der Autor aufgrund seiner Überinterpretation zog finde ich daher mehr als schwierig:

Das Agenturfoto des nordkoreanischen Diktators lässt nur zwei Interpretationen zu: Entweder Kim Jong Un ist entmachtet, eine Witzfigur mit groteskem Irokesenschnitt, vorgeführt von den nordkoreanischen Militärs.

Oder es handelt sich bei ihm um einen visionären Strategen: Der Mann, der die überkommene Optik der Operettendiktaturen des 20. Jahrhunderts überwindet.

Ich verstehe natürlich, der Autor kommt eher aus der Kulturecke und macht deshalb das, was er gut kann: Bilder beschreiben und interpretieren. Aber erstens geht es hier nicht um Kultur sondern um Politik und in der politischen Sphäre stehen Bilder anders als im Bereich der Kunst nicht für sich selbst, sondern sind (nur) im Kontext zu verstehen und deshalb genügen zweitens Bilder nie, um mit ihnen die Realität zu erklären. Da hätte der Autor sich mal bei den Geheimdienstlern und Beobachtern die mit der Satellitenaufklärung Nordkoreas befasst waren informieren können. Die hätten ihm ein Liedchen davon singen können, dass die Bilder die man so sieht eben manchmal nur das zeigen was sie zeigen sollen und dass man vor lauter Bilderinterpretiererei schonmal einen Raketenstart übersehen kann…

Neues vom Godfather of Bildinterpretierei – oder auch nicht

Ach und wenn wir schon bei Bilderinterpretiererei sind, dann liegt es ja extrem nahe, dass wir uns zum Abschluss auch nochmal mit dem Godfather of Bilderinterpretieren himself beschäftigen. Der Mann, der allein an der Farbe eines Daches erkennt, was darunter vorgeht. Der Mann, der sich besser mit den Besitzverhältnisse nordkoreanischer Villen auskennt als die Nordkoreaner…Oder auch nicht. Leider ist der jüngste Artikel in der WELT nämlich nicht mit einem Namen gekennzeichnet. Aber wer schon einmal das Vergnügen hatte, einen Artikel dieses Autors zu lesen, der weiß was dazugehört und dem fällt auf, dass dieser Artikel genau dem typischen Bauschema folgt. Ein ordentlicher Schuss Kalter Krieg Romantik (hier hervorragend präsent durch die Erinnerung an Erich Honecker), ein gute Portion Gerüchte und Sensationen (Iranische Wissenschaftler wurden eingeflogen, damit der Test hinhaut — vielleicht wurden sie eingeflogen und vielleicht aus diesem Grund), eine saftige Prise Faktenwissen (wer die Ereignisse in Nordkorea nicht regelmäßig verfolgt, der kann nicht alle die Detailinfos einbauen die hier einfließen), gewürzt mit einer erstaunlichen Portion von Schlampigkeit bei der Recherche (nein, der Satellit heißt nicht „Kwangmyongsong 2“ (der kreist nämlich laut Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA schon seit 2009 um die Erde). Diese Auskunft hätten übrigens auch die Kollegen von der BILD (oder so ziemlich jeder anderen Zeitung) geben können, die haben das nämlich alle sachlich richtig dargestellt) und teils unverständlichen kausalen Erklärungen.

Nur zögernd und eher leise entschloss Washington sich zu einer Verurteilung des Starts, obwohl der einzige Funktionär, der Kim Jong-un außer dessen Onkel beim Start begleitete, Kims Rüstungschef Pak To-chun war.

Ja und? Und wenn der einzige Funktionär der ihn begleitet hat ein anderer gewesen wäre, oder wenn ihn drei Funktionäre begleitet hätten, wie hätte sich dadurch das erwartbare Verhalten Washingtons wohl verändert? Keine Ahnung! Vielleicht wollte der Autor nur ein bisschen Namedropping betreiben. Ist ja nie schlecht. Was diesen Artikel trotz der zugegeben ordentlichen Faktenkenntnisse (von größeren unerklärlichen Fauxpas mal abgesehen) des Autors zum Trash qualifiziert. Es geht hier nicht um Informationsvermittlung, sondern eigentlich nur darum überlieferte Klischees zu bedienen und zu festigen. Nordkorea, der obskure Staat mit der irren Führung und den bösen Freunden der uns an die guten alten Zeiten des Kalten Krieges erinnert als es noch so schön einfach war die guten von den bösen zu unterscheiden. Das alles ist mehr als bedenklich weil es mit der Realität nicht wirklich was zu tun hat, sonder nur mit einer Hirngeburt eines Chefkommentators.

Bonustrah

Naja, viel schwere (bzw. schwer zu ertragende) Kost so kurz vor Weihnachten und damit ihr nicht schlechtgelaunt den dritten Advent feiern müsst, hab ich noch einen echt trashigen und auf keinen Fall schweren Bonustrash für euch

Trash zum Sonntag (II)


Es ist ja schon länger her, dass ich meine großartige „Trash zum Sonntag“ Serie begonnen habe. Leider habe ich seitdem nicht wirklich was finden können, das meinen anspruchsvollen Trashkriterien entsprach. Das hat sich heute geändert.

Ich bin auf eine ziemlich gute Zeichentrickreihe gestoßen. Wer sich aktuell oder vor einigen Jahren oder Jahrzehnten Cartoonkanäle (oder das Samstags- und Sonntagsmorgenprogramm privater Sender (ich saß früher hin und wieder morgens vor der Glotze und hab mir das Testbild reingezogen, weil ich hoffte, dass die Serien endlich anfangen)) angeguckt hat, der weiß warum ich das echt gut finde: Es ist voller grandioser Zitate an den kollektiven Bestand von Zeichentrickserienbildern und -geräuschen, die sich in den Köpfen meiner und der nachfolgenden Generation eingegraben haben.

Das heißt noch lange nicht, dass es euch gefallen muss, ist ja Trash…

 

 

 

Trash zum Sonntag


Das ich nicht früher drauf gekommen bin! Das Internet ist ja eh der größte digitale Schrotthaufen der Menschheitsgeschichte und gerade das, was im Netz so zu Nordkorea produziert wird, trägt entscheidend dazu bei.

Und weil das alles so ist und weil Schrott ja auch irgendwie dazu benutzt werden kann, zur Erheiterung, Freude und ästhetischen Bildung der Menschheit beizutragen („Ist das Kunst oder kann das weg?“) gehört ja auch der Trash irgendwie hierher. Naja, lange rede kurzer Sinn. So Gott will und die Amateur- und Profispinner nicht plötzlich aussterben, die es sich aus verschiedensten Gründen zur Aufgabe machen, Inhalte über Nordkorea zu produzieren, werdet ihr in Zukunft häufiger meinen „Trash zum Sonntag“ ertragen müssen (und das mit dem „Ertragen“ meine ich ernst). Aber Achtung! Wer sich schnell provoziert oder abgestoßen fühlt oder sonstwie ein zartes Gemüt ist, der sollte sich das vielleicht einfach sparen…

Wer letzte Woche die WELT gelesen hat, der denkt vielleicht er wüsste was jetzt kommt. Tut er aber nicht. Zwar ist dem Obertrasher mal wieder ein echt schrottiger Wurf gelungen, aber da ich mir sicher bin, nein, da ich weiß, dass da wo der Abfall herkommt noch vielmehr am gären ist, verschiebe ich das einfach. Vor allem, weil der andere Kram, der mich überhaupt erst auf die Idee bracht, so unglaublich trashig ist, dass er jetzt schon heißer Anwärter auf den „Trash des Jahres“ ist.

Bühne frei für Stuhlgewitter. Hm, sieht so aus als seien es Oi!-Skins, wobei die Bezeichnung nicht vollständig ist, ohne noch irgendwo besagten „trash“ zu der Kategorisierung hinzuzufügen. Vorab noch kurz etwas zu ihrem künstlerischen wie inhaltlchen Programm:

Extrem extremistisch und total totalitär. Wir hetzen gegen alles, was nicht ins menschenverachtende Weltbild der Nazis passt – und machen noch schlechte Musik dazu! Voll gut, ne?

Stuhlgewitter ist aber noch mehr als nur fürn Arsch, Stuhlgewitter ist eine Weltanschauung!

Besser kann man das fast nicht sagen (vor allem das mit der Musik). Könnt ihr euch vorstellen, was euch erwartet? Na gut hört selbst den grandiosen wenn auch leicht kontroversen Hit „Von Kim Jong Il das Siegen lernen“.

Lust auf mehr? Hits wie „Antideutsche Wut“ und „Antifa Hooligans“ warten auf euch…