Die „Mitmach-Demokratie“: Fast hundert Prozent Wahlbeteiligung bei Regionalwahlen in Nordkorea


Gestern fanden in Nordkorea Regional- und Kommunalwahlen statt. In diesen Wahlen werden etwa 28.000 (2007: 27.340) Abgeordnete, für die kommunalen Parlamente gewählt. Das nordkoreanische Elektorat war mal wieder höchst motiviert und erschien zu 99,97 Prozent an den Wahlurnen. Vielleicht stammte diese Motivation daher, dass die Stimmzettel im Gegensatz zu den Bögen, die man bei Kommunalwahlen in Deutschland erhält, sehr übersichtlich sind. Man muss wirklich nicht lange darüber nachdenken, wo genau man das Kreuz machen soll (und sollte man die Stelle trotz aller Einfachheit nicht treffen, dann kann wohl davon ausgegangen werden, dass ein findiger Helfer das später korrigiert). Neben der hohen Motivation der Wählerschaft ist auch die unglaubliche Transparenz der Wahlen hervorzuheben. So konnte man schon unmittelbar nach der Stimmabgabe lesen, wen Kim Jong Il gewählt und wie er die beiden für ihre künftige Tätigkeit angespornt hat (in Deutschland kann man höchst selten lesen, für wen die politische Prominenz ihre Stimme abgegeben hat (aber hier hat man ja auch eine Auswahl zwischen mehr als einem Kandidaten)). Sehr praktisch finde ich auch, dass der Kandidat für den Kim Jong Il gestimmt hat, auch gleichzeitig Vorsitzender des Wahlkomitees ist, das motiviert bestimmt beim korrigieren falsch ausgefüllter Wahlzettel.

Kim Jong Il gibt seine Stimme für die Regional und Kommunalwahlen am 24.07.2011 ab

Ein mögliches Modell für bessere Beteiligung und mehr Einfachheit: Die "Stellvertreter-Einheitsstimme"... (Foto:KCNA)

An Einfachheit und Transparenz waren diese Wahlen also mal wieder kaum zu übertreffen und im Ergebnis sieht man ja auch, dass die Menschen sich durch solch volksnahe Abläufe mit ihrem politischen System identifizieren (oder könnt ihr euch an Kommunalwahlen in Deutschland mit solchem Zulauf erinnern? Selbst in der DDR lag das Bestergebnis bei nur 99,7 Prozent, aber vielleicht verfolgte man dort weniger effektive Strategien, Wahlen einfacher und transparenter zu gestalten…). Allerdings könnte ich mir für die Zukunft eine zusätzliche Vereinfachung vorstellen. Warum lässt man nicht einfach den geliebten Fürer stellvertretend für alle abstimmen. Schließlich kennt er dank seiner multiplen Fähigkeiten (und als Kopf des „Volkskörpers“) ohnehin den Willen und die geheime Wünsche des Volkes bestens, da wäre diese führerliche Dienstleistung doch nur folgerichtig. Außerdem könnte so der ganze Schnus mit den Plakaten etc. gespart werden und die bedauerlichen 0,03 Prozent der Wahlberechtigten, die im Ausland oder auf dem Meer tätig sind, könnten sicher sein, dass auch ihre Stimme in das grandiose Ergebnis einflösse…

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