Was „normale“ Nordkoreaner denken: Interessantes Büchlein vom DailyNK


Auf dem Blog von Noland und Haggard ist ein interessantes Büchlein verlinkt, das ich euch kurz vorstellen möchte. Darin haben einige der Autoren des DailyNK zehn Interviews mit Nordkoreanern aus verschiedenen Gesellschaftschichten und mit verschiedenen Berufen abgedruckt. Das Ganze ist ein sehr interessantes Dokument, da es ein etwas besseres Gefühl für das Denken und Fühlen „normaler“ Nordkoreaner vermittelt. Natürlich darf man die daran getroffenen Aussagen nicht verallgemeinern. Es kann sein, dass sehr viele Menschen in Nordkorea so denken, wie diese zehn, aber es muss nicht sein. Man weiß es einfach nicht und solange das aktuelle Regime in Pjöngjang herrscht, wird man es auch nicht erfahren. Außerdem muss man vorsichtig sein, weil man nicht genau weiß, wie die Interviews zustande kamen und wie präzise die Übersetzung ist (das was der DailyNK betreibt könnte man teilweise als Gegenpropaganda gegen das Regime in Pjöngjang bezeichnen und beim Lesen der Interviews hat man manchmal das Gefühl, dass das einen gewissen Einfluss auf mögliche Vorgespräche und Übersetzung hat). Nichtsdestotrotz ist sind die Interviews wertvolle Dokumente für ein besseres Verständnis der aktuellen Umstände in Nordkorea.

Einige Aspekte, die mich besonders beeindruckt haben möchte ich hier ganz kurz notieren:

  • Von fast allen befragten wird auf die großen und sehr negativen Auswirkungen hingewiesen, die die Währungsreform auf ihre individuelle Versorgung mit Nahrungsmitteln, aber auch auf das gesamte Versorgungssystem des Landes hatte. Oft wird die Reform direkt oder indirekt als Ursache für die aktuell angespannte Lage identifiziert.
  • Viele der Befragten haben Zugang zu südkoreanischen Fernsehserien oder Filmen und oft wird ein kultureller Einfluss dieser Serien auf die Gesellschaft beschrieben (die Leute kleiden sich nach dem Vorbild der Serien und tragen ihre Haare nach den dort gelernten Vorlagen).
  • Unter den befragten scheint zumindest das Wissen darum verbreitet zu sein, dass es den Menschen in Südkorea wirtschaftlich besser geht als den Nordkoreanern.
  • Eine wichtige Rolle in ihrem Verhältnis zum Staat spielt für viele Befragte ihr erster Besuch in China, als sie durch ihre Kontakte ein Außenbild von ihrem Land erhielten und Zugang zu anderen Informationen erhielten.
  • Offenen Widerstand gegen das Regime können sich die Befragten nicht vorstellen, da die Strafen drastisch sind (Sippenhaft: Die Familie des Widerständlers wird bis in die dritte Generation bestraft).
  • Auch Zeichen des Widerstands wie Graffitis scheinen eher selten zu sein.
  • Ein wenig abstrakter merkt man, dass manche der Befragten sich sehr schwertun, explizite Kritik an Kim Jong Il zu äußern. Generell wird festgestellt, dass das System nicht gut ist und auch Kim Jong Il wird nicht als „Idol“ beschrieben, aber es scheint den Menschen  trotzdem schwer zu fallen, etwas Schlechtes über ihn zu sagen.
  • In einem Interview (10) mit einem Grenzwächter zeigt sich ein unglaubliches Maß an Brutalisierung und Verrohung. Der junge Mann spricht von brutaler Gewalt gegen Wehrlose, als sei es völlig normal und alltäglich.
  • Wie bereits einleitend angesprochen, finde ich einige Antworten aus den Interviews etwas misstrauisch. So ordnet eine befragte sich selbst in der Gesellschaft knapp unter der Mittelschicht (middle class) ein. Ich frage mich, wie sie zu diesem Terminus kommt. Der ist doch wohl eher in marktlich organisierten Gesellschaftsordnungen eine Kategorie, dürfte aber in Nordkorea eher selten genutzt werden. In einem anderen Interview (2) wird ein Mann nach Yonpyong und Cheonan gefragt und stellt diese Vorfälle vollkommen selbstverständlich in Zusammenhang mit den Anschlägen auf das Flugzeug von Korean Air 1987 und den Attentat auf das südkoreanische Kabinett in Rangun 1983. Das finde ich irgendwie seltsam, da es sich bei Yonpyong und Cheonan ja eher um militärische Zwischenfälle gehandelt hat und ich diese Verbindung nicht besonders naheliegend finde, außer man möchte Nordkorea Staatsterrorismus vorwerfen…

Wenn ihr also ein besseres Verständnis um die Situation und das Denken einfacher Menschen in Nordkorea bekommen wollt, dann lest ihr die gut 50 Seiten am besten selbst mal durch. Mit etwas kritischer Reflexion gibt das Buch schon einiges her.

Bericht zur Situation in Nordkorea


Zwar hat Herr Klitz bereits in einem Kommentar zu einem anderen Artikel auf den Bericht über seinen jüngsten Besuch in Nordkorea aufmerksam gemacht, da ich aber nicht weiß, ob hier alle die Kommentare zu den Artikeln lesen, dachte ich, ich weise nochmal gesondert darauf hin. Besonders weil es da durchaus einiges Neues zu lesen gibt. Interessant finde ich vor allem die Selbstwahrnehmung der nordkoreanischen Seite hinsichtlich der Wahrungsreform, aber auch den Hinweis auf einen offensichtlichen Generationenwechsel in den Eliten des Landes. Da scheint einiges im Fluss zurzeit. Also schauts euch an wenn ihrs noch nicht getan habt.

Nordkoreas wirtschaftliche Entwicklung: Märkte sollen zurückgedrängt werden


Die Nachrichtenagentur AP hat in Pjöngjang ein Interview mit Ri Ki-song, einem Professor am Institut für Wirtschaft der Akademie für Sozialwissenschaften in Pjöngjang, geführt (leider ist das Original nicht frei zugänglich, aber mehrere Zeitungen berichten über die Inhalte). Das Interview kam zustande nachdem AP bei der nordkoreanischen Regierung angefragt hatte, ob man mit einem Offiziellen über die gegenwärtige wirtschaftliche Situation sprechen könne (Die machen sich ne Mühe! Hätten sie einfach mal Julian Reichelt von der BILD fragen sollen, der wird ja ohne Umschweife zu waschechte Ministern vorgelassen, mit denen er dann Champagner schlürft. Aber es hat halt nicht jedermann so gute Kontakte wie Herr Reichelt…). Ri bestritt, dass es nach der Währungsneubewertung vom Dezember zu Unruhen in der Bevölkerung gekommen sei. Zwar seien anfänglich die Preise für Güter auf den privaten Märkten nicht festgelegt gewesen, weshalb diese für einige Tage geschlossen worden seien, allerdings seien diese Probleme nun behoben. Was wirklich interessant an dem Interview ist, sind die Aussagen Ris zur wirtschaftlichen Planung in Nordkorea. Nach Ri sollen die entstandenen privaten Märkte nach und nach aufgelöst werden und die Versorgung der Bevölkerung wieder vollständig in die Hände des nordkoreanischen Staates übergehen. Dieses schwierige Ziel soll unter Anderem mit Hilfe von Kooperationsprojekten mit China verwirklicht werden. Momentan werden ja fast täglich Pläne für neue Projekte bekannt. So wird nun über zwei gemeinsame Staudammprojekte im Yalu berichtet.

So, dass wars erstmal von mir, heute nur kurz, aber ich hab noch anderes zu tun. Bevor ich es vergesse möchte ich auch noch frohe Ostertage wünschen. Ich weiß nicht inwiefern ich über die Tage zum schreiben komme, da ich familiären Verpflichtungen nachgehen werde, aber das wird man ja sehen.

Nordkorea: Hochrangiger Kader nach gescheiterter Währungsreform (vermutlich) erschossen


„Irgendjemand muss den Kopf dafür hinhalten“ oder „da werden Köpfe rollen“, solche leeren Phrasen gibts ja auch in Deutschland oft genug zu hören. Während das hier allerdings nicht mehr heißt, als dass der Betreffende seine Zukunft in totlangweiligen Aufsichtsratssitzungen verbringen muss, oder zu völlig überteuerten Tarifen überall Vorträge zu dem halten darf, weswegen er eigentlich von der politischen Bühne gestupst wurde, nimmt man das Ganze in Nordkorea wörtlicher.

Yonhap berichtet, dass Pak Nam-gi, der ehemalige Direktor des Finanz- und Planungsamtes des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas, kürzlich sprichwörtlich seinen Kopf für die weitestgehend gescheiterte Währungsreform vom Dezember vergangenen Jahres hinhalten musste. Während schon im Februar Gerüchte aufgekommen waren, dass Pak seine politischen Positionen verloren habe und seit Mitte Januar von der Bildfläche verschwunden sei, verdichten sich nun die Vermutungen, er sei verhaftet, vielleicht sogar öffentlich exekutiert worden. Pak ist kein unbedeutender Sündenbock. Noch im vergangenen Jahr war er ein vielgesehener Teilnehmer bei der Dauertournee Kim Jong Ils durch die Stahlwerke und Schweinefabriken seines Reichs. Vermutlich werden die beiden da auch über mögliche Reformen zur Ankurbelung der Wirtschaft gesprochen haben, aber davon scheint Kim nun nichts mehr zu wissen. Angeblich wurde Pak vorgeworfen, die Wirtschaft Nordkoreas ruiniert, die öffentliche Meinung negativ beeinflusst und die Vorbereitung der Nachfolge Kim Jong Ils in Gefahr gebracht zu haben. Tja, Politik ist eben ein schmutziges Geschäft, zumindest in Nordkorea.

Soweit ich mich erinnern kann, wäre dies die erste Exekution eines wirklich hochrangigen Offiziellen seit der von Suh Kwan-hee 1998. Dieser wurde für die Hungerkatastrophe von 1994 – 1998 verantwortlich und dementsprechend zum Sündenbock gemacht. Die Tatsache, dass ein solch hochrangiger Politiker geopfert wird verdeutlicht, wie kolossal die Währungsreform danebengegangen ist. Um den öffentlichen Unmut etwas zu besänftigen war kein anderes Mittel als dieses mehr zur Hand. Ich gehöre nicht zu denen, die das Regime in Pjöngjang nun bis in seine Grundfesten erschüttert sehen, allerdings ist dieser Fehlschlag auch nicht ganz unbedeutend. Das Regime muss nun in anderen Bereichen Erfolge erzielen. Ob das bei den Sechs-Parteien-Gesprächen sei, deren Vorverhandlungen ja noch immer feststecken, oder bei der Gewinnung ausländischer Investoren, wo sich Nordkorea in der letzten Zeit ja allem Anschein nach gut geschlagen hat ist relativ egal. Aber ein permanentes Scheitern bei der Verbesserung der Lebensumstände der Bevölkerung bei gleichzeitiger Austrocknung der Finanzzuflüsse aus externen Quellen wird es dem Regime zunehmend erschweren, seine Handlungsfreiheit zu bewahren. Daher sind ein Fortschreiten des Sechs-Parteien-Prozesses und ein weiteres aktives Werben um ausländisches Kapital nicht unwahrscheinlich.

„Die Partei sitzt fest im Sattel“ – Interview mit Walter Klitz zur Situation und Zukunft Nordkoreas


Walter Klitz, der zuständige Projektleiter der „Friedrich-Naumann-Stiftung Für die Freiheit“ in Korea hat sich die Zeit genommen, ein E-Mail-Interview mit mir zu führen. Dies ist eine der seltenen Gelegenheiten, zu denen man einen ausführlichen Blick auf das Land aus erster Hand geliefert bekommt. Dabei spricht (oder vielmehr schreibt) Klitz von seiner Arbeit in Nordkorea, seinen Reisen dorthin und seinen persönlichen Eindrücken, die er gewinnen konnte. Außerdem beschreibt er die Hintergründe und Dynamiken der Währungsreform vom vergangenen Dezember, in deren Zuge es zu einer Revaluierung des Won kam. Weitere Themen sind die Bedeutung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes für Frieden und Stabilität nicht nur in Nordkorea selbst, sondern für die ganze Region sowie die Schwierigkeiten für Außenstehende, Vorgänge in Nordkorea zu verstehen und zu bewerten. Für diejenigen, die sich vorab etwas genauer über die Friedrich-Naumann-Stiftung Für den Frieden und ihre Arbeit in Nordkorea informieren möchten, habe ich hier einige Basisinformationen und weiterführende Links zusammengetragen. Jetzt aber genug der Vorrede, hier das Interview:

Sehr geehrter Herr Klitz, vorab schon einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, mir einige Fragen zu beantworten. Im Rahmen Ihrer Arbeit für die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit waren Sie in den letzten Jahren mehrmals in Nordkorea. Für die meisten Menschen ist es eher unwahrscheinlich, dass Sie diese Erfahrung je machen werden. Vielleicht können Sie einmal schildern, welchen Eindruck Sie während Ihrer Aufenthalte vom Land, aber vor allem von den Menschen dort gewinnen konnten. Waren Sie ähnlich denjenigen, die das Land als Touristen bereisen, ständig in Begleitung von zwei eigens dafür abgestellten Personen, oder ist Ihre Bewegungsfreiheit dank des langen Kontaktes etwas größer geworden?

In den letzten drei Jahren war ich insgesamt 15mal in Nordkorea. Sicherlich haben sich in dieser Zeit recht gute Arbeitsbeziehungen entwickelt und man hat sich kennengelernt. Unsere Gesprächspartner wissen, dass wir uns an gewisse Spielregeln im Lande halten. Das hat dann doch auch dazu geführt, dass wir etwas mehr Bewegungsfreiheit erhalten haben und auch schon einmal alleine durch die Stadt schlendern dürfen.

War es möglich, persönliche Kontakte aufzubauen und über mehr zu sprechen, als Fachliches?

Anfangs waren unsere Gespräche schon recht unverbindlich. Aber im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein reger und offener Meinungsaustausch, bei dem mittlerweile beide Seiten ihre Positionen ohne jegliche Einschränkungen darlegen können. Man darf eben nur nicht nach der Rückkehr das Vertrauen, das der Arbeit der Stiftung mittlerweile entgegengebracht wird an die große Glocke hängen. Nordkoreaner legen großen Wert auf Vertraulichkeit. Ich will Ihnen zwei Beispiele nennen: bei meinem letzten Besuch bat ich darum, einen Journalisten der FAZ mitnehmen zu dürfen. Das wurde mir erlaubt, weil meine Gesprächspartner mir vertrauten, dass fair über ihr Land berichtet wird (Anm. d. Red.: Auf den daraus resultierenden Artikel kann hier zugefriffen werden). Noch mehr war ich beeindruckt, als ich die Gelegenheit hatte in meinen politischen Gesprächen, mich nachdrücklich für die Freilassung der beiden amerikanischen Journalistinnen im vergangenen Jahr einzusetzen. Nach etwa einer halben Stunde Diskussion fuhr ich in der Gewissheit nach Hause, dass eine befriedigende Lösung gefunden wird.

Konnten Sie auch Gebiete besuchen, die für Touristen sonst nicht zugänglich sind, sind Ihnen auch Armut und Mangel begegnet und können Sie eine grobe Einschätzung der derzeitigen Situation im Land geben?

Die Versorgungslage ist nicht gut. Das ist allgemein bekannt. Nordkorea fehlt jedes Jahr ca. eine Million Tonnen Reis, mal mehr mal weniger, je nach Witterung und das Land ist dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die deutsche Welthungerhilfe und das World Food Program leisten dort exzellente Arbeit. In weiten Teilen des Landes kann das staatliche Verteilungssystem den Bedarf nicht mehr decken. Auch in der Hauptstadt selbst gibt es gelegentlich Engpässe. Nordkorea gehört zu den Armenhäusern der Welt und dieser Armut begegnet man natürlich auf Schritt und Tritt je mehr Einblicke man in das Land erhält und je weiter man sich von der Hauptstadt entfernt.

Wie erschienen Ihnen „normale Koreaner“, hatten Sie das Gefühl, dass die Menschen unglücklich und bedrückt wirken und sich der Besonderheit der Situation, in der Sie leben bewusst sind, oder ist das Alltagsleben dort ähnlich anderen Orten auf der Welt?

Nein, die Menschen sind zwar nicht zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation, aber sie schultern es weitgehend mit einer erstaunlichen Geduld und Zuversicht, dass es ihnen unter der weisen Führung des Landes bald besser gehen wird.

Ich habe auf der Homepage der Friedrich Naumann Stiftung gelesen, dass Ihre Arbeit in Nordkorea vor allem auf Wissenstransfer fokussiert ist. Dabei informieren Sie Nordkoreaner über Funktionsweisen der Marktwirtschaft, Strategien wirtschaftlicher Modernisierung und Währungssysteme. Können Sie vielleicht kurz schildern, wie eine solche Veranstaltung abläuft?

Die Veranstaltungen laufen mittlerweile nicht anders ab als in Deutschland. Wir laden Redner ein, die vortragen und anschließend haben wir Zeit für Fragen und auch Diskussion. Das war zu Beginn unserer Tätigkeit noch anders. Da mussten die Teilnehmer ihre Fragen schriftlich einreichen und der Fragende blieb anonym.

Wer sind die Teilnehmer und was sind konkrete Themen?

Es handelt sich insbesondere um Teilnehmer von Instituten, Universitäten, Ministerien, Handelskammer und Partei. Im Jahre 2004 haben wir mit Trainingsseminaren über die Rolle der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und des betrieblichen Rechnungswesens in einer Marktwirtschaft angefangen. Heute behandeln wir Themen wie freier Welthandel, Modernisierung des Bankensystems,  Europäische Integration, Umweltschutz und Stadtentwicklung. Besonders erfolgreich waren die Veranstaltungen „Economic Reforms and the Development of Economic Relations between the European Union and the DPRK“ mit über 100 Teilnehmern und „Aspekte umweltverträglicher Stadtentwicklung“ mit über 60 Teilnehmern.

Sind die Teilnehmer immer die gleichen, oder unterschiedliche?

Unsere Arbeit ist immer zielgruppenorientiert, also haben wir je nach Thema immer unterschiedliche Teilnehmer.

Können Sie die Themen und konkreten Inhalte der Seminare frei wählen, oder sind die staatlichen Stellen Nordkoreas die letzte Instanz?

Die Themen werden mit unseren nordkoreanischen Ansprechpartnern eingehend besprochen, einvernehmlich vereinbart und richten sich nach dem Bedarf, der von nordkoreanischer Seite angemeldet wird. Je nach dem, mit wem wir die Veranstaltung durchführen, bedarf das Programm der Genehmigung des Kabinetts. Wenn Veranstaltungen direkt von der Arbeiterpartei angeregt werden geht das schneller, weil die Partei viel schneller entscheiden kann.

Es sind ja noch weitere deutsche oder deutschsprachige Organisationen in Korea aktiv. Mir fällt da erstmal die Hanns Seidel Stiftung ein, aber auch das Goethe Institut, das bis zum Ende des letzten Jahres einen Lesesaal in Pjöngjang unterhielt. Aber die Gruppe der Deutschen, die Projektarbeit in Nordkorea durchführen, ist ja trotzdem übersichtlich. Kennt man sich untereinander und arbeitet vielleicht sogar zusammen?

Es sind in der Tat nur sehr wenige internationale Organisationen in Nordkorea aktiv. Man wird sie an zwei Händen abzählen können. Wir sehen das als große Wertschätzung Deutschlands und unserer Arbeit, die wir dort leisten. Die deutschen Organisationen informieren sich regelmäßig über ihre jeweilige Arbeit, damit es zu keiner Konkurrenzsituation kommt.

Wenn es zu Ereignissen wie der Schließung des Lesesaals kommt, ist das für Sie dann auch ein größeres Thema, oder kriegt man das mehr am Rande mit?

Die Diskussion über den Lesesaal war ja nicht neu, insofern haben wir die Entwicklung schon verfolgt und sie kam nicht überraschend.

Die Schweiz hat ja beschlossen, ihre Entwicklungszusammenarbeit in Nordkorea zum 1.1.2012 einzustellen. Begründet wurde dies unter anderem mit den geringen Erfolgen der bisherigen Arbeit, die vor allem aus Capacity Building besteht. Ist Ihnen dieser Fall bekannt und machen Sie sich manchmal auch Sorgen, dass die Friedrich-Naumann-Stiftung ihr Engagement in Nordkorea mit einer ähnlichen Begründung beenden könnte?

In Nordkorea gilt es eigentlich immer im Lichte der politischen Ereignisse abzuwägen, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll ist oder nicht.  Gerade als liberale Stiftung, die einer Partei nahesteht, die die Ostpolitik der Annäherung maßgeblich gestaltet hat, wissen wir um die Bedeutung des Dialoges, ohne den kein Vertrauen gebildet werden kann.

Für Menschen, die nie in Nordkorea waren, ist es schwer, sich ein Bild von diesem Land zu machen und dabei richtige von falschen Informationen zu unterschieden. Wie war es für Sie, bevor Sie zum ersten Mal nach Nordkorea gereist sind. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich habe natürlich viel gelesen und habe dabei schon festgestellt, dass wir in der veröffentlichten Meinung seltsamerweise seit Jahren immer wieder die selben recycelten Fragen stellen. Gerade die Nordkorea Erfahrung zeigt mir aber, daß Reisen eben doch bildet. Ich kenne heute die Zusammenhänge viel besser und traue mir durch die Gespräche, die ich dort führe zu, Entscheidungen anders einordnen zu können. Die Diskussion über die Situation in Nordkorea ist allzuoft wishful thinking. Und basiert auf Erkenntnissen, die Jahre alt sind.  Es soll sich keiner was vormachen, die Partei sitzt fest im Sattel und keiner wird in Nordkorea den Führungsanspruch der Partei in Frage stellen.

War es ein komisches Gefühl, als Sie über die DMZ gefahren sind?

Ich muss von Seoul aus immer über Beijing nach Nordkorea fliegen. Die Fahrt über die DMZ ist nicht möglich obwohl Pjöngjang nur etwa 250 Kilometer entfernt ist. Aber mein erster Flug mit Koryo Air, vor allem die Ansage beim Überfliegen des Yalu Flusses, also der chinesisch-nordkoreanischen Grenze, dass dies die Stelle sei, wo Kim Il-sung das imperialistische Japan bezwang, hatte schon etwas Surreales. Da wurden schon Erinnerungen an die deutsch-deutsche Grenze und Bahnhof Friedrichstraße zu Zeiten des Ost-Westkonfliktes wach.

Glauben Sie, dass man sich als jemand, der nicht in Nordkorea war, ein realistisches Bild von dem Land machen kann?

Sicherlich kennt man die Geschichte,  man weiss daß Nordkorea an die Traditon des alten Choson anknüpft, aber die Motive, die hinter politischen Entscheidungen von heute stecken, können sich niemandem erschließen, der keine Möglichkeit hat, sich mit Entscheidungsträgern darüber zu unterhalten.  Neulich habe ich z.B. einen Beitrag gelesen, in dem doch ernsthaft behauptet wurde, dass Nordkorea seine Atomwaffen nur gebaut habe, um sie als Verhandlungsmasse in die Sechsparteiengespräche einbringen zu können. Aus Sicht der Machthaber in Nordkorea bilden sie aber die einzige Abschreckungsmöglichkeit, die sie gegen die amerikanischen Truppen in Südkorea haben, von denen sie sich subjektiv bedroht fühlen. Oder nehmen Sie das letzte Beispiel: vor einigen Tagen hat KCNA, die nordkoreanische Presseagentur mitgeteilt, dass das Land eine neue Bank, die „State Development Bank“ eingerichtet habe, deren Aufgabe es sein wird, mit internationalen Finanzorganisationen zusammenzuarbeiten und für Investitionen in Nordkorea zu werben. In vielen Zeitungen wurde spekuliert, ob dies Zeichen der Öffnung seien. Kein Zweifel, das diesjährige Neujahrseditorial konnte sehr zuversichtlich stimmen in diese Richtung, aber ein genauerer Blick auf die Erklärung hätte schon verraten, dass die Entscheidung zur Gründung dieser neuen Bank von der National Defense Commission getroffen wurde und von daher ganz andere Fragen aufwirft, nämlich die Frage nach der Konkurrenz mit der bestehenden Foreign Trade Bank, die am 2. November 1959 durch Beschluss des Kabinetts gegründet wurde und weitgehend selbe Aufgaben hat.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich manche Medien und selbst wissenschaftliche Autoren, die zu Nordkorea publizieren, oft auf Halbwahres, auf Spekulationen und Gerüchte, stützen. Können Sie diese Wahrnehmung bestätigen?

Ja, leider ist das oft so, vor allem weil es sich oft weniger um wissenschaftlich fundierte Analysen handelt als viel mehr um poltische Bewertungen je nach dem, wo der Autor politisch steht.

Was glauben Sie ist die Ursache dieses Phänomens, das das begrenzte Wissen, das über Nordkorea existiert, noch zusätzlich unklar und schwammig werden lässt?

Es gibt ganz einfach zu wenig Informationen über Nordkorea.

Wie kann man als Mensch, der sich zu Nordkorea informieren möchte, Fehlinformationen entgehen?

Das wird sich wahrscheinlich nicht vermeiden lassen, aber man sollte sich deshalb immer bewusst sein, dass vieles spekulativ ist.

Wie ich gelesen habe, waren Sie erst kürzlich in Nordkorea und haben sich so in der ersten Zeit nach der überraschenden Währungsreform ein Bild von der Lage machen können. Was waren Ihre Wahrnehmungen hinsichtlich der Reaktionen der Nordkoreaner auf diese Reform?

Ich war das letztemal drei Tage vor der Währungsreform in Nordkorea. Insofern kann ich über die derzeitige Situation nichts sagen. Was ich sagen kann ist aber, dass ich auf dem Tongil-Markt, den ich besuchen dürfte schon drei Tage vor der Währungsrevaluierung mit zwei unterschiedlichen Preisen konfrontiert wurde. Ich glaube bei mir war die Irritation größer als bei den nordkoreanischen Händlern und Konsumenten, weil ich davon nichts wusste, sondern mir erst später einen Reim drauf machen konnte.

Haben Sie das Leben auf den geduldeten Märkten anders empfunden, als bei den vorherigen Besuchen?

Es war erst mein zweiter Besuch auf diesem Bauernmarkt. Der erste lag bereits drei Jahre zurück.  Nach wie vor haben die Marktfrauen das Sagen und es war, wahrscheinlich den besonderen Umständen geschuldet, viel mehr Betrieb.

Sehen Sie die Reform als Misserfolg bei einer möglichen wirtschaftlichen Liberalisierung Nordkoreas oder nur als kurzfristigen Rückschlag?

Ich sehe, dass durch die Revaluierung des Geldes das eigentliche Problem, nämlich die Bekämpfung der Inflation nicht gelöst wird. Solange die Preise staatlich festgesetzt werden und der Wert des nordkoreanischen WON sich ausschließlich am Konsum und nicht am Außenwert des WON orientieren, wird man sich nichts ändern, es sei denn, Nordkorea würde sich entscheiden, sich für den Weltmarkt zu öffnen. Es ist schon bemerkenswert, wenn Kim Jong-Il feststellt, dass zwischen der politischen und wirtschaftlichen Autarkiepolitik des Landes, also der Juche-Ideologie, und dem freien Welthandel kein Gegensatz besteht, sondern der Handel die Selbstständigkeit des Landes sogar noch fördern kann. Da gilt es drauf aufzubauen. Es bleibt also abzuwarten, was sich tut und ich werde das mit Sicherheit in meinen nächsten Gesprächen voraussichtlich im März ansprechen können.

Sehen Sie Zusammenhänge zwischen der Reform und nicht-wirtschaftlichen Aspekten, wie der vieldiskutierten Nachfolgeregelung für Kim Jong-il?

Eindeutig nein,  Versuche die Bauernmärkte zurückzudrängen und das staatliche Versorgungssystem zu stärken, gibt es schon länger und nicht erst seit vorletztem Jahr.

Kürzlich wurden ja die Baumaßnahmen am Ryugyong Hotel, die lange geruht hatten und so zum Symbol der wirtschaftlichen Schwäche Nordkoreas geworden waren, fortgesetzt und mittlerweile bietet das Hotel einen beeindruckenden Anblick. Sehen Sie das Hotel, dass ja mit Hilfe privater Investoren fertiggestellt wird, sozusagen als „Modell im Kleinen“ für die zukünftige Entwicklung Nordkoreas, nämlich eine Ausweitung von joint-ventures zwischen dem nordkoreanischen Staat und ausländischen Investoren?

Ich halte die wirtschaftliche Entwicklung von Nordkorea für eine Grundvoraussetzung für Frieden und Stabilität in dieser Region und für eine herausragende humanitäre Verpflichtung. Seitdem die internationale Staatengemeinschaft wegen der Raketenversuche und der Nukleartests Sanktionen verhängt hat, sind im Lande eben vermehrt Direktinvestitionen u.a. aus China und den arabischen Ländern festzustellen. Aus meiner Sicht ist die Sunshine Politik Südkoreas alternativlos. Sanktionen können und werden umgangen und führen zu Abhängigkeiten des Landes, die auch nicht unbedingt in unserem Interesse liegen können.

Kürzlich hat Nordkorea bekannt gegeben, die Sonderwirtschaftszone Rason neu zu beleben. Glauben Sie, dass nach dem relativen Erfolg der Zone in Kaesong, eine Entwicklung nach dem chinesischen Modell mit einer zunehmenden Zahl von solchen Sonderwirtschaftszonen einsetzen könnte?

Wichtig ist zunächst einmal, dass die südkoreanische Regierung die Ergebnisse der beiden Gipfel von 2000 und 2007 anerkennen sollte. Kaesong war kein relativer Erfolg, sondern ein uneingeschränkter. Immerhin haben südkoreanische Unternehmen dort über 40.000 Arbeitsplätze für Nordkoreaner geschaffen zu Arbeitsbedingungen, die ihresgleichen suchen in Nordkorea.

Ich habe einen Videoausschnitt vom Jeju Peace Forum gesehen, in dem Sie sich zu Ihren Wahrnehmungen bezüglich den politischen Verhältnissen im Land äußern. Sie sehen Kim Jong-il zurzeit fest im Sattel und nehmen an, dass sein dritter Sohn Kim Jong-un auf eine Nachfolge vorbereitet wird. Eine Übernahme der Regierungsverantwortung durch ein kollektives Führungsgremium nach dem Tod Kims halten Sie für unwahrscheinlich. Wurde während Ihrer Aufenthalte in Nordkorea, besonders während dem letzten, von Kim Jong-un gesprochen?

Ja

Haben Sie das Gefühl, dass man sich auch dort Gedanken über die Zeit nach Kim Jong-il macht?

Ja

Kims Sohn ist noch sehr jung und Kim selbst wurde 30 Jahre auf die Übernahme der Führung vorbereitet. In diesem Zusammenhang wurde oftmals Jang Song-thaek, der Schwager Kim Jong-ils ins Spiel gebracht. Es wird gemutmaßt, er würde die Macht, entweder in Vertretung für Kim Jong-un oder komplett, übernehmen, wenn Kim Jong-il sterben würde. Wie bewerten Sie das?

Sorry, an solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht öffentlich. Ich gehe davon aus, dass es einen Übergang geben wird, der ohne große Verwerfungen ablaufen wird.

Kommen wir zum Schluss noch einmal zurück zur Arbeit Ihrer Stiftung. Wie sehen Sie die Arbeit der Stiftung in Nordkorea für die nähere Zukunft. Gibt es konkrete Pläne?

Unser Ziel ist es, in unser aller Interesse die Gesprächskanäle offenzuhalten. Mitte des Jahres werden wir eine Studienreise nach Deutschland zum Thema Stadtentwicklung durchführen, wie gesagt solange sich die politische Lage nicht weiter verschärft.

Gibt es konkrete Wünsche, die Sie für die Koreanischen Halbinsel und ihre Bewohner haben?

Ja, dass auch Nord- und Südkorea sich möglichst bald über eine Vereinigung in Frieden und Freiheit freuen können.

Vielen Dank für das informative und ausführliche Interview. Für Ihre wichtige Arbeit wünsche ich Ihnen auch weiterhin viel Erfolg.

Nach der Währungsreform in Nordkorea: Berichte über extremen Wertverfall des Won


Nachdem die Behörden in Nordkorea Anfang des vergangenen Monats eine Währungsreform durchgeführt haben, bei der neue Won gegen alte im Verhältnis 1:100 umgetauscht wurden, während eine Obergrenze das umtauschbare Vermögen stark begrenzten und nachdem zur Stützung dieser Maßnahmen die Nutzung jeglicher Fremdwährungen untersagt wurde, zeichnen sich Berichten zufolge nun weitere Folgen dieses Vorgehens ab. Yonhap schreibt unter Berufung auf „Open Radio for North Korea“, dass man für einen Yuan Anfang Dezember noch 50 Won bezahlen musste, dass der Preis aber mittlerweile bei 1.000 Won liegt. Sollten diese Berichte zutreffen, hätte der nordkoreanische Won binnen eines Monats gegenüber dem Yuan um 1.900 % an Wert verloren, was einer deutlichen Verschärfung der Inflation gleichkäme. Für diese Inflation wird ein Vertrauensverlust der Bevölkerung in den Won verantwortlich gemacht. Weiterhin wird das Verbot der Nutzung von Fremdwährungen als Grund für die Inflation angegeben. Während zuvor Devisen als Ersatzwährungen genutzt werden konnten, müssen nun die Geschäfte auf den Märkten vermutlich vermehrt in Won getätigt werden. Die Händler die die Güter meist aus China importieren, müssen dort allerdings in harter Währung zahlen, oder eben in Won, vermutlich jedoch mit erheblichem Risikoaufschlag, denn für die chinesischen Händler dürfte der neue Won eine ganz schöne Wundertüte sein. In China macht man nichts mit dem Won und in Nordkorea kann man nichts davon kaufen. Solange das Verbot der Nutzung von Fremdwährung in Nordkorea also anhält, hat man ziemlich wertlose Papierfetzen gegen gute Ware getauscht. Und wer macht das schon ohne saftigen Risikoaufschlag?

Tja und schon haben wir einen krassen Wertverfall. Allerdings sind die Berichte bisher mit Vorsicht zu genießen, weil es dafür nur eine Quelle gibt, die sich wiederum auf ungenannte Informanten beruft. Aber sollten sich diese Bericht bestätigen, was wären die Implikationen? Das kommt natürlich auf die Ziele des Regimes an. Wenn es, wie ich ja schonmal gemutmaßt habe, hauptsächlich einen Schlag gegen die privaten Märkte führen wollte, so war es wohl recht erfolgreich. Die aus China eingeführten Waren dürften sich immens verteuert haben, so dass die Nutzung der Märkte uninteressant, bzw. für die meisten Nordkoreaner unmöglich geworden sein dürfte. Und wo es keine Kunden gibt, da gibts auch keine vermögenden Händler die Geschäfte machen können. Allerdings dürfte dieser Schlag auch die Bevölkerung hart getroffen haben, denn die Möglichkeit die spärliche staatliche Versorgung durch Produkte von den Märkten zu ergänzen wäre nicht mehr gegeben und eine Nahrungskrise wäre vorprogrammiert. Dass sich das Regime für solche Sachverhalte jedoch nur bedingt interessiert belegt die Hungersnot in den späten 1990er Jahren, während der zwischen 300.000 und 3.500.000 Nordkoreaner (das weiß niemand so genau, aber die Medien schreiben meist von 2.000.000) an den Folgen von Unterernährung starben. Wenn das Ziel der Regierung in Pjöngjang jedoch, wie ebenfalls oft vermutet, die Bekämpfung der Inflation war, dann waren die Maßnahmen ein riesiges Desaster.

Welches Ziel die Maßnahmen genau hatten wird sich wohl am ehesten am weiteren Verfahren des Regimes zeigen. Sollte das rigide Vorgehen weiterhin fortgesetzt, oder sogar durch weitere Beschlüsse ergänzt werden, dürfte das Regime vor Allem die das Zurückdrängen der Märkte im Sinn gehabt haben. Werden die Beschlüsse aufgeweicht oder unauffällig zurückgenommen, war das Ganze wohl mehr ein gescheiterter Versuch, die Inflation zu bekämpfen.

Nordkoreas Währungsreform in der nächsten Runde…


Ab morgen ist die Verwendung fremder Währungen wie zum Beispiel Dollar, Yen, Euro oder Yuan in Nordkorea für Individuen und Unternehmen verboten. Auch Ausländer müssen mit dem nordkoreanischen Won bezahlen. Der Erfolg der Währungsreform von Anfang des Monats ist bisher schwer abzuschätzen, jedoch wurde bisher kein neuer Wechselkurs des Won gegenüber dem Dollar festgelegt. Auch die Widerstände aus der Bevölkerung scheinen noch immer nicht ganz abgeklungen zu sein, jedoch sind die Berichte hierüber mit Vorsicht zu betrachten, da sie nicht wirklich bestätigt werden können.

Meiner Meinung nach ist die jüngste Maßnahme als Fortsetzung der Währungsreform zu sehen. Einerseits soll der neue Won vor Instabilitäten geschützt werden, vor allem scheint aber auch diese Maßnahme wieder auf wohlhabende Teile der Bevölkerung abzuzielen. So können diejenigen, die zum Beispiel Geschäfte auf en Märkten machten, so zu Vermögen kamen und dieses in Fremdwährung hielten, effektiv daran gehindert werden, dieses Vermögen in Nordkorea zu nutzen. Andererseits könnte die Maßnahme aber auch zur Ankurbelung der Geschäfte auf de Märkten dienen. Denn wenn man sein Geld im Inland nicht mehr nutzen kann, wäre es doch eine sinnvolle Maßnahme, für die Fremdwährung im Ausland Waren zu erwerben und diese dann im Inland gegen Won zu verkaufen. Aber das wird vermutlich eher nicht das Interesse des Regimes, wohl aber eine Folge der neuen Maßnahme sein. Mal sehen wies weitergeht.

Nach der Währungsreform: Gewalttätige Proteste zwingen das Regime zu Zugeständnissen


Einem Bericht des Chosun Ilbo zufolge, kam es nach der Währungsreform zu gewalttätigen Protesten in der Hamhung Provinz, die zu Zugeständnissen des Regimes geführt haben.

Scheinbar kann alte Währung im Wert von bis zu Einer Million Won auf Banken deponiert werden, ohne entwertet zu werden. Über die Herkunft dieses Geldes muss dabei keine Rechenschaft abgelegt werden. Kann man dagegen die Herkunft seines Vermögens erklären, soll sogar das Gesamte Vermögen auf die Bank eingezahlt werden können.

Diese Zugeständnisse folgen scheinbar auf schwere Proteste, in deren Folge das Regime 12 „Anführer“ hinrichten ließ. Die Proteste wurden vor allem angestachelt durch die Tatsache, dass in der Folge der überhasteten Reform die Preise für Güter aller Art explodiert seien.

Eine hochrangige nordkoreanische Quelle soll erklärt haben, dass es für das Regime nicht mehr möglich sei, so rücksichtslos mit dem Vermögen der Bürger umzugehen. Die Kräfte aus dem Bereich der Schwarzmärkte hätten das Regime offensichtlich zu einer Revision der Reform gezwungen.

Hm, klingt interessant, kommt aber leider aus einer einzigen Quelle, von daher muss man wohl abwarten, bis mehr Informationen durchsickern. Sollte es aber tatsächlich dazu gekommen sein, dass das Regime vor dem Druck der Märkte zurückweichen musste, zeigt sich einerseits, wie groß der Einfluss aus diesem Bereich bereits ist. Andererseits waren dann die vorgenommenen Maßnahmen ein totaler Misserfolg. Da werden dann im Regime vielleicht doch nochmal n paar Köpfe rollen…

Interview mit Rüdiger Frank zur aktuellen Lage in Nordkorea


Professor Rüdiger Frank, der wohl renommierteste deutschsprachige Experte zu Nordkorea, der sich vor allem mit der Wirtschaft des Landes beschäftigt, aber auch über andere Elemente der Politik Nordkoreas fundierte Kenntnisse besitzt, hat dem Onlinemagazin Spreerauschen ein Interview gegeben. In diesem nimmt er zu vielen aktuellen Fragen nordkoreanischer Politik, wie der Währungsreform, den Beziehungen zu China und der Nachfolge Kim Jong Ils, Stellung. Bezüglich der Währungsreform sieht er diese ähnlich wie ich als Schlag gegen die Mittelschicht und Versuch die Inflation einzudämmen. Auch zu den anderen Themen gibt er sehr differenzierte Einschätzungen ab. Also: Wer einen Überblick über die aktuelle Situation in Nordkorea bekommen will, dem sei dieses Interview wärmstens ans Herz gelegt!

P.S. Man kann dem ersten Wort der Überschrift wohl ein „s“ hinzufügen. Scheibar recht fleißig der Herr Frank. Gestern hat er jedenfalls ein Interview bei DW World gegeben, in dem er besonders auf die Reise von Stephen Bosworth nach Pjöngjang eingeht.

So sieht das neue nordkoreanische Geld aus…


Update: Prof. Rüdiger Frank hat beim Nautilus Institute einen Beitrag zum Symbolismus der neuen Währung geschrieben, der sehr lesenswert ist. Ich will nur kurz die wichtigsten Facts daraus wiedergeben: Bei den kleinen Scheinen wird deutlich, dass die Partei die höchste Position (50) über dem Militär (10) und den Wissenschaftlern (5) einnimmt. Die Bauern fehlen ganz. Hieraus könnte man eine leichte Abkehr von der Militär-zuerst-Politik sehen, in deren Rahmen die Partei gegenüber dem Militär zunehmend in den Hintergrund gerückt war.

Auf den mittleren Scheinen ist die Magnolie, die nordkoreanische Nationalblume (100), das geflügelte Chollima-Pferd als Symbol für die nordkoreanische Version des chinesischen großen Sprungs (200) und der Triumphbogen der Kim Il Sungs Triumphalen Guerillakrieg gegen Japan symbolisiert (500), zu sehen.Als am interessantesten bewertet Franke die großen Scheine. Erstens wird auf dem 5.000 Won Schein Kim Il Sung erstmals mit grauen Haaren dargestellt, was als Zeichen dafür gelten könnte, dass hier die erste Generation zu sehen ist. Auf dem 2.000 Won Schein gibt es mit der Blockhütte am Mount Paektu, in der Kim Jong Il der Legende nach geboren wurde, erstmals eine, wenn auch nur symbolische, Darstellung Kim Jong Ils als zweite Generation (Es gibt bisher keine Kim Jong Il Monumente, Straßen oder Plätze in Nordkorea). Die 1.000 Won Note zeigt den See, an dem Kim Jong Il und sein Vater für berühmte Fotos posierten und auf der anderen  Seite den Geburtsort von Kim Jong Ils Mutter, Kim Jong-suk. Diese drei Scheine sollen nach Franke demonstrieren, dass nach dem erfolgreichen Aufbau des Landes durch Kim Il Sung, dessen Bedeutung gewahrt bleibt, eine zweite Generation am Wirken ist, die nun für die Geschicke des Landes verantwortlich ist. So soll der Übergang auf eine mögliche dritte Generation vorbereitet werden. Kim Jong Il tritt aus dem Schatten seines Vaters, wahrt aber trotzdem die Einheit zwischen den Generationen.  

Ursprünglicher Beitrag: Über die Währungsreform habe ich ja schon einiges geschrieben. Allerdings sind seit kurzem auch Fotos der neuen nordkoreanischen Währung im Umlauf. Die will ich euch natürlich nicht vorenthalten:  

Exklusive Darstellung der neuen nordkoreanischen Währung

Hm, aber jetzt mal Scherz beiseite, natürlich ist das Monopoly-Geld vermutlich etwas mehr wert als die neuen Won-Scheine und außerdem auf hochwertigerem Papier gedruckt. Außerdem glaube ich nicht, dass in den letzten 50 Jahren das Monopoly-Geld jemals im Verhältnis 100:1 entwertet worden wäre. Aber jetzt mal vollkommen ab von Monopoly: Es gibt tatsächlich Bilder von der neuen Währung. Die sieht so aus:  

Nordkoreas neue Währung

Die kleinen Scheine

Die großen Scheine

Die Scheine die sich keiner leisten kann...

…weil rechnet man den maximal eintauschbaren Betrag von 150.000 Won in die neue Währung um, hat man 1.500! und wer will schon 2/3 seines Geldes in Form eines Scheines mit sich rumschleppen?!

So sieht also das Neue aus. Und das Alte? Hab ich auch n Bildchen rausgesucht…  

Alte Won Scheine

So, damit dürftet ihr was die neue Währung angeht ja umfassend informiert sein. Was mir auffällt ist ein gewisser Fokus auf den errungenschaften des koreanischen Volkes bei den Bildern der neuen Scheine. Weiterhin natürlich das Prägedatum der Münzen. Aber vermutlich plant man, den Leuten per Propaganda „beizubringen“, dass die neue Währung schon immer da war oder irgendwie sowas…