Es ist angerichtet: Nordkorea bereitet Kim Il Sungs Geburtstagsparty vor


Es gibt ja Traditionen, denen gehen die Menschen in Aller Herren Länder nach. Einige davon haben mit Geburtstagen zu tun: Da kommt die ganze Familie zusammen, schmaust köstliche Leckereien, spricht über dies und das, was eben gerade wichtig ist und versucht darüber nicht in Streit zu geraten; Da gibt es jede Menge tolle Geschenke, vor allem für das Geburtstagskind aber auch schonmal für den Nachwuchs des Hauses; Und wenn der Jubilar eine wichtige Persönlichkeit ist oder zumindest reich (solche Leute neigen ja mitunter dazu, „Wichtigkeit“ aus Reichtum abzuleiten) dann wird auch schonmal zum Abschluss der Party ein Feuerwerk gezündet.

So in etwa haben sich das wohl auch die Veranstaltungsplaner von Kim Il Sungs rundem Jubiläum gedacht. Zum Hundertsten bekommt das Familienoberhaupt (als „ewiger Präsident“ wird er wohl auch das „ewige Familienoberhaupt“ sein) von seinen Abkömmlingen und Geschöpfen nämlich genau das. Das Feuerwerk ist ja schon bestellt und wird gerade aufgebaut und ein, oder eigentlich zwei Geschenke hängen damit mehr oder minder direkt zusammen. Das etwas greifbare ist der Wettersatellit, der im Idealfall irgendwann in zwei Wochen seine Arbeit aufnehmen kann. Er wäre ein manifester Beweis dafür, dass Kim Il Sungs Staat zu großen technologischen Leistungen im Stande ist und mit (oder trotz) seiner Idee einer weitgehenden Autarkie in der Lage ist, mit (mehr oder weniger) eigenen Entwicklungen, neue unbekannte Welten zu erobern. Das zweite Stützt sich auf diese Leistung. Denn was, wenn nicht die Entwicklung eines eigenen und nutzenbringenden (denn nach Ansicht der nordkoreanischen Propaganda kreisen ja aktuell zwei (Phantom-)Satelliten aus Nordkorea um die Erde und funken patriotisches Liedgut (was ja ganz nett ist, aber nicht wirklich nützlich)) Raumfahrtprogramms kann besser belegen, dass die Nation den Status einer „starken und prosperierenden Nation“ wie geplant erreicht hat.

Heute hat KCNA dann auch noch das zugehörige Familienfest terminiert. Die ganze Parteifamilie wird sich nämlich am 11. April in Pjöngjang treffen und eine Parteikonferenz abhalten (bisher war nur „Mitte April“ angegeben). Man wird wohl viel zu besprechen und auch zu entscheiden haben dort. Denn immerhin wurden Mitte Dezember letzten Jahres so ziemlich alle entscheidenden Staatsämter auf einen Schlag vakant und formell hat bisher noch niemand die Nachfolge angetreten. Das wird wohl die Hauptaufgabe der Konferenz sein. Und da haben wir dann auch schon die Geschenke für den Familiennachwuchs, denn ab dem 12. wird sich Kim Jong Un dann wohl Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas nennen können und auch Vorsitzender der zentralen Militärkommission der Partei sein. Ob es noch weitere Positionen gibt, die er bekommen wird, muss sich dann zeigen. Das Feuerwerk wird der junge Kim dann wohl schon in seiner neuen Funktion zünden und sich auf die Fahnen schreiben können. Sein Opa wäre sicher stolz gewesen zu sehen, wie der Familienbetrieb floriert.

Es sieht also ganz so aus, als würde Kim Il Sung eine rundum gelungene Party bekommen. Es wird jedenfalls spannend sein, das Fest zu verfolgen, denn ob es nicht noch weitere Überraschungen gibt, das kann man ja nie wissen. Außerdem ist es ja immer interessant zu beobachten, wer noch zur Familie gehört und wer verstoßen (oder schlimmeres) wurde. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja auch noch einen kleinen Familienstreit. Auch wenn das ziemlich unwahrscheinlich ist, so kann man sich ja gerade unter den gegebenen Umständen vorstellen, dass der Eine oder Andere am Ende des Tages mit dem Arrangement oder seinem Geschenk nicht glücklich ist.

Machtverschiebung zwischen nordkoreanischen Führungsorganen: Wird die CMC Kim Jong Uns NDC?


Entschuldigt bitte, dass ich in letzter Zeit so viel über die inneren Vorgänge des Regimes schreibe und spekuliere und so wenig über andere interessante Hintergründe. Aber im Regime tut sich gerade so viel Interessantes, dass ich da einfach nicht dran vorbei komme. Tja, und da wisst ihr wohl schon, was euch erwarte. Mir ist heute, als ich die KCNA Meldungen überflogen habe, nämlich eine ins Auge gesprungen. Der Artikel ist überschrieben mit: „Talks between Delegation of DPRK National Defence Commission and Chinese High-ranking Military Delegation„.

Da stimmt doch was nicht…

Wenn ich eine solche Überschrift lese habe ich bestimmte Erwartungen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Kim Jong Il die Gespräche als Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission (Ich nutze der Einfachheit halber die englische Abkürzung NDC) leitet. Aber da es sich vermutlich um Arbeitsgespräche handelt kann er sich auch raushalten und um seine Gesundheit kümmern. Dann würde ich aber erwarten, dass die nordkoreanische Seite der Delegation der NDC von einem Vizevorsitzenden, vielleicht Jo Myong-rok, Kim Yong-chun oder Jang Song-thaek geleitet würde. Aber nichts dergleichen.

NDC-Delegation (fast) ohne NDC-Mitglieder

Um genau zu sein ist unter den aufgelisteten Teilnehmern nur ein Mitglied der NDC, nämlich Kim Jong-gak. Der hat zwar auch in der letzten Zeit eine recht steile Karriere hingelegt und ist noch recht jung (67), aber er ist erst vor einem guten Jahr in die NDC aufgerückt, also kein etabliertes und hochrangiges Mitglied. Das finde ich schonmal bemerkenswert, wenn bei einer NDC-Delegation nur ein NDC-Mitglied teilnimmt. Noch bemerkenswerter finde ich aber, wer die NDC Delegation geleitet hat. Das war nämlich Ri Yong-ho (schon wieder der). Der ist Vizevorsitzender der zentralen Militärkommission der Partei, wurde aber mit der NDC noch nie (außer in schlecht recherchierten Meldungen) in Verbindung gebracht.

CMC als Kim Jong Uns „eigenes“ Machtvehikel?

Für mich ist das Ganze erstens ein seltsamer Sachverhalt und gibt zweitens breiten Raum für Interpretationen: Ich habe mir schon seit der Berufung Kim Jong Uns zum Vizevorsitzenden der zentralen Militärkommission der PdAK (ich kürze auch das englisch mit CMC ab) Gedanken darüber gemacht, ob es nicht sein könnte, dass diese sozusagen nach und nach die Position einnehmen soll, die die NDC im Falle Kim Jong Ils innehatte. So eine Art Führungsvehikel in der Mache. Das wäre eine Methode, die auch bei Kim Jong Il funktioniert hat, denn die Bedeutung die sie heute hat, gewann die NDC ja erst mit Kim Jong Il (oder umgekehrt), sie wurde als Führungsinstrument aufgebaut und auf Kims Bedürfnisse zurechtgeschnitten. Warum sollte Kim Jong Un dann nicht sein eigenes Instrument bekommen, vor allem weil dieses dann auch auf seine Bedürfnisse anpassen kann. Aus dieser Überlegung heraus habe ich mir gedacht, dass es Sinn machen würde, die CMC mal genauer im Auge zu halten. Und was kann ein deutlicheres Zeichen dafür sein, dass die CMC an Einfluss gewinnt, als die Tatsache, dass ihr Vizevorsitzender eine Delegation der NDC anführt, die auch noch kaum NDC Mitglieder beinhaltet. Für mich steckt da viel drin.

Personalüberschneidungen: Vertrauensleute und high potential

Ich  habe dann mal nachgeschaut und es gibt ein paar Leute, die in beiden Gremien sitzen: Jang Song-thaek, über den wohl nicht viel sagen muss (hoch gehandelt, angeheirateter Onkel Kim Jong Uns und öfter mal als wichtig(st)er Strippenzieher im Hintergrund beschrieben), Kim Yong-chun (74), neben Kim Jong Il einziger Marschall der Koreanischen Volksarmee, ehemaliger Generalstabschef und jetzt Verteidigungsminister, gilt als treuer Gefolgsmann Kim Jong Ils, sowie Kim Jong-gak, den ich ja schon oben genannt habe und der wohl ein „high potential“ des nordkoreanischen Militärs ist. Was haben die Drei gemein? Zwei von ihnen haben enge Bindungen zu Kim Jong Il und alle drei sind noch nicht in dem Alter, in dem ihr baldiger Tod sehr wahrscheinlich ist. Sie könnten als Vertrauensmänner Kims in der CMC gesehen werden und als Brücke zwischen NDC und CMC, über die evtl. auch ein Teil der Macht transferiert werden könnte.

Augen offen halten

Ob ich da zu weit gesprungen bin werden wir in der nächsten Zeit beobachten können. Hört man öfter mal was von der CMC und wird ihre Position wichtiger, dann würde das meine Theorie untermauern. Wenn nicht. Naja, irren ist menschlich.

%d Bloggern gefällt das: