Nordkorea beschießt eine südkoreanische Inseln mit Artillerie: Ein Soldat tot

Update II (25.11.2010): Das Regime in Pjöngjang hat nochmal nachgelegt und versucht den Angriff zu rechtfertigen, dieses Mal über das Außenministerium (der NDC äußert sich wohl nicht…). Macht das Ganze auch nicht besser und selbst in dem Propagandagesülze merkt man wie schwach die rechtfertigenden Argumente sind. Interessant ist es trotzdem:

Pyongyang, November 24 (KCNA) — A spokesman for the DPRK Foreign Ministry Wednesday issued the following statement:

As already reported by the Supreme Command of the KPA, the revolutionary armed forces of the DPRK on Nov. 23 took a decisive self-defensive measure to cope with the enemy’s reckless military provocation of firing shells inside the territorial waters of the DPRK side around Yonphyong Islet in the West Sea of Korea.

The army of the DPRK warned several times that if even a single shell of the enemy is fired inside the territorial waters of the DPRK, it will take a prompt retaliatory strike in connection with the live shell firing drill they planned to stage from Yonphyong Islet while conducting the ill-famed war maneuvers for a war of aggression against the DPRK codenamed Hoguk.

At 8:00 a.m. on Nov. 23, the very day the incident occurred, the head of the delegation of the DPRK side to the inter-Korean military talks sent a telephone message to the head of the delegation of the enemy side once again strongly urging it to cancel the plan for staging the above-said firing drill in the waters around the islet, the sensitive waters.

This notwithstanding, the enemy committed such an extremely reckless military provocation as firing dozens of shells from the islet inside the territorial waters of the DPRK side from around 13:00.

The enemy fired shells from the islet which is so close to the territory of the DPRK that it is within each other’s eyeshot despite the fact that there are so many mountains and rivers, sea waters and islets in south Korea. This powder-reeking saber-rattling cannot be construed otherwise than a politically motivated provocation.

The enemy is claiming that they fired shells southward from the islet in a bid not to get on the nerves of the DPRK but Yonphyong Islet is located deep inside the territorial waters of the DPRK away from the maritime military demarcation line. If live shells are fired from the islet, they are bound to drop inside the territorial waters of the DPRK side no matter in which direction they are fired because of such geographical features.

The ulterior aim sought by the enemy is to create the impression that the DPRK side recognized the waters off the islet as their „territorial waters“, in case that there was no physical counter-action on the part of the former.

Herein lies the crafty and vicious nature of the enemy’s provocation.

The army of the DPRK took such a self-defensive measure as making a prompt powerful strike at the artillery positions from which the enemy fired the shells as it does not make an empty talk.

This incident is one more dangerous development which took place because of the illegal „northern limit line“ unilaterally fixed by Clark, UN forces commander, as he pleased on Aug. 30, 1953 after the conclusion of the Korean Armistice Agreement.

The U.S., its followers and some bosses of international bodies should drop such bad habit as thoughtlessly accusing somebody before learning about the truth about the incident.

If they shield south Korea, the criminal, without principle, just for being their ally, this is little short of feeding oil to the fire.

The DPRK that sets store by the peace and stability of the Korean Peninsula is now exercising superhuman self-control but the artillery pieces of the army of the DPRK, the defender of justice, remain ready to fire.

Außerdem enthält es, wie ich finde, eine sehr tolle Propagandastilblüte: Die „Defender of justice“ üben „superhuman self-control“. Wer sich den Unfug immer einfallen lässt?!?

Update I (23.11.2010): Hier die nordkoreanische Sicht der Dinge, die man auch auf KCNA nachlesen kann:

The Supreme Command of the Korean People’s Army Tuesday released the following communique:
The south Korean puppet group perpetrated such reckless military provocation as firing dozens of shells inside the territorial waters of the DPRK side around Yonphyong Islet in the West Sea of Korea from 13:00 on Nov. 23 despite the repeated warnings of the DPRK while staging the war maneuvers for a war of aggression on it codenamed Hoguk, escalating the tension on the Korean Peninsula.
The above-said military provocation is part of its sinister attempt to defend the brigandish „northern limit line,“ while frequently infiltrating its naval warships into the territorial waters of the DPRK side under the pretext of „intercepting fishing boats.“
The revolutionary armed forces of the DPRK standing guard over the inviolable territorial waters of the country took such decisive military step as reacting to the military provocation of the puppet group with a prompt powerful physical strike.
It is a traditional mode of counter-action of the army of the DPRK to counter the firing of the provocateurs with merciless strikes.
Should the south Korean puppet group dare intrude into the territorial waters of the DPRK even 0.001 mm, the revolutionary armed forces of the DPRK will unhesitatingly continue taking merciless military counter-actions against it.
It should bear in mind the solemn warning of the revolutionary armed forces of the DPRK that they do not make an empty talk.
There is in the West Sea of Korea only the maritime military demarcation line set by the DPRK.

Verantwortlich dafür sind nach nordkoreanischer Lesart südkoreanische Schüsse. Könnte gut sein, dass die im Rahmen des Militärmanövers in der Region abgefeuert wurden. Darauf deutet auch der Hinweis, dass man nur die von Nordkorea festgelegte Grenzziehung anerkenne.

Ursprünglicher Beitrag (23.11.2010): An der umstrittenen Seegrenze zwischen Süd- und Nordkorea ist es heute Morgen offenbar zu einem Artilleriegefecht zwischen beiden Staaten gekommen. Berichten zufolge eröffnete die nordkoreanische Seite um etwa 14:34 Ortszeit das Feuer und schoss etwa 200 Artilleriepatronen in Richtung der unter südkoreanischer Kontrolle stehenden Insel Yeonpyeong. Dabei schlugen etwa 50 der Geschosse auf der Insel ein, auf der etwa 1.800 Menschen leben. Dabei soll ein südkoreanischer Soldat getötet und dreizehn verwundet worden sein, drei davon schwer. Die südkoreanische Armee erwiderte das Feuer umgehend mit etwa 80 Schüssen. Außerdem wurden Kampfflugzeuge auf der Insel stationiert. Weiterhin wurde das südkoreanische Militär in den höchsten Alarmzustand versetzt. Lee Myung-bak rief sein Sicherheitskabinett zusammen um über das weitere Vorgehen zu und rief seine Minister dazu auf, eine weitere Eskalation der Situation verhindern. 

(We) should carefully manage the situation to prevent the escalation of the clash

wird er zitiert.

Überraschende Provokation

Diese neue und sehr plötzliche Provokation Nordkoreas kommt überraschend (für mich jedenfalls). Dieses Mal bestehen anders als beim Untergang der Cheonan keine Zweifel am Verursacher der Eskalation. Auch gab es diesmal keine Ankündigung, wie es bei den Vorfällen Anfang des Jahres der Fall war, als Nordkorea wiederholt Artilleriegeschosse ins Westmeer abgefeuert hatte. Auch ein „Versehen“ kann bei solch massivem Beschuss ausgeschlossen werden, denn 50 Mal ausversehen eine Insel zu treffen, ist nicht besonders realistisch. Yonhap schreibt, dass der Beschuss mit einem Seemanöver zusammenhängen könnte, dass die südkoreanische Marine derzeit in der Region durchführt.

Ende der vorsichtigen Annäherung mit dem Süden

Jedoch bleibt unabhängig von den wahren Gründen für den Beschuss zu bemerken, dass damit die vorsichtige Annäherung, die in den letzten Wochen zu sehen war und die beispielsweise in den Familienzusammenführungen ihren Ausdruck fanden, ein abruptes Ende gefunden haben dürfte. Dadurch, dass es auf der südkoreanischen Seite Opfer gegeben hat, kann Lee Myung-bak auch nicht so einfach über das Geschehene hinwegsehen. Da sich das Regime in Pjöngjang bisher allerdings unwillig gezeigt hat, die Verantwortung für ihr aggressives Vorgehen zu übernehmen, wie beispielsweise auch im Fall der Cheonan, steht einer Annäherung nun ein weiteres großes Hindernis im Weg.

China in einer unangenehmen Situation

Auch China gerät durch das Verhalten Pjöngjangs in eine sehr unangenehme Situation. Während man sich hinsichtlich des Cheonan-Zwischenfalls auf die Position zurückzog, dass die Verantwortung  Pjöngjangs nicht zweifelsfrei belegt sei und man mit dieser Begründung ein Vorgehen der Staatengemeinschaft verhinderte, dürfte dies in der jetzigen Situation schwieriger sein. Die Aggression ging ganz klar und unprovoziert vom Norden aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Peking glücklich mit dem Vorgehen des Verbündeten ist.

Mögliche Gründe für den Zwischenfall

Allerdings kann man aus den Reaktionen Chinas in den nächsten Tagen eventuell herauslesen, warum es zu diesem Zwischenfall kam. Grundsätzlich gibt es dafür nämlich meiner Meinung nach zwei mögliche Szenarien. Entweder der Befehl für den Beschuss kam von ganz oben, oder jemand hat eigenmächtig gehandelt. Normalerweise sehe ich die zweite Option im Falle Nordkoreas immer als sehr unwahrscheinlich an, denn es ist schwierig vorstellbar, dass eine Person oder Gruppe so viel Freiraum und vor allen Dingen Mut hat, dass sie ein solches Vorgehen wagen würde. Allerdings steht diese Provokation im Gegensatz zu dem Vorgehen, das ansonsten in letzter Zeit zu beobachten war. Man ließ die  Familienzusammenführungen zu, entließ den Gefangenen Aijalon Mahli Gomes in die Freiheit und holte sich Wissenschaftler aus den USA ins Land, die irgendeine Botschaft übermitteln sollten, u.a. wie weit das Land mit der Urananreicherung ist und wo die Anlage dazu genau steht. Wozu die Mühe, wenn man nur kurze Zeit später jegliche Möglichkeiten, die dadurch entstanden sein könnten, wieder zerstört. Daher könnte ich mir vorstellen, dass irgendwer mit der gegenwärtigen außenpolitischen Ausrichtung nicht zufrieden war. Auch vorstellen könnte ich mir, dass man in Pjöngjang von den ausbleibenden Erfolgen der eigenen Bemühungen frustriert war. Denn die oben genannten Gesten reichten ja offensichtlich nicht aus, um die Position der USA und Südkoreas grundlegend zu ändern, auch wenn in den letzten Wochen ein kleiner Wandel in der Rhetorik Lee Myung-baks festzustellen war. Gleichzeitig gab es aber auch beispielsweise neue Sanktionen von den USA. Es könnte also sein, dass man in Pjöngjang zurzeit keine Erfolgschancen für den Friedensmodus gesehen hat und man daher wieder auf Konfrontation umgeschaltet hat. Eine dritte und sehr undurchsichtige Möglichkeit ist die, dass aufgrund der Nachfolgevorbereitungen für Kim Jong Un eine Notwendigkeit für gesteigerte Spannungen und /oder einen militärischen Erfolg gesehen wurde. Wie diese Notwendigkeit begründet würde, weiß ich aber nicht, da ich dazu zu wenig über die inneren Prozesse im Regime weiß.

Wie man mehr erfahren könnte

Will man mehr über die Hintergründe des Zwischenfalls erfahren, der hoffentlich keine Fortsetzung findet, wird es am sinnvollsten sein, zu beobachten, was die nordkoreanischen Medien dazu sagen, wenn sie etwas sagen und wie China sich verhält. Zeigt sich Peking nachsichtig, würde ich das als Indiz dafür nehmen, dass man dort glaubt, dass der Vorfall nicht von oberster Stelle befohlen wurde.

Wir werden sehen und bis dahin muss man hoffen, dass die Entscheider im Süden einen kühlen Kopf bewahren und die im Norden den Ihren etwas abkühlen.

10 Antworten

  1. Im folgenden drei Berichten nordkoreanische Medien über Anderungswünsche / Änderungen der Seegrenze aus nordkoreanischer Sichtweise:

    Die ersten beiden Artikel vom Juli 1999 zeigen, dass die DVRK die auch ihr bekannte NLL – „Northern limit line“ (1953 von den USA festgelegt) nicht mehr akzeptieren („sie ist illegal“) und gab als einseitige Willenserklärung eine Erweiterung (nach Süden) der von Nordkorea gewünschten „Maritime Demarcation Line“ (später von den Nordkoreaner selber in „Military Demarcation Line“ umbenannt) mit genauen geographischen Details bekannt und forderte die USA und Südkorea auf, dies vertraglich zu bestätigen. (Nach einem Zwischenfall an der Grenze wollte Nordkorea dann nur mehr mit den USA über die Erweiterung der Seegrenze reden)

    Die USA akzepierte den nordkoreanischen Vetrgsvorschlag nicht:
    Die Folge: Für die USA und Südkorea galt weiterhin die NLL (seit 1953) als Seegrenze, für Nordkorea ab 1999 die von ihr nach Süden verlegte MDL.

    1999 verlegte Nordkorea bloss die Grenze einseitig in Richtung Süden, wollte oder konnte das aber noch nicht faktisch durchsetzen.

    Deshalb die neue nordkoreanische Willenserklärung vom Dezember 2009, dass die DVRK die sogennante „peacetime firing zone“ einrichtet und südkoreanische Militäraktivitäten in dem von ihr beanspruchten See-Terrizorium ab sofort militärisch bekämpft:

    Quellen: kcna, choson shinbo

    1. und 2. von 1999, 3. von 2009$$

    1. http://www.kcna.co.jp/item/1999/9908/news08/26.htm

    und

    2. http://www1.korea-np.co.jp/pk/104th_issue/99072209.htm

    3. „calendar>>December 21. 2009 Juche 98

    KPA Navy Sets up Firing Zone on MDL

    Pyongyang, December 21 (KCNA) — A spokesman for the Navy Command of the Korean People’s Army Monday released a statement clarifying the stand of the Korean People’s Army to defend by a physical force the extension of the Military Demarcation Line the DPRK set in the waters of the West Sea of Korea.

    The statement said:

    A dangerous situation still prevails in the waters of the West Sea of Korea due to the deliberate military provocations of the warmongers of the military and conservative forces of south Korea despite our repeated warnings.

    The frequent intrusions of the warmongers of the south Korean military into the territorial waters of the north side in the West Sea of Korea have recently developed into adventurous bombardments.

    The warmongers of the military and the conservative forces of south Korea are seeking to preserve the illegal „northern limit line“ through their premeditated military provocations and going so foolish as to insist that the waters south of it are their territorial waters and make them an established fact.

    The Navy Command of the KPA states as follows in order to cope with the grave situation prevailing in the waters of the West Sea of Korea:

    1. In order to counter the reckless military provocations of the warmongers of the south Korean military our navy declares the waters on the extension of the Military Demarcation Line in the West Sea under the control of our army as a peacetime naval firing zone of coastal and island artillery units of the KPA.

    2. All fishing boats and warships are required to take security measures by themselves in that zone to protect themselves.

    3. We re-clarify at home and abroad that there exists no illegal „northern limit line“ except the extension of the Military Demarcation Line in the waters of the West Sea of Korea declared by the DPRK“

    • Hey Werner,
      mal wieder vielen vielen Dank für die zusätzlichen Hintergrundinfos. Das hilft noch etwas klarer zu sehen.
      Ach übrigens, wenn du auf KCNA rechtsklick auf ne Nachricht machst und dann „In neuem Fenster/Tab öffnen“, bekommst du einen direktlink zu der Nachricht.

  2. Immer, wenn man in unserer Presse keine Informationen bekommt, welche eine Handlung kausal erscheinen lassen, aber dafür umso mehr psychische Diffamierungen („Verrückter“, „Regime“, „Terrorregime“, „Hungerregime“) vernimmt, stimmt immer etwas nicht
    (Politik auf der ganzen Welt und in allen Zeiten funktioniert nun mal nicht wie im Comicheft, sd. richtet sich in erster Linie nach Interessen, also kausalen Überlegungen, wenn auch von unterschiedlichen Standpunkten aus).

    So finde ich es ja sehr interessant, daß man nicht in der westlichen Lizenzpresse informiert wird, daß diese Insel inmitten Nordkoreanischer Gewässer liegt, bzw. in solchen, die Nordkorea als seine betrachtet!

    Wer von einem solchen geographischen Punkt aus Granaten ins umliegende Meer abfeuert, handelt nicht friedfertig, sondern führt etwas im Schilde.

    Daß man heute auf Bloomberg lesen kann, daß in diesem Gebiet nun US-Militärmanöver beginnen, die schon längst geplant waren, macht die Sache dann doch reichlich pikant.

    Wie würden die selbsternannten „Friedensbringer“, die den ganzen Globus als ihre Interessenssphäre betrachten, wohl reagieren, wenn China und Nordkorea solche Militärmanöver auf der Nasenspitze der US-amerikanischen Stützpunkte auf Südkorea abhalten würden und im Vorfeld schon mal ein paar Granaten in südkoreanische Gewässer schießen würden?

    Ohne irgendwelche Sympathien für das Rote Nordkorea zu hegen, so finde ich die Heuchelei des Westens unerträglich und die Kriegstreiberei kriminell. Wenngleich die Propagandamaschinerie wieder einmal zeigt, daß sie unerreicht ist. Nur das blöde Internet müßte man endlich unter Kontrolle bringen…

    Und weil es dem unserem überschuldeten Finanzsystem alles andere als gut geht, bekommen solche Zündeleien seitens der „Friedensbringer“ wieder einmal einen sehr üblen Beigeschmack.

    Durch die Fülle an Preseerzeugnissen fällt den wenigsten eben auf, daß sie nicht mit Informationen, sd. mit Desinformation abgespeist werden.

    Danke an diesen Blog, daß er den nordkoreanischen Originaltext eingestellt hat und man sich so ein eigenes Bild machen kann.

    • Naja, bei aller kritischer Betrachtung sollte man allerdings auch versuchen, den Bogen nicht zu überspannen. Man sollte auch nicht vergessen wer der Aggressor war und wer nicht und der ist in diesem Fall klar auszumachen. Wenn Nordkorea sich jedesmal provoziert gefühlt hätte, wenn Schießübungen in den umstrittenen Gewässern waren, sähen die Inseln wohl jetzt aus wie die Gegend rund um Verdun.
      Kritisch sein ist gut, aber aus Prinzip dagegen sein ist Schwachsinn, meine Meinung…

  3. Spannend waere mal zu wissen, wo nun genau die Seegrenzen liegen (nach Ansicht beider jeweiligen Seiten). Das wuerde helfen, die Behauptungen beider Seiten besser zu beurteilen.

    Interessant waere insbesondere zu wissen, ob die Suedkoreaner (die ganz bestimmt wissen, wo das umstrittene Gebiet ist und auch ganz bestimmt GPS haben) in ihrem Manoever nun dieser vermeintlichen Grenze nahe gekommen sind oder das Gewaesser gemieden haben.

    Wenn sie die umstrittene Seegrenze (dann wohl eher absichtlich) ueberschritten haetten, dann ist eine solche Reaktion aus dem Norden zwar unerfreulich aber nicht unvorhersehbar.

    Leider habe ich zu diesem Thema keine Karten finden koennen.

    • Das ist sehr einfach, auf diesem Blog

      http://www.rjkoehler.com/
      (gilt als Referenz-Blog über Korea in engl. Sprache)

      bis zum Titel: „Breaking News: NK shells Yeonpyeong-do“ hinunterscrollen

      und da ist sie, die Karte:
      die schwarz-weiß strichlierte Linie stellt die faktische Grenze zwischen NK und SK seit dem Koreakrieg dar. In dicker roter Farbe die spätere Wunschgrenze der Nordkoreaner.

      Und Nordkorea sagt: „Die Grenze die wir festlegen ist die einzige Richtige!“
      >> troubles sind vorprogrammiert …
      Schießen die Südkoreaner irgendwo südlich der schwarz-weiss strichlierten Linie (also auf faktisch südkoreanischen Gebiet herum, dann verstehen die Nordkoreaner das nun als Beschießung nordkoreanischen Territorims ?!

  4. Was zum Teufel ist in Nordkorea gefahren? Meines Erachtens nach handelt das Regime vollkommen irrational und nimmt eine Eskalation/Krieg in Kauf? Geht es dem Regime wirklich noch darum sich selbst zu erhalten oder sucht es sich gerade einen heroischen Abgang?

    Im Übrigen finde ich, spricht die durchaus sehr schnelle Pressemitteilung der KCNA dafür, dass keinesfalls eigenmächtig gehandelt wurde, sondern das Ganze durchaus geplant und von ganz oben abgesegnet wurde.

    Noch interessant: http://zettelsraum.blogspot.com/2010/11/marginalie-stratfor-zum-hintergrund-des.html
    http://www.freekorea.us/2010/11/23/thoughts-on-the-shelling-of-yonpyeong-do/

  5. Ja, sehe ich ähnlich wie tobid001. Ausschließen kann man zwar nichts, da fehlen uns einfach mal die Informationen, doch meiner Meinung nach ist so ein Artilleriebeschuss ohne einer direkten Order von ganz Oben, nicht möglich (wie gesagt, reine Spekulation, wissen tut keiner was).
    Krass finde ich, dass billigend in Kauf genommen wurde, dass dutzende von Zivilisten hätten sterben können. Militärische Stellungen oder ein Kriegsschiff zu beschießen, würde ich ja noch verstehen, aber diese Vorgehensweise ist echt ne fiese Nummer.

    tollstoii

  6. Es gibt dort eine umstrittene Seegrenze und damit Gewaesser, die beide Seiten als ihr Territorium betrachten. Die KCNA Meldung lege nahe, dass die Suedkoreaner in ebendiesen umstrittenen Gewaessern geschossen haben, was vom Sueden so gesehen wird, dass man nur in eignen Gewaessern aktiv war, im Norden jedoch als Grenzverletzung wahrgenommen wird.

    Es hat wegen unklarer Seegrenzen ja schon frueher Schiessereien gegeben und bisherige ROK Regierungen haben einfach das Gebiet bei Manoevern gemieden, weil sonst eine Reaktion des Nordens abzusehen gewesen waere.

    Eine eigenmaechtige Handlung eines lokalen Kommandanten halte ich auch nicht fuer so abwegig. Er hat schliesslich nur einen Befehl ausgefuehrt, der sicher allgemein (Grenzverletzer bestrafen) und nicht im globalpolitischen Zusammenhang individuell gegeben worden ist.

    Wenn er bei Beschuss vermeintlich eigenen Territoriums NICHT zurueckgeschossen haette, dann haette es dafuer wohl einen Extrabefehl geben muessen. Und das ist wohl verschlafen worden (absichtlich oder unabsichtlich).

    Die Grenztruppen werden sicher nicht wissen, dass der US-Delegation erst kuerzlich die Zentrifugenanlage gezeigt worden ist. Fuer sie war m.E. der Vorfall Dienst nach Vorschrift.

    • Das ist durchaus im Rahmen des Möglichen, allerdings sehe will ich an eine reine „Dienst nach Vorschrift-Theorie“ nicht so ganz glauben.
      Ich weiß es zwar nicht, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die auf der Insel befindlichen südkoreanischen Einheiten da nie schießen (üben). Dann dürfte es da recht häufig zu Zwischenfällen kommen.
      Der Kommandant auf nordkoreanischer Seite muss außerdem wohl wissen, wie die faktische Situation dort ist: Die Insel gehört dem Süden, daher kann er sie ja nicht wirklich als nordkoreanisches Territorium gesehen haben.
      Weiterhin dürften für die Gebiete, die zwar umstritten, aber faktisch in südkoreanischer Hand sind, spezielle Einsatzregeln gelten (ich glaube nicht, dass es da Ermessensspielraum für Kommandanten gibt. Das wäre zumindest sehr gefährlich).
      Außerdem fände ich es bei einem von dem Manöver verursachten Zwischenfall überraschend, dass keine Schiffe ins Visier genommen wurde sondern die Insel.
      Was zuletzt noch auffällt ist, wie schnell die Reaktion über die nordkoreanischen Medien kam. Bei einem so weitreichenden Zwischenfall muss die wohl von höchster Stelle abgesegnet und diskutiert werde. Entweder das ging hier sehr schnell (im Gegensatz zum Cheonan-Zwischenfall, wo ja lange garnichts kam), oder es lag schon ein Schrieb bereit.
      Wie gesagt, es kann trotzdem sein, dass ein Kommandant übernervös war und Schießbefehl gegeben hat, das Risiko für Missverständnisse besteht ja immer an dieser Grenze, aber einiges spricht meiner Meinung nach auch für andere Hintergründe.

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