Fußball in Nordkorea: Geschichte, Spieler, Hintergründe

Kürzlich hab ich ja versprochen, dass ich mich anlässlich der WM Teilnahme Nordkoreas  ernsthaft mit dem nordkoreanischen Fußball und seinen Protagonisten auseinandersetzen würde. Also hab ich mich aufgemacht (so rein virtuell mein ich natürlich) um mein Wissen über die nordkoreanischen Ballkünstler etwas zu erweitern. Das wichtigste was ich rausgefunden habe werdet ihr im Folgenden zu lesen kriegen.

Beim oberflächlichen Recherchieren stößt man vor allen Dingen immer wieder auf die Info, dass Nordkorea bisher einmal an einer WM teilgenommen hat, nämlich 1966 in England. Dort hat Kim Il Sungs Team dann aber ganzschön für Aufruhr gesorgt und Italien in der Vorrunde rausgekickt. Im Viertelfinale ist ihnen dann das Kunststück gelungen, gegen Portugal 3:0 vorne zu liegen, um am Ende mit einem 3:5 nach Hause zu fahren. Aber das ist es eigentlich auch schon, wovon die (Männer)fußball-Seele Nordkoreas zehrt. Dazu gibts übrigens auch ne Doku, die ich mir bei Gelegenheit mal besorgen werde:

Jedenfalls hat man von den Fußballmännern seit diesem glorreichen Auftritt irgendwie nichtmehr so richtig was gehört. Dies könnte allerdings auch an der nicht eben kleinen politischen Einmischung in den Sport liegen. So war Kim Jong Il nach einer 3:0 Niederlage Nordkoreas gegen Südkorea 1993 so erbost, dass es für die nächsten fünf Jahre keinen internationalen Auftritt der nordkoreanischen Kicker mehr gab, denn sie sollten sich „aufs trainieren konzentrieren“. Die Frauen dagegen sorgen schon seit einigen Jahren für Furore. Die U-17 und U-20 Mannschaften der Frauen wurden in der jüngsten Vergangenheit je einmal Weltmeister, das Frauennationalteam wurde immerhin dreimal Asienmeister und musste sich bei den olympischen Spielen in Peking erst im Viertelfinale dem späteren Olympiasieger Deutschland geschlagen geben.

Hinsichtlich des Fußballs in Nordkorea, aus dem sich ja die Nationalmannschaft zu großen Teilen rekrutiert, gibt es deutliche Unterschiede zu den von uns gewohnten Strukturen. So scheint die die Infrastruktur und Ausstattung des Fußballs sehr schlecht zu sein. Scheinbar gibt es auch keine nationale Liga wie wir sie kennen, sondern Turniere, die im Rahmen verschiedener nationaler Sportfeste stattfinden. Dort ist Fußball nur eine Sportart unter mehreren, wenn auch von besonderer Beliebtheit. (Die Wettbewerbe sind: der Mount Paektu Wettbewerb im Februar, der Mangyeongdae Wettbewerb im April, der Bocheongbo Fackelschein Wettbewerb in Juni und die Republik Meisterschaften im Oktober). Die Weiterentwicklung des Fußballs wird scheinbar vom nordkoreanischen Fußballwissenschaftlichen Labor aus gesteuert, das Videos und Bücher zum Thema aus anderen Ländern importiert und auswertet (Klingt nach nem interessanten Ansatz, oder?). Es gibt acht Fußballmannschaften die zur „ersten Liga“ des nordkoreanischen Fußballs gehören von denen die Athletik Gruppe des 25. April, die dem Militär zugehörig ist, die Aprok River Athletik Gruppe, die der Polizei zugehörig ist, die Pjöngjang City Athletik Gruppe und die Lokomotive Athletik Gruppe die wichtigsten sind.

Erstaunlicherweise gibt es außer den Spielern, die in diesen Vereinen spielen auch einige Nationalspieler, die im Ausland tätig sind. Manche von diesen gehören der Gruppe der in Japan lebenden Koreaner, die Nordkorea gegenüber loyal sind an. Andere sind aber in Nordkorea geboren und aufgewachsen und dann zu ausländischen Clubs gewechselt. Einer von diesen Spielern ist Hong Yong-jo, der nach einem Gastspiel in Serbien zum FC Rostov in die erste russische Liga wechselte. Hong, der für Nordkorea mit der Nummer 10 aufläuft gilt als einer der Leistungsträger der Mannschaft, nicht zuletzt aufgrund seiner internationalen Erfahrung. Auch Choe Myong-ho, der „nordkoreanische Christiano Ronaldo“ stammt aus Nordkorea und spielt(e weiß man nicht so genau) bei  Krylia Sovetov Samara in der ersten russischen Liga. Ahn Young-hak dagegen gehört zu der Gruppe aus Japan stammender Koreaner und spielt zurzeit in Südkorea. Auch Jong Tae-se, der „asiatische Wayne Rooney“ gehört zu dieser Gruppe. Obwohl er einen südkoreanischen Pass besaß und in Japan geboren war, entschied er sich 2007 für die nordkoreanische Nationalelf. Zur Zeit spielt er in der japanischen Liga. Diese interessante und irgendwie auch internationale Mischung hat auf jeden Fall genügt um die nordkoreanische Mannschaft in den Kreis der 32 Teams zu führen, die um die Weltmeisterschaft spielen. Jedoch dürfte ein ähnliches Husarenstück wie vor über 40 Jahren in England nötig sein, um die Gruppenphase gegen, die Elfenbeinküste, Portugal und Brasilien zu überstehen. Aber weil man die Truppe ja nicht besonders gut kennt, sind vielleicht ja ein oder zwei Überraschungen möglich. Ich werd auf jeden Fall versuchen mir ein Spiel von Nordkorea anzugucken.

Achja ums nicht zu vergessen. Hooligans haben sie scheinbar auch in Nordkorea.  Nach ner 0:2 Niederlage in Pjöngjang gegen den Iran warfen Zuschauer mit Steinen und Flaschen nach den gegnerischen Spielern und hinderten sie am Verlassen des Stadions. Erst durch das Einschreiten von Spezialeinheiten der Polizei konnte die Gewalt beendet werden. Schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass da nicht gerade sachte mit Aufrührern umgegangen wird. Aber auf der anderen Seite zeigt es ja auch, dass es zumindest eine Gemeinsamkeit zwischen Nordkorea und dem Rest der Welt gibt…

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