Bischof Wolfgang Huber besucht Nordkorea

Update 2: Der ORF hat gestern aus einem Interview Hubers gegenüber der DPA zitiert. Dort beschreibt Huber die Situation der Christen in Nordkorea als sehr schwierig, da sie neben ihrem Glauben auch der nordkoreanischen „Staatsreligion“ folgen müssten. Ob es christliche Gemeinden im Untergrund oder überhaupt irgendwelchen gesellschaftlichen Widerstand  gebe sei kaum zu bewerten, es sei aber vorstellbar. Außerdem hob Huber die Bedeutung des direkten Kontakts der EKD zur KCF, auch im Hinblick auf eine Annäherung zwischen nord- und südkoreanischen Christen, hervor.

Update: Ok, mittlerweile dürfte die EKD Delegation sich wieder in einer nicht-stalinistischen Gesellschaft akklimatisiert haben, denn sie sind am Dienstag nach Südkorea weitergereist. Und da denkt man natürlich, dass es irgendwas über die Reise nach Nordkorea zu hören gibt. Gibt es auch tatsächlich: Um genau zu sein zwei Pressemeldungen, eine von der Pressestelle der EKD, und eine von der berühmt berüchtigten nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Die beiden sind durchaus unterschiedlich, was die Textlänge angeht. Was allerdings den Inhalt angeht, werden die Unterschiede schon etwas geringer. Aber wie ja bereits gesagt, wenn der Gesprächsfaden nach Nordkorea, der ja in den seltensten Fällen besonders haltbar ist, nicht reißen soll, dann muss man es wohl bei Allgemeinplätzen belassen und diplomatisches Wischi-Waschi von sich geben. Aber nun mal kurz konkret, obwohl das vermutlich die Meisten, die sich dafür interessieren schon gelesen haben, weil es im Netz ja schließlich auch keine andere Info gibt:

Die Delegation hat sich mit dem Vorsitzenden der offiziellen Kirchenorganisation KCF, Kang Yong-sop getroffen, welcher die Besucher für ihr aktives Engagement bei der Annäherung zwischen nordkoreanischen und südkoreanischen Christen gelobt hat (das aktive Engagement kann ich unterschreiben; was Annäherung angeht, naja…) und seiner Hoffnung zum Ausdruck gebracht hat, dass sich die (christlichen) nord-süd-Beziehungen weiter verbessern mögen. Dann wird aus einer Rede Hubers zitiert, in der er an das geschichtlich bedingte besondere Interesse Deutschlands am geteilten Korea erinnert, um darauf an die Regierungen in aller Welt zu appellieren, „ernsthaft den Weg zu bereiten, damit Frieden, Einheit, Wohlstand und Freiheit auch für die koreanische Halbinsel erreicht werden können“ wozu ein „freies christliches Leben in ganz Korea“ ermöglicht werden müsse. Bei einer weiteren Ansprache nach einem Gottesdienst in einer der beiden evangelischen Kirchen Pjöngjangs berief sich Huber unter anderem auf folgenden Satz aus der Apostelgeschichte: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29).

Hier gibts dann ja doch einige interessante Erkenntnisse (oder Interpretationen) rauszuholen. Es ist ja klar, was die Pressemeldung soll: Uns klarmachen, dass die EKD Delegation in Pjöngjang nicht nur auf eitel Sonnenschein gemacht und backe-backe-Kuchen gespielt hat, sondern durchaus auch öffentlich kritische Themen angesprochen hat. Meiner Meinung nach ist das auch durchaus berechtigt, denn vor allem das Zitat aus der Apostelgeschichte hat theoretisch für ein Regime, wie das in Pjöngjang, ja durchaus negative Implikationen. Allerdings dürfte die Sprengkraft der Aussage in der Realität natürlich etwas begrenzter sein, da erstens diejenigen die Hubers Rede gelauscht haben vom Regime handverlesen gewesen sein dürften, zweitens Mitglieder der mit dem Regime auf Linie liegenden KCF und da drittens selbst wenn Huber mit seinen Reden das Feuer des Widerstandes in den Zuhörern erweckt hätte, die Zahl der Christen in Korea so gering ist, dass daraus kaum ernsthafte Veränderungen entstehen könnten. Nichtsdestotrotz finde ich das Vorgehen Hubers Ok. Er nutzt die Möglichkeit Beziehungen zu knüpfen, bzw. evtl. aufrechtzuerhalten, lässt sich aber trotzdem nicht von einem der repressivsten Regime den Mund verbieten.

Aber es gab ja auch eine offizielle Pressemeldung der KCNA. Weil die vom Ausmaß her recht überschaubar echt winzig ist, zitiere ich sie mal in voller Länge:

A delegation of the Council of the Evangelical Church in Germany arrives

Pyongyang, September 12 (KCNA) — A delegation of the Council of the Evangelical Church in Germany led by Wolfgang Huber, its chairman arrived here today.

Arriving here on the same day were Sachio Nakato, researcher at the International Institute of Juche Idea, and his party.

Also scheinbar hat Huber doch einiges richtig gemacht, jedenfalls wurde sein Besuch nicht zu Propagandazwecken ausgeschlachtet. Warum die Info über den Researcher am Juche Institut noch mit in die Meldung musste versteh ich nicht so ganz, aber vielleicht wollte man ja das ideologische Gleichgewicht aufrechterhalten, oder sowas, und musste daher auch einen echten Verfechter der Wahren Idee mit in den Artikel bauen.

Aber rein spekulativ gibt der Artikel vielleicht noch etwas mehr her, weil oft das was die Leute nicht sagen ja interessanter, als das was sie sagen. Punkt eins warum lädt man einen ausländischen Kirchenmann ein, wenn man fürchten muss, dass er dem Regime eher feindlich gesonnen ist, und wenn man den Besuch auch nicht zur Prestigesteigerung verwerten will? Zwei mögliche Erklärungen: Erstens: Wirtschaftliche Beweggründe, man hofft auf Hilfen. Zweitens: Die KCF besitzt eine gewisse Autonomie und will Kontakte zu Glaubensbrüdern aufrechterhalten. Punkt zwei: Warum schlachtet man den Besuch eines prominenten deutschen Geistlichen nicht unabhängig von dem, was er tatsächlich gesagt und getan hat, propagandistisch aus? Erstens: Wieder wirtschaftliche Beweggründe: Man könnte Sorgen haben, dass die evangelische Kirche darauf nicht besonders erfreut reagieren würde, und evtl. Hilfen nicht gewähren könnte. Zweitens die KCF besitzt über etwas Einfluss und will zwischenkirchliche Kontakte aus der Politik raushalten.

Wie gesagt, für mich haben beide Antwortstränge einen gewissen Charme: Der Wirtschaftliche, weil Nordkoreas Verhalten in einem Großteil der Fälle mit wirtschaftlichen Beweggründen zu erklären ist. (Dagegen spricht allerdings, dass die deutsche evangelische Kirche vermutlich nicht unter den Haupt-Hilfe-Gebern Nordkoreas zu finden ist, und man in Pjöngjang noch nicht einmal zwangsläufig auf die wichtigsten Geldgeber Rücksicht nimmt). Der Punkt mit der gewissen Autonomie der KCF, wegen der Gegenargumente gegen den wirtschaftlichen Erklärungsansatz und weils für mich von der Wahrnehmung her besser passt. (Dagegen spricht allerdings: Warum sollte das Regime in Pjöngjang, einer unbedeutenden Zahl von religiösen Menschen Autonomie gewähren? Das macht eigentlich keinen Sinn.)

Naja, wie meistens werden wir das so genau wohl nie erfahren, aber ich hoffe weiter, dass Bischof Huber, wenn er wieder hier ist, etwas mehr Informationen über seinen Aufenthalt publik macht.

 Ursprünglicher Beitrag: 

Nicht nur deutsche Bundestagsabgeordnete oder Studentinnen fahren nach Nordkorea, nein, auch kirchliche Würdenträger wie zum Beispiel der (noch) Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, der im November in den Ruhestand geht. Dieser Macht sich zum Abschluss seiner Amtszeit noch einmal zu einer recht schwierigen Mission auf, da das Regime in Pjöngjang nicht nur insgesamt recht menschenverachtend ist, sondern es  besonders auf religiöse Menschen abgesehen hat. Huber wird zusammen mit  12 weiteren Delegationsmitgliedern ab heute bis zum 15. September in Nordkorea bleiben und dann in die Republik Korea weiterreisen. Sein Besuch geht auf eine Einladung der Korean Christian Federation (KCF) zurück, also der im staatlichen Gefüge befindlichen Gruppe von evangelischen Christen. Aus der Pressemitteilung der EKD geht hervor, dass der Besuch in Pjöngjang im Zusammenhang stehe

mit ökumenischen Bestrebungen um Frieden und Wiedervereinigung auf der koreanischen Halbinsel und mit Bemühungen, die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Entwicklungspolitik auf der Basis gegenseitigen Vertrauens zu stärken.

Was das genau bedeuten soll, dass wissen wahrscheinlich noch nicht einmal die Reiseteilnehmer selbst (außer vielleicht die Sache mit der Entwicklungspolitik, da gehts dann wohl um Hilfen aller Art). Aber Kontakte aufrecht zu erhalten und vielleicht sogar bei Gelegenheit kritische Themen anzusprechen, dass ist ja auch nicht das Schlechteste. Leider hat Bischof Huber kein Blog, durch das er seine Eindrücke vermitteln kann. Aber weil er ja in offizieller Funktion reist, wäre das eh wahrscheinlich zuviel erwartet, aber vielleicht lässt er die Menschen in Deutschland ja nach seiner Heimkehr (zumindest diplomatisch durchgewischiwaschiet (das soll keine Kritik sein, ich meine ist ja klar, dass wenn man den Kontakt halten will, die „Partner“ in Nordkorea nicht vor den Kopf stoßen darf)) an seinen Eindrücken und Erfahrungen, die er in den drei Tagen gemacht hat, teilhaben (hoffentlich etwas mehr als nur in Form einer mageren Pressemitteilung, die so ziemlich die einzige Info zu der Reise darstellt). Wegen der dünnen Informationslage gibt’s auch nur diesen kurzen Beitrag, aber ich werd das mal zum Anlass nehmen was über Christen in Nordkorea zu schreiben, weil ich über das Thema auch genau nichts weiß, also noch jede Menge lernen kann…

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